Dienstag, 18. Juni 2019

Eigenkapitalanforderung steigen Banken sollen Milliarden für Krisenzeiten zurücklegen

Die Banken in Deutschland sollen für einen möglichen Abschwung mehr Kapital zurücklegen und so besser vorsorgen. Sie kritisieren die Entscheidung der Finanzaufsicht Bafin
Frank Rumpenhorst / DPA
Die Banken in Deutschland sollen für einen möglichen Abschwung mehr Kapital zurücklegen und so besser vorsorgen. Sie kritisieren die Entscheidung der Finanzaufsicht Bafin

Der Immobilienmarkt läuft heiß und die Kreditvergabe wächst schneller als die Wirtschaft selbst. Deshalb sollen die Banken in Deutschland zusätzlich 5,3 Milliarden Euro Kapital als Puffer für Krisenzeiten zurücklegen. Das passt den Instituten derzeit gar nicht. Doch auch in anderen Staaten müssen Banken mehr Vorsorge für einen möglichen Abschwung treffen.

Die deutschen Banken müssen wegen des heiß laufenden Immobilienmarktes und der deutlichen Konjunkturabkühlung mehr Vorsorge für Risiken treffen. Konkret geht es darum, den sogenannten antizyklischen Kapitalpuffer zu aktivieren und von bisher null auf 0,25 Prozent zu erhöhen, wie der Chef der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, am Montag mitteilte.

Die Banken haben dafür zwölf Monate Zeit. Insgesamt müssten die Eigenkapitalanforderungen um 5,3 Milliarden Euro erhöht werden. Die Banken können dies nach Einschätzung des Bafin-Chefs gut schultern. Die Banken hingegen kritisierten die Entscheidung. Sie komme zur Unzeit, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Bankenverbände.

"Der deutsche Bankensektor dürfte die mit der Aktivierung einhergehenden zusätzlichen Kapitalanforderungen überwiegend aus vorhandenem Überschusskapital erfüllen können", teilte das Finanzministerium mit. Zumindest teilweise könnten also Kapitalerhöhungen nötig werden. Welche Bank in welchem Maß betroffen ist, blieb zunächst unklar.

Kreditvergabe wächst schneller als die Wirtschaft

Mit der Maßnahme soll verhindert werden, dass Banken in einem verschärften Abschwung ihre Kreditvergabe einschränken und so die Abkühlung zusätzlich verstärken. Zuletzt war die Kreditvergabe schneller gewachsen als die Wirtschaft insgesamt. Das stimmt die Aufsichtsbehörden vorsichtig.

Die zusätzlichen Kapitalpuffer werden regelmäßig überprüft und können auch wieder zurückgenommen werden, sollte sich konjunkturelle Lage verändern. Viele Ökonomen erwarten für 2020 eine Besserung. Allerdings waren sie für dieses Jahr zunächst auch deutlich optimistischer und mussten dann schrittweise ihre Prognosen nach unten anpassen.

Finanzstaatssekretär Jörg Kukies sagte, die jetzige Maßnahme diene allein der Prävention. "Wir sehen keine konkreten Anzeichen für akute Systemrisiken." Die Bundesbank verwies trotzdem auf zahlreiche potenzielle Risiken, unter anderem einen harten Brexit, eine Überhitzung des Immobilienmarktes sowie überbewertete Kreditsicherheiten.

Banken sehen keine Risiken für Finanzstabilität

Die deutsche Kreditwirtschaft reagierte mit Kritik. "Ernsthafte Risiken für die Finanzstabilität sind derzeit nicht zu erkennen", hieß es in einer Stellungnahme. Die deutschen Banken und Sparkassen hätten Stresstests, die einen unerwartet starken Konjunktureinbruch im Zusammenspiel mit steigenden Kreditausfällen simulierten, bestanden. Die Kreditnachfrage entwickle sich in Deutschland durchschnittlich und es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Anforderungen an die Kreditvergabe aufgeweicht worden wären. "Zudem haben die deutschen Kreditinstitute nach der Finanzkrise als Folge der schärferen Regulierung ihr Eigenkapital erhöht und sind deutlich stabiler als zuvor."

Der Ausschuss für Finanzstabilität (AFS) hat die jetzigen Maßnahme der Bafin allerdings empfohlen. Die Behörde habe daran mitgewirkt und wolle eine entsprechende Verfügung zu Beginn des dritten Quartals erlassen, so Bafin-Chef Hufeld. Die Banken hätten dann ein Jahr Zeit, um die neuen Anforderungen zum sogenannten inländischen antizyklischen Kapitalpuffer (CCyB) schrittweise umzusetzen. Bislang nutzen nur wenige Länder in Europa den sogenannten inländischen antizyklischen Kapitalpuffer, mehrere Staaten wollen ihn laut einer Übersicht der Europäischen Zentralbank (EZB) in den kommenden Monaten aber einführen.

In Frankreich soll der Aufschlag ebenfalls ab Juli gelten und wie in Deutschland zunächst bei 0,25 Prozentpunkten liegen, bevor er im April 2020 auf 0,5 Prozentpunkte steigt. In Großbritannien und Dänemark liegt er aktuell bei einem Prozentpunkt. Spitzenreiter in Europa sind Schweden und Norwegen, die aus Furcht vor einer Konjunkturüberhitzung bereits 2017 einen Aufschlag von zwei Prozentpunkten erhoben haben und ihn noch dieses Jahr auf 2,5 Prozentpunkte erhöhen wollen.

rei/Reuters/dpa

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