Geldhaus in Not Deutsche Bank ... und dann auch noch die Corona-Krise

Vom Kurs gebracht: Deutsche-Bank-CEO Sewing kam die Corona-Krise in die Quere.

Vom Kurs gebracht: Deutsche-Bank-CEO Sewing kam die Corona-Krise in die Quere.

Foto: Fabrice Coffrini/ AFP

Rückschlag statt Aufschwung: Die Corona-Pandemie hat die Hoffnung der Deutschen Bank auf ein baldiges Ende der jahrelangen Durststrecke jäh zunichtegemacht. Analysten erwarten, dass Deutschlands größtes Geldhaus auch 2020 sowohl vor Steuern als auch nach Steuern mit Verlust beenden wird - es wäre das sechste Jahr mit roten Zahlen in Folge.

Die Zwischenbilanz für das erste Quartal, die der Frankfurter Dax-Konzern am Mittwoch (29.4.) veröffentlichen will, dürfte nicht besonders gut ausfallen. Analysten rechnen für den Drei-Monats-Zeitraum vor Steuern im Schnitt mit rund 250 Millionen Euro Verlust, unter dem Strich könnten es demnach 370 Millionen Euro Miese werden. Im ersten Quartal des Vorjahres hatte die Deutsche Bank knapp 200 Millionen Euro verdient.

Noch Mitte März hatte Finanzvorstand James von Moltke das Jahresziel bekräftigt, zumindest vor Steuern wieder Gewinn zu erzielen: "Wenn sich die Wirtschaft nach einem scharfen Einbruch schnell wieder erholt, sehe ich bislang keinen Grund dafür, unser Ziel für dieses Jahr zu relativieren."

Eine Woche später erklärte Konzernchef Christian Sewing im Geschäftsbericht: "Zum Jahresstart hat sich der positive Trend des vierten Quartals 2019 fortgesetzt." Dank ihres Konzernumbaus sehe sich die Deutsche Bank  für einen wirtschaftlichen Abschwung in Folge der Coronavirus-Krise besser gerüstet. Allerdings könnte ein anhaltender Abschwung die weltweit tätige Bank "in erheblicher Weise" negativ beeinträchtigen, heißt es im Geschäftsbericht.

Im vergangenen Jahr hatte der Konzernumbau tiefe Löcher in die Bilanz des Geldhauses gerissen. Unter dem Strich standen rund 5,7 Milliarden Euro Minus. Sewing hatte im Juli 2019 eine grundlegende Neuaufstellung der Bank auf den Weg gebracht: Tausende Jobs werden gestrichen, das Investmentbanking wird gestutzt. Sewing macht die Unternehmensbank, die sich um Mittelständler, Familienunternehmen und multinationale Konzerne kümmert, zum Kern des Instituts, das in diesem Jahr auf eine 150-jährige Geschichte zurückblickt.

Der kurze Höhenflug der Aktie nach Sewings kämpferischem Auftritt bei der Bilanzvorlage Ende Januar ist längst beendet. Nachdem das Papier Mitte Februar erstmals seit Langem wieder mehr als zehn Euro kostete, ging es im Corona-Crash zeitweise bis auf knapp 4,45 Euro nach unten. So billig war die Aktie in ihrer jüngeren Geschichte noch nie. Langfristig gehört das Deutsche-Bank-Papier zu den größten Verlierern seit der Finanzkrise. Seit dem - unter anderem um die Effekte von Kapitalerhöhungen bereinigten - Rekordhoch von etwas mehr als 90 Euro im Frühjahr 2007 ging es um rund 93 Prozent nach unten.

cr/dpa
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