Freitag, 22. November 2019

Jobabbau der Deutschen Bank beginnt - Aktie stürzt "Wir erwarten für 2020 eine Null oder besser"

Deutsche Bank: Das Geldhaus streicht 18.000 Jobs, die Zahl der Stellen soll von rund 92.000 auf 74.000 sinken. Ob es nach einem Verlust 2019 einen Gewinn im Jahr 2020 gibt, ist nach Aussagen des Vorstands unsicher

Auf den kurzen Erholungsversuch der Aktie folgt am Montag der Rückschlag: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing erwartet wegen der hohen Sanierungskosten für die Deutsche Bank einen Verlust im laufenden Geschäftsjahr. Die Führung des Geldhauses hofft zwar auf ein ausgeglichenes Ergebnis im kommenden Jahr - ein Gewinn im Jahr 2020 sei aber weiterhin unsicher. Anleger zeigten sich von dieser Aussage enttäuscht: Die Aktie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, die am Morgen noch 4 Prozent im Plus notiert hatte, rutschte nach den Aussagen des Vorstands über die Aussichten für 2020 zurück ins Minus und fiel zuletzt mit einem Minus von 5 Prozent wieder unter der Marke von 7 Euro .

Finanzvorstand James von Moltke: "Erhebliche Unsicherheiten"
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Finanzvorstand James von Moltke: "Erhebliche Unsicherheiten"

"Wir arbeiten daran, 2020 ein ausgeglichenes oder besseres Ergebnis zu erreichen", sagte Finanzchef James von Moltke am Montag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Allerdings gebe es mit Blick auf einen möglichen Gewinn 2020 noch erhebliche Unsicherheiten, beispielsweise wann genau Umbaukosten verbucht würden. Der Vorstand rechnet mit Belastungen durch den Umbau in Höhe von insgesamt 7,4 Milliarden Euro.

Für das laufende Jahr 2019 hatte Konzernchef Christian Sewing wegen der Kosten für den Abbau von 18.000 Jobs und dem Kahlschlag im Investmentbanking bereits einen Verlust in Aussicht gestellt. Etwa jede fünfte Stelle soll wegfallen. Bis 2022 soll die Zahl der Vollzeitstellen von derzeit 92.000 auf dann 74.000 sinken.

Mit dem Radikalumbau ihres Geschäftsmodells versucht die Deutsche Bank den Befreiungsschlag: Der Abbau Tausender Arbeitsplätze, ein Ausstieg aus dem weltweiten Aktienhandel und milliardenschwere Investitionen in neue Technologie sollen die jahrelange Krise des größten deutschen Geldhauses beenden. Das deutsche Geschäft mit Firmenkunden und die Transaktionsbank wird in einem neuen Geschäftsbereich namens Unternehmensbank gebündelt. Dabei will der Konzern den Umbau selbst finanzieren und sich kein neues Kapital von den Aktionären besorgen. Dies ist einerseits positiv, da eine Kapitalerhöhung den Gewinn je Aktie verwässert und damit die seit Jahren schwer gebeutelten Papiere einmal mehr schwer belasten könnte. Andererseits stellt sich die Frage, ob die Deutsche Bank ohne frisches Geld ihre vielen selbst gesteckten Ziel erfüllen kann.

Jobabbau hat bereits begonnen - "die halbe Etage ist weg"

Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen setzt ihren angekündigten Stellenabbau umgehend um. "In den Geschäftsbereichen, in denen wir uns zurückziehen werden, haben wir mit dem Prozess bereits begonnen", sagte Konzernchef Christian Sewing am Montag. "Das betrifft natürlich nicht nur Asien, das betrifft auch andere Regionen."

Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen macht unterdessen bei ihrem beispiellosen Stellenabbau Nägel mit Köpfen. In Asien begann die Kündigungswelle am Montagmorgen, in Hongkong und Singapur wurden ganze Teams vor die Tür gesetzt. "Die halbe Etage ist weg und die anderen warten nur darauf, dass sie einbestellt werden", sagte ein Aktienhändler in Hongkong. Er sei zusammen mit anderen gekündigten Kollegen direkt aus dem Gebäude geführt worden. Auch in London und den USA begann der Kahlschlag.

Kommentar zur Deutschen Bank: Sewings Kraftakt - ein guter Plan in schlechter Zeit

Die Verunsicherung bei den Mitarbeitern ist groß. "Meine Zugangskarte funktioniert noch. Aber wer weiß, was morgen passiert", sagte ein Banker in Singapur. "Die Stimmung ist ziemlich düster. Einer nach dem anderen wird in einen Konferenzraum gebeten, bekommt nach Gespräche mit Personalern einen Umschlag gereicht und muss dann das Gebäude verlassen", sagte ein Aktienhändler, der seit sechs Jahren für das Geldhaus arbeitet.

"Wir greifen nicht nach den Sternen"

Mit dem Umbau will der 49-Jährige Sewing die jahrelange Talfahrt der Deutschen Bank stoppen. Seine Vorgänger - Josef Ackermann, Anshu Jain, Jürgen Fitschen, John Cryan und auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner - hatten tiefe Einschnitte im Investmentbanking gescheut.

