Zoff bei der Deutschen Bank Top-Investor kritisiert Aufsichtsratsspitze der Deutschen Bank

Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner

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Die öffentliche Attacke der Aufsichtsratsspitze der Deutschen Bank gegen ein Mitglied ihres Gremiums bringt Investoren in Rage. Am Wochenende hatte Aufsichtsratsvize Alfred Herling Mit-Kontrolleur Georg Thoma öffentlich in ungewöhnlich scharfer und persönlicher Form verbal angegriffen. Thoma, einer der versiertesten deutschen Wirtschaftsanwälte, führt den Integritätsausschuss im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, der für die Aufarbeitung der zahlreichen Skandale verantwortlich ist und dafür sorgen soll, dass Deutschlands größtes Geldhaus künftig im Einklang mit den Gesetzen arbeitet.

Herling hatte Thoma "Übereifer" und "juristische Selbstverwirklichung vorgeworfen" und sich zudem in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) mit dem Verdikt zu Thoma zitieren lassen: "Er überzieht, wenn er immer breitere Untersuchungen fordert und immer noch mehr Anwälte aufmarschieren". Der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner hatte Herling im Vorwege weder von der Aussage abgehalten, noch war er einer Bitte der FAS um einen Kommentar nachgekommen, mit dem er Herlings Aussage hätte relativieren können.

An Paul Achleitners Seite: Alfred Herling

An Paul Achleitners Seite: Alfred Herling

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Einer der profiliertesten deutschen Investoren kritisiert nun die Aufsichtsratsspitze um Achleitner und Herling ob der Attacke gegen Thoma scharf: "Für Investoren stellt sich jetzt die Frage: Wie ernst meint es der Aufsichtsrat mit der Aufklärung der Skandale?", teilte Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, manager-magazin.de auf Anfrage mit. Union Investment ist einer größten Anbieter von Publikumsfonds in Deutschland und auch in die Deutsche Bank investiert. Andere von manager-magazin.de zu der Causa befragte Investoren äußerten sich ähnlich, wollten sich aber mit ihrer Einschätzung nicht zitieren lassen.

Die Deutsche Bank hat in den vergangenen Jahren - wie andere Banken zum Teil auch - Milliardenstrafen für unlautere Geschäfte zahlen müssen. Derzeit laufen unter anderem durch US-Behörden Untersuchungen wegen des Vorwurfs der Geldwäsche bei der russischen Tochter der Deutschen Bank, die für die Frankfurter ebenfalls sehr teuer werden könnten. Der neue Vorstandschef John Cryan

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hatte angekündigt, dass es eine seiner Top-Prioritäten sei, die zahlreichen Vorwürfe und Untersuchungen von Aufsichtsbehörden gegen die Deutsche Bank rasch zu klären und Strukturen für künftig nur noch saubere Geschäfte zu gewährleisten. "Die Skandale können gar nicht gründlich genug aufgeklärt werden, damit wieder Vertrauen am Kapitalmarkt entsteht", sagte Speich manager-magazin.de und stütze indirekt Thomas Rolle. "Dazu braucht es unabhängige und unbequeme Kontrolleure." Am morgigen Mittwoch trifft sich der Aufsichtsrat zu einer turnusgemäßen Sitzung.

Die Arbeit des Integritätsausschusses betrifft zum Teil auch Achleitner persönlich. Derzeit wird bankintern - allerdings auf Initiative des Vorstandes - untersucht, welche Rolle der Aufsichtsratschef in den Verhandlungen mit der britischen Finanzaufsicht FCA in der so genannten Libor-Affäre hatte, die zu Zahlungen in Höhe mehrerer Hundert Millionen Euro geführt hatte.