Samstag, 21. September 2019

Bankenfusion geplatzt - jetzt wird Coba-Chef Zielke mit ING sprechen müssen Deutsche Bank und Commerzbank brechen Fusionsgespräche ab

Deutsche Bank, Commerzbank: Fusion droht zu scheitern
Ralph Orlowski /REUTERS
Deutsche Bank, Commerzbank: Fusion droht zu scheitern

Aus einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank wird nichts. Die Gespräche über einen Zusammenschluss seien ergebnislos beendet worden, teilten die Institute am Donnerstag in Frankfurt mit. Nach gründlicher Prüfung seien die Vorstände zu dem Schluss gekommen, dass ein Zusammenschluss "keinen ausreichenden Mehrwert bieten würde", hieß es in getrennten Mitteilungen. Dies gelte "auch mit Blick auf die Umsetzungsrisiken, Restrukturierungskosten und Kapitalanforderungen, die mit einer solch großen Integration einhergehen." Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der als Befürworter einer Fusion galt, erklärte, Kooperationen machten nur Sinn, wenn sie sich betriebswirtschaftlich rechneten.

Anleger reagierten prompt auf das Scheitern der Gespräche: Die Aktien der Commerzbank Börsen-Chart zeigen gaben an der Frankfurter Börse um 3,7 Prozent nach, die Papiere der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, die gleichzeitig einen überraschend hohen Gewinn für das erste Quartal veröffentlichte, legten knapp drei Prozent zu.

Commerzbank-Chef Zielke wird mit niederländischer ING sprechen müssen

Durch den Abbruch der Gespräche ist nun der Weg frei für andere Interessenten an der Commerzbank. Nach Informationen des manager magazins ist die niederländische ING-Bank an dem Institut interessiert. Commerzbank-Chef Zielke wird nun mit der Bank sprechen müssen.

Die zwei größten deutschen Privatbanken führen seit Mitte März formelle Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss, durch den die mit weitem Abstand größte deutsche Bank entstünde. Beide Seiten hatten jedoch betont, eine Fusion sei keineswegs ausgemachte Sache. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing schrieb seinerzeit an die gut 90.000 Mitarbeiter des Dax-Konzerns: "Die Erfahrungen zeigen, dass es viele wirtschaftliche und technische Gründe geben kann, die einem solchen Schritt entgegenstehen können."

Widerstand bei Großaktionären und Arbeitnehmern

Kritiker einer Fusion hatten vor allem einen gewaltigen Stellenabbau und mögliche Filialschließungen als Argumente gegen die Banken-Hochzeit ins Feld geführt. 30.000 Jobs würde ein solcher Zusammenschluss kosten - so die Befürchtung der Gewerkschaft Verdi. Zudem haben die Institute zehn Jahre nach der Finanzkrise noch große Baustellen, etwa in der IT oder bei juristischen Altlasten. Daher gab es erhebliche Zweifel, ob eine Fusion wirklich Sinn ergeben würde. Auch große Investoren der Deutschen Bank, darunter das Emirat Katar und der chinesische Mischkonzern HNA, sehen das Unterfangen skeptisch.

Zuletzt war immer klarer geworden, dass es womöglich zu viele Hindernisse für ein Zusammengehen gibt - angefangen von der Struktur einer neuen Bank, deren Geschäftsmodell, der Finanzierung des Deals bis zu dem erwarteten Jobkahlschlag. Insider hatten die Chancen auf eine Fusion oder Übernahme der kleineren Commerzbank durch die Deutsche Bank allerdings lange als 50 zu 50 bewertet. Vor allem Commerzbank-Chef Zielke galt als Befürworter einer Kombination der beiden Frankfurter Häuser. Das gilt auch für den größten Aktionär der Commerzbank, den Bund.

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär Jörg Kukies, der frühere Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, gelten als Unterstützer eines Deals, weil sie einen nationalen Bankenchampion wollen, der die heimischen Firmen im Ausland begleiten kann - für die stark auf den Export ausgerichteten deutschen Unternehmen ist das von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Von Seiten der Aufseher - zuständig ist die Europäische Zentralbank (EZB) - waren zuletzt eher skeptische Töne zu hören.

Im Video: Ist Christian Sewing hart genug für die Deutsche Bank?

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Bild: AFP

Nun steht Branchenbeobachtern zufolge vor allem die Deutsche Bank zunächst mit leeren Händen da und muss wohl relativ schnell einen Plan B auf den Tisch legen - möglicherweise mit weiteren harten Einschnitten. Zuletzt war bekannt geworden, dass die Deutsche Bank ihre Vermögensverwaltungstochter DWS womöglich mit der entsprechenden Sparte der Schweizer Großbank UBS zusammenlegen könnte. UBS-Chef Sergio Ermotti lehnte einen Kommentar dazu ab, sieht die Absage der Fusion in Deutschland aber nur als Verzögerung der nötigen Branchenkonsolidierung. "Das ändert nichts daran, dass man früher oder später eine Art von Konsolidierung in der Industrie sehen wird", sagte er in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Gewinn der Deutschen Bank höher als erwartet

Die Deutsche Bank müht sich seit Jahren, an frühere Milliardengewinne anzuknüpfen und schaffte 2018 nach drei Verlustjahren in Folge gerade so die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Skandale und Prozesse verschlangen über Jahre Milliarden, der Aktienkurs ist im Keller. Am Donnerstag konnte sie immerhin eine besser als erwartete Bilanz für das erste Quartal vorlegen. Unter dem Strich rechne das Institut mit einem Gewinn von rund 200 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt mit einem deutlichen Gewinnrückgang auf nur 29 Millionen Euro gerechnet. Die offizielle Zwischenbilanz soll wie geplant am Freitag veröffentlicht werden.

Die Commerzbank stieg im vergangenen Herbst in die zweite Börsenliga ab und ist ebenfalls seit Jahren im Umbruch. Bei der jüngsten Bilanzvorlage musste der Vorstand einräumen, dass das zehn Jahre nach der Finanzkrise noch immer teilverstaatlichte Institut bei der Senkung seiner Kosten noch nicht am Ziel ist. Zudem zeichnet sich ab, dass die Commerzbank entgegen der Planung auch 2020 noch wesentlich mehr Geld für einen Euro Gewinn aufwenden muss als mancher Konkurrent - etwa die bei Privatkunden in Deutschland äußerst erfolgreiche Direktbank ING.


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Deutsche Bank und Commerzbank, die beide nächstes Jahr auf eine 150-jährige Historie zurückblicken können, sind die beiden letzten Überlebenden unter den deutschen Großbanken, nachdem die Münchener HVB von Unicredit, die Dresdner Bank von der Commerzbank und die Postbank von der Deutschen Bank übernommen worden war. Sie hatten bereits vor ein paar Jahren Gespräche über einen Zusammenschluss geführt, dieser "Sommerflirt" war aber schnell wieder beendet worden.

la, mg/mit Nachrichtenagenturen

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