Sewing, seit 15 Monaten im Amt, fährt angesichts des Absturzes des Geldhauses nun eine harte Linie. Sein Ziel: "2022 wird die Deutsche Bank eine wachsende, effiziente und profitable Bank mit einem Vorsteuergewinn von mindestens sechs Milliarden Euro sein." Die Kosten will Sewing um sechs Milliarden auf 17 Milliarden drücken. "Das ist für mich nicht verhandelbar." Die Erträge in der Kernbank will er bis 2022 auf 25 Milliarden Euro steigern, von 22,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

Worauf Sewing jetzt seine Hoffnungen setzt

Große Hoffnungen setzt der seit gut einem Jahr amtierende Konzernchef auf eine Unternehmensbank. In ihr soll das deutsche Geschäft mit Firmenkunden und die Transaktionsbank, die für viele nationale und internationale Unternehmen Dienstleistungen wie etwa den Zahlungsverkehr anbietet, gebündelt werden. Auch viele kleine und mittlere Unternehmen, die bisher von der Privatkundenbank bedient wurden, sollen künftig dort angebunden sein. Was von der Investmentbank übrig bleibt, soll sich ebenfalls hauptsächlich auf Dienstleistungen für Unternehmen konzentrieren. Am Ende werde die Deutsche Bank eine kleinere, einfachere und weniger von den Launen des Marktes abhängige Bank sein, sagte Sewing.

2019 und 2020 drohen rote Zahlen

Doch zunächst steht eine weitere Durststrecke bevor. So erwarten die Analysten der Ratingagentur Moody's für 2019 einen Verlust von zwei Milliarden Euro, nachdem bereits für das zweite Quartal ein Fehlbetrag von 2,8 Milliarden zu Buche steht. Auch im kommenden Jahr drohen rote Zahlen. "Wir arbeiten daran, 2020 ein ausgeglichenes oder besseres Ergebnis zu erreichen", sagte Finanzchef James von Moltke. Allerdings gebe es erhebliche Unsicherheiten. Die Aktionäre sollen 2019 und 2020 auf eine Dividende verzichten.

Sewing geht volles Risiko

Bei Analysten und Börsianern müssen Sewing & Co noch viel Überzeugungsarbeit leisten, anfängliche Kursgewinne verpufften zu Wochenbeginn schnell. Am Nachmittag notierte die Aktie schon wieder fünf Prozent im Minus. Einhelliges Echo: Die Pläne seien zu sehr auf Kante genäht. "Jetzt kann man nur hoffen, dass es in den nächsten drei Jahren an den Finanzmärkten ruhig bleibt", sagte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance, bei der Deka, dem Fondshaus der Sparkassen.

"Die Deutsche Bank wird durch den laufenden Umbau fragiler, die Kernkapitalquote geht runter. Kleiner werden und zugleich die Erträge steigern - das wird schwierig. Alles in allem ist es eine Hochrisiko-Strategie."

Konkurrenten wie die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse haben schon vor Jahren abgespeckt - und sind der Deutschen Bank nun um Meilen voraus. Sie können sich auf ihr Tagesgeschäft konzentrieren. Neil Wilson vom Brokerhaus Markets.com sprach denn auch von einem überfälligen Schritt für die Frankfurter: "Jetzt ist es die richtige Medizin, sie hätte nur ein paar Jahre früher genommen werden müssen."

Analysten bleiben trotz der Umbaupläne der Deutschen Bank skeptisch für die Aktie. "Der jüngste Restrukturierungsversuch der Deutschen Bank ist radikaler als frühere Bemühungen", sagte Analyst Eoin Mullany von der Berenberg Bank. "Aber wir würden jeden Kursanstieg zum Verkauf der Aktie nutzen, weil es bei der Strategie erhebliche Umsetzungsrisiken gibt und beim Kapital wenig Spielraum für Fehler."

Analysten: "Beim Kapital gibt es wenig Spielraum für Fehler"

Die US-Bank JPMorgan hat die Einstufung für Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen nach der Ankündigung einer umfangreichen Restrukturierung auf "Neutral" mit einem Kursziel von 6,25 Euro belassen. Die mutigen Umbaupläne seien das erste Mal nicht halbgar, sondern stellten einen echten strategischen Schwenk dar, schrieb Analyst Kian Abouhossein in einer am Montag vorliegenden Studie. Der Experte sieht für die Aktie kurzfristig Luft nach oben. Allerdings komme es nun auf die Umsetzung des Konzernumbaus an

Die Deutsche Bank will radikal schrumpfen und streicht im Zuge des Umbaus bis zum Jahr 2022 rund 18.000 Jobs. Der Aufsichtsrat beschloss außerdem den Rückzug aus dem weltweiten Aktiengeschäft und eine Verkleinerung des Handels.

Keine Kapitalerhöhung geplant - aber zwei Dividenden-Nullrunden

Wegen der Kosten für den Umbau schreibt die Bank bereits im zweiten Quartal 2019 einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro nach Steuern. Bis Ende 2022 rechnet der Vorstand mit Belastungen von insgesamt 7,4 Milliarden Euro durch den Umbau - allein drei Milliarden Euro davon werden bereits im zweiten Quartal verbucht.

Durch die Schrumpfkur sollen die bereinigten Kosten bis 2022 um etwa sechs Milliarden Euro auf dann 17 Milliarden fallen, um wieder profitabler zu werden. Bis 2022 soll die Rendite auf acht Prozent zulegen.

Den milliardenteuren Umbau will die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen aus eigener Kraft stemmen und ohne erneute Kapitalerhöhung auskommen. Die Aktionäre sollen deshalb für 2019 und 2020 keine Dividende erhalten. Zudem will das Geldhaus seine Kapitalpolster abschmelzen - künftig setzt es sich eine harte Kernkapitalquote (CET 1) von mindestens 12,5 Prozent zum Ziel, nachdem bislang mindestens 13 Prozent angestrebt wurden.

la/reuters/dpa

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