Sonntag, 21. Juli 2019

Alternativen zum Deutsche-Commerzbank-Deal Was nach dem Platzen der Bankenfusion noch geht

Blick auf die Zentralen von Deutscher Bank und Commerzbank in Frankfurt am Main

Die Hürden für das Zusammengehen von Deutscher Bank und Commerzbank waren zu hoch. Noch höher jedoch könnten die Hürden für die Bankvorstände jetzt werden, da sie ein Scheitern der bisher als unverbindlich erklärten Gespräche erklären mussten.

Denn nach sechs Wochen offizieller Gespräche hatte sich die Erwartung gefestigt, dass da was kommen würde - und dass es auch nötig sei, um die notorische Profitschwäche vor allem der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen zu beheben. Aufsichtsratschef Paul Achleitner persönlich hatte den Markt darauf eingestimmt, dass es an diesem Freitag zeitgleich mit den neuen (vermutlich schwachen) Quartalszahlen etwas zu hören gebe.

Wie "Bloomberg" berichtet, haben Vertreter der Großaktionäre im Aufsichtsrat darauf gedrängt, einen Plan B (oder Plan C) vorzubereiten. Die aktuelle Strategie, Kosten zu senken, die Postbank zu integrieren und die Investmentbank auf Kernaufgaben einzudampfen, reiche trotz der bisherigen Fortschritte nicht aus. Die Fusionsgerüchte könnten dazu beigetragen haben, indem sie das Geschäft zu Jahresbeginn lähmten.

"Bloomberg" zufolge erwägt die Bankführung zwei Szenarien: einerseits ein mildes "Update" der bisherigen Strategie mit beschleunigtem Kostenabbau vor allem in der Investmentbank und in den Filialen. Theoretisch wären die Ziele für 2019 noch zu erreichen. Die Kosten müssten im Vorjahresvergleich nur noch um eine Milliarde auf 21,8 Milliarden Euro gesenkt werden, die Marke von weniger als 90.000 Stellen ist ebenfalls in Sicht. Höchst fraglich jedoch wird die Eigenkapitalrendite nach Steuern von 4 Prozent (im Vorjahr: 0,4 Prozent).

Als Alternative werde eine radikale Variante durchgespielt; die würde die Schließung ganzer Bereiche bedeuten und erstmal teure Abfindungen und andere Restrukturierungskosten mit sich bringen. Vor allem die Investmentbanker müssten sich auf einen Kahlschlag einstellen.

"Das müssen sie machen, egal was mit der Commerzbank passiert", zitiert die "Financial Times" einen großen Anleihegläubiger der Deutschen Bank anonym. Angesichts der schrumpfenden Erträge müsse die Investmentbank 20 bis 30 Prozent kleiner werden, vor allem in den USA. Mit der Fusion ließe sich das leichter verkaufen - aber ohne wäre es umso nötiger, weil die Trader sich nicht mit Einlagen der Commerzbank und der Bonität der Bundesrepublik als Großaktionärin querfinanzieren ließen.

Übrig bliebe nach dem radikalen Plan von der einst stolzen Investmentbank nur noch ein Rumpf, beispielsweise im Anleihengeschäft, wo die Deutsche Bank laut den aktuellen League Tables noch zu den globalen Top 5 zählt (vor Goldman Sachs), während sie bei Aktiendeals unter ferner liefen steht und deutlich schneller schrumpft als die Konkurrenz. Im klassischen Geschäft mit Unternehmenskrediten verlegt sich die Deutsche zunehmend auf die besonders riskanten, gehebelten Produkte.

Ihren globalen Anspruch wahren könnte die Deutsche Bank noch mit der Transaktionsbank - im internationalen Geldtransfer spielt sie noch eine zentrale Rolle an der Seite globaler Giganten wie HSBC oder Citigroup. Dieser Bereich birgt jedoch wenig Aussicht auf Gewinne und trotzdem Risiken wie in den jüngsten Geldwäscheskandalen - außerdem hat die Bank die Sparte schon wiederholt strategisch aufgewertet.

Mit oder ohne Fusion ein wichtiger Chip ist die 2018 an die Börse gebrachte Geldanlagetochter DWS. Die wurde mit ihren verhältnismäßig stabilen Erträgen schon in diversen Fusions- oder Kooperationsgerüchten mit Allianz, Axa oder Amundi ins Spiel gebracht. Offiziell sind nun Gespräche mit der UBS Börsen-Chart zeigen über ein Zusammenlegen der Asset Manager.

Die Schweizer Großbank spielt auch immer wieder eine Rolle als möglicher Fusionspartner für die gesamte Deutsche Bank. Das könnte für die Investmentbanker der Deutschen eine Rettung sein: Sie würden das Geschäft der auf Vermögensverwaltung spezialisierten UBS ergänzen, die wiederum eine Kehrtwende hinlegen würde, nachdem sie sich als Reaktion auf die Finanzkrise aus dem Investmentbanking zurückgezogen hatte. Politisch hochsensibel wäre der Deal jedoch in beiden Ländern, außerdem ist die UBS mit der ungeklärten Nachfolge von Bankchef Sergio Ermotti beschäftigt.

Bedeutend einfacher ist die Lage für die Commerzbank Börsen-Chart zeigen: Sollte es mit der Deutschen Bank nicht klappen, stehen andere Bewerber geradezu Schlange, um ihr Geschäft mit dem deutschen Mittelstand zu verstärken. Zuletzt ließen die niederländische ING, die hierzulande mit der Direktbank Diba schlank unterwegs ist und sogar ihre Zentrale nach Frankfurt umsiedeln würde, und die HypoVereinsbank-Mutter Unicredit aus Mailand ihr Interesse durchblicken.

In beiden Fällen (oder auch, wenn stattdessen beispielsweise die BNP Paribas zugreift) würden Filialnetz und Mitarbeiterzahl wohl ausgedünnt, aber nicht so stark wie mit der Deutschen Bank. Politisch wäre es ein Signal für die europäische Bankenunion - aus Sicht von Finanzminister Olaf Scholz die zweitbeste Lösung nach seiner nationalen Präferenz.

Die Commerzbank könnte auch einfach weitermachen wie bisher, wenn der Bund als 15-Prozent-Großaktionär weiter Geduld zeigte. Scholz' Vorgänger Wolfgang Schäuble hatte die Losung ausgegeben, den Anteil erst zu privatisieren, wenn das ohne Verlust für die Steuerzahler ginge. Doch dafür müsste die Commerzbank-Aktie - abhängig von den bis dahin ausgeschütteten Dividenden - schon auf gut 25 Euro steigen. Aktuell kostet das Papier rund 7,80 Euro. Außerdem mahnt Commerzbank-Chef Martin Zielke weitere Investitionen an, um wieder wachsen zu können. Die Zeichen stehen also wohl auf Bankenfusion, wenn auch nicht unbedingt eine deutsch-deutsche.

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