Deutsche Banken und Sparkassen Hunderttausende Kunden bedienen Kredite in Corona-Krise nicht

Ein Moratorium erlaubte es Privatkunden in der Corona-Krise fällige Zahlungen aufzuschieben. Allein bei der Deutschen Bank nutzten 70.000 Kunden diese Möglichkeit. Bislang geben sich die Institute gelassen.
Deutsche-Bank-Filiale in Dortmund

Deutsche-Bank-Filiale in Dortmund

Foto: Anja Cord/ imago images/Cord

Mehrere hunderttausend Bankkunden haben in der Corona-Krise ihre Kredite nicht bedient: Allein die Sparkassen zählten Anfang Juli gut 189.000 gestundete Verbraucherkredite, wie ein Sprecher der Finanzgruppe am Montag erklärte. Bei der Deutschen Bank und der Postbank hätten insgesamt etwa 70.000 Privatkunden die Aussetzung von Tilgungen und Zinszahlungen beantragt, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Karl von Rohr (55) der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

"Das ist ein einstelliger Prozentsatz unseres gesamten Kreditportfolios", sagte von Rohr der Zeitung. Die Zahl der Stundungsanträge steige weiter, jedoch deutlich langsamer als noch im Frühjahr. Konsumentenkredite seien ebenso wie beispielsweise Kontoeröffnungen in der Krise deutlich weniger nachgefragt worden. Ein schärferes Sparprogramm oder weitere Filialschließungen hält von Rohr derzeit nicht für nötig. "Wir halten an dem geplanten Kostenziel fest, werden uns aber anstrengen, noch schneller unsere Ziele zu erreichen", so der Banker.

Regierung will Ausnahmeregeln nicht verlängern

"Wir haben in den letzten Wochen erwartungsgemäß vermehrt Anfragen von Privatkunden nach Tilgungspausen und Tilgungsherabsetzungen sowie Anträge auf Ratenstundung erhalten", erklärte auch ein Sprecher der ING. "Gemessen am Gesamtbestand der Verbraucherdarlehen" sei die Zahl der Stundungen aber "relativ gering" gewesen. Auch die Hypovereinsbank sprach von einer "sehr geringen Anzahl" betroffener Privatkunden - Details nannten beide Geldhäuser allerdings nicht.

Die Bundesregierung hatte in der Corona-Krise grundsätzlich allen Verbrauchern ermöglicht, laufende Kredite vorübergehend zu stunden, fällige Zahlungen also aufzuschieben. Ende Juni lief dieses gesetzliche Kreditmoratorium für Darlehensverträge aber aus. Wer seine Kreditschulden wegen finanzieller Belastungen in der Krise nicht mehr bedienen kann, muss bis auf Weiteres also wieder einen persönlichen Tilgungsstopp mit seiner Bank aushandeln.

Auch die vorübergehende Stundungsmöglichkeit bei Energie- und Telekommunikationsverträgen lief Ende Juni aus, ebenso wie der pauschale Kündigungsschutz für Mieter, die ihre Mietzahlungen Corona-bedingt nicht leisten.

Für Firmen und mittelständische Unternehmen hatte die Bundesregierung in der Krise ein spezielles Kreditpaket geschnürt, wobei der Bund die Darlehen unter bestimmten Voraussetzungen zu 100 Prozent absicherte.

Wie ein Sprecher des Justiz- und Verbraucherschutzministeriums der Nachrichtenagentur AFP sagte, plant die Bundesregierung aktuell keine rückwirkende Verlängerung oder Neuauflage der Regelungen für Verbraucher. Die Situation werde aber laufend beobachtet und grundsätzlich sei es weiter möglich, "dass da auch kurzfristig noch mal nachjustiert wird".

rei/afp/rtr
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