Samstag, 20. April 2019

Gespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank Christian Sewing braucht einen Plan C

Mann der starken Worte: Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing.

Das erste Opfer eines Krieges, so heißt es, sei immer die Wahrheit. Bei Fusionen ist es ähnlich. Es wird zwar selten glattweg gelogen, aber eben sehr weltanschaulich argumentiert.

Der Deutsche-Bank-Vorstandschef Christian Sewing begründete die Fusionsgespräche mit der teilstaatlichen Commerzbank am Sonntag wie ein großstrategisch versierter Feldherr: Man müsse sich "dann mit Gelegenheiten beschäftigen, wenn sie sich bieten." So ähnlich vorintonieren das Sewings Leute schon seit Tagen: Sewing müsse jetzt wohl mal endlich auf das ständige Werben des Bundesfinanzministers eingehen.

Ein Blick auf nur zwei Fakten macht deutlich, dass die Gelegenheit alles andere als günstig ist: Die Verhandlungsposition der Deutschen Bank im Vergleich zur Commerzbank ist, historisch gesehen, katastrophal. Derzeit ist Sewings Bank an der Börse 16,2 Mrd. Euro wert, weniger als zweimal so viel wie die Commerzbank (8,9 Mrd. Euro). So schlecht war der Wert in den vergangenen 25 Jahren nur äußerst selten - im Durchschnitt lag er nach Berechnung des Analysehauses Autonomous bei 3,3.

Und auch für die Bundesregierung, die 15 Prozent der Aktien an der Commerzbank hält, ist die Situation alles andere als eine "Gelegenheit". Sie hatte für ihre Commerzbank-Aktien weiland rund 18 Euro bezahlt, derzeit sind sie nur 7,13 Euro wert.

Die wahren Gründe sind also nicht, dass sich "eine Gelegenheit bietet", sondern dass sich ein Horrorszenario auftut. Schon jetzt hat die Deutsche Bank höhere Refinanzierungskosten für ihr Kapitalmarktgeschäft als die meisten wichtigen Konkurrenten. Klar war immer: Wenn Sewing im ersten Quartal, das 2018 für die Bank sehr gut lief, nur mäßige Zahlen abliefert, ist die Gefahr groß,

dass Ratingagenturen die Bank herabstufen, was die Refinanzierungskosten noch einmal erhöht und der Beginn eines Teufelskreises sein könnte. Stoppen könnten diesen Teufelskreis Fusionsgespräche mit der Commerzbank deswegen, weil die Deutsche Bank bei einem Zusammenschluss auf einmal die Bundesrepublik Deutschland als Großaktionär hätte - was immer alle Profis, die mit Geld zu tun haben, beruhigt.

Das erste Quartal endet bekanntlich im März, Sewing hat also schon jetzt eine sehr gute Sicht auf den Lauf der Geschäfte.

Er hat seine Begründung für den Beginn von Fusionsgesprächen mit der Commerzbank auch dazu genutzt, schon mal seine Prioritäten anzudeuten. Das Privatkundengeschäft, wo der größte Arbeitsplatzabbau nötig wäre, gehört eindeutig nicht dazu. Für die Deutsche Bank bleibe es das "Ziel (...), eine globale Bank mit einem starken Kapitalmarktgeschäft zu sein".

Man will Sewing das Beste wünschen, allein: Wenn er dieses Ziel mit der Commerzbank nicht verwirklichen kann, braucht er nach Plan A (Eigenständigkeit) und Plan B (Commerzbank-Fusion) rasch einen Plan C. Viel Zeit bleiben ihm und der Bank dann nämlich nicht mehr.

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