Donnerstag, 17. Oktober 2019

Toppersonalien werden nach Hauptversammlung geklärt Deutsche Bank vor nächstem Vorstandsumbau

Sylvie Matherat
ddp images/Sven Simon
Sylvie Matherat

Die Deutsche Bank plant für den Sommer weitere Veränderungen - im Vorstand und im Investmentbankgeschäft.

Die Deutsche Bank vertagt den Umbau des Vorstands auf die Zeit nach der Hauptversammlung. Als die beiden größten Wackelkandidaten gelten Sylvie Matherat, die Regulierung und die Einhaltung von Regeln (Compliance) verantwortet, und Garth Ritchie, der das Investmentbankgeschäft leitet.

Nach Informationen aus Finanzkreisen will das Geldhaus die Suche nach einem Nachfolger für Matherat erst nach dem Aktionärstreffen, das an diesem Donnerstag ansteht, "so richtig angehen". Würde man sich zu diesen Plänen bereits jetzt äußern, "würde man den Anteilseignern eine unnötige und steile Vorlage zur erneuten Kritik an der Compliance der Bank geben", sagt eine Person, die mit den Überlegungen vertraut ist, "es braucht daher einen gewissen zeitlichen Abstand".

Sylvie Matherat (57), die seit November 2015 dem obersten Führungsgremium der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen angehört, steht bereits seit längerer Zeit unter Beschuss. Ihr wird vorgeworfen, nicht energisch genug und nicht mit dem nötigen Know-how dafür zu sorgen, dass Skandale rasch aufgeklärt werden und das Geldhaus künftig sauber arbeitet. Dafür hat Matherat bereits einen Rüffel der Aufsichtsbehörde Bafin kassiert.

Ähnliches gilt für Investmentbankchef Garth Ritchie (50). Ob er noch eine Rolle bei der Deutschen Bank spielen wird, hängt davon ab, wie das Institut die Investmentbanksparte verändern wird. Bank-Chef Sewing hat bei der Bilanzpressekonferenz Anfang Februar verkündet, dass er das Investmentbankgeschäft um die Transaktionsbank herum bauen wolle. Was das genau bedeutet und welche Einschnitte das etwa im Handel mit Aktien mit sich bringt, ist noch unklar.


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Voraussichtlich im Sommer soll der Plan mehr Konturen bekommen, heißt es in Finanzkreisen. Zur Transaktionsbank gehören Services für Firmenkunden wie Zahlungsverkehr und Cash-Management. Sie bringen stabile Erträge, die Sewing ausbauen will.

Der Umbau des Vorstands und der Investmentbanksparte gehören zu den großen Herausforderungen der Bank. Angesichts schrumpfender Umsätze, eines Aktienkurses, der diese Woche auf ein neues Rekordtief gefallen ist, und magerer Gewinne fordern Analysten und Investoren radikalere Einschnitte. Die US-Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis haben Deutsche-Bank-Investoren zum ersten Mal empfohlen, die Führungsspitze nicht zu entlasten.

In der Kritik steht vor allem Aufsichtsratschef Paul Achleitner, der das Kontrollgremium seit sieben Jahren leitet. Der Aktienkurs der Bank ist in dieser Zeit um mehr als 70 Prozent eingebrochen. Achleitner werden eine falsche Personalpolitik und ein viel zu langes Zögern und Zaudern bei der strategischen Neuausrichtung der Bank vorgeworfen. Einige Großaktionäre fordern daher, dass er noch vor Ablauf seines Vertrages 2022 von seinem Posten zurücktritt. Das verlautete aus Finanzkreisen, die damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg bestätigen.

Noch ist unklar, ob sich Achleitner darauf einlässt und ob das die Großaktionäre davon abhält, ihm bei der Abstimmung einen Denkzettel zu verpassen. Damit stünde die Bank nicht allein da. Schon beim Leverkusener Bayer-Konzern und der Schweizer Bank UBS haben Investoren dem Management die Entlastung verweigert.

In den vergangenen Tagen sind bei der Deutschen Bank neue Probleme bei internen Kontrollsystemen bekannt geworden, mit denen das Institut schon lange kämpft. So hat ein Sicherheitsnetz, das Zahlungen vor Großkunden überprüft, offenbar Lücken. Die Bank hat diese selbst entdeckt und der Aufsichtsbehörde Bafin sowie der US-Notenbank Fed gemeldet. Die "Süddeutsche Zeitung" hat als erste über das Problem berichtet. Man arbeite daran, den Fehler schnellstmöglich zu beheben, so die Bank.

Anfang der Woche hatte die "New York Times" gemeldet, US-Führungskräfte des Geldhauses hätten verhindert, dass verdächtige Transaktionen von Firmen von US-Präsident Donald Trump und von Unternehmen seines Schwiegersohns den Aufsichtsbehörden gemeldet werden. Die Bank hat das zurückgewiesen. Man habe die als fragwürdig angesehen Zahlungen geprüft und sei zu dem Ergebnis gekommen, die zunächst aufgestellten Vorwürfe seien nicht haltbar. Man habe daher die Behörden nicht einschalten müssen.

Die Bank steht wegen ihrer Geschäftsbeziehungen zu Trump unter massivem Druck. Das US-Repräsentantenhaus fordert die Herausgabe wichtiger Dokumente. Der US-Präsident und seine Familie versuchen das zu verhindern.

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