Trotz Gewinnsprungs Deutsche Bank enttäuscht mit Ausblick

Die Deutsche Bank hat sowohl die Erträge als auch den Gewinn in den ersten drei Monaten des Jahres deutlich gesteigert. Die Eigenkapitalrendite konnte Konzernchef Sewing ebenfalls nach oben schrauben. Die Aktie bricht dennoch ein – Anleger rechnen mit steigenden Kosten.
"Ergebnisse über dem Plan": Bankchef Christian Sewing kann mit dem ersten Quartal zufrieden sein

"Ergebnisse über dem Plan": Bankchef Christian Sewing kann mit dem ersten Quartal zufrieden sein

Foto: Arne Dedert / dpa

Das Jahr 2022 hat für die Deutsche Bank mit einem Gewinnanstieg begonnen. Das Vorsteuerergebnis lag im ersten Quartal mit rund 1,7 Milliarden Euro 4 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums, wie Deutschlands größtes Geldhaus am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Unter dem Strich stand ein Gewinn von fast 1,1 Milliarden Euro nach 908 Millionen ein Jahr zuvor. Damit übertraf der Dax-Konzern die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten.

"Die Ergebnisse aller Geschäftsbereiche liegen im oder über dem Plan, und wir haben unseren höchsten Quartalsgewinn seit neun Jahren erzielt", bilanzierte Konzernchef Christian Sewing. Die Erträge - also die gesamten Einnahmen - waren mit gut 7,3 Milliarden Euro so hoch wie zuletzt im ersten Quartal 2017 und damit auch höher als von Analysten erwartet.

Der Krieg und seine wirtschaftlichen Folgen überschatten jedoch den Ausblick. "Dies hat natürlich das Potenzial, unsere Gesamtjahresergebnisse in unserem wichtigen Messlatten-Jahr zu beeinflussen", sagte Sewing weiter. An der Börse sorgte das für Pessimismus: Die Aktien der Deutschen Bank  rauschten in der Spitze um 6,5 Prozent abwärts auf 9,47 Euro. Damit waren sie der größte Verlierer im Dax und lagen so tief wie seit knapp sieben Wochen nicht mehr. "Der Ausblick deutet darauf hin, dass sich Kostendruck abzeichnet", schrieben die Experten der Investmentbank Keefe, Bruyette & Woods.

2019 hatte Sewing dem Institut einen tief greifenden Umbau verordnet, die hauseigene Investmentbank gestutzt und den Abbau Tausender Stellen eingeleitet. Das Ziel: Bis Ende des Jahres 2022 die Rendite auf das materielle Eigenkapital auf 8 Prozent nach oben treiben, künftig sollen es gar mehr als 10 Prozent nach Steuern sein.

2021 betrug die Rendite gerade einmal 3,8 Prozent. Und das, obwohl der Dax-Konzern mit 2,5 Milliarden Euro den höchsten Jahresgewinn seit 2011 erzielt hatte. Im ersten Quartal des laufenden Jahres erreichte die Bank 8,1 Prozent Rendite.

Deutlich mehr Geld als ein Jahr zuvor legte die Bank für mögliche Kreditausfälle zurück: Die Risikovorsorge war mit 292 Millionen Euro mehr als viermal so hoch wie im ersten Vierteljahr 2021. Das hängt auch mit dem Ukraine-Krieg zusammen. Das Netto-Kreditengagement mit Bezug zu Russland verringerte die Bank nach eigenen Angaben im Quartal um 21 Prozent auf 0,5 Milliarden Euro.

cr/dpa-afx