Mittwoch, 20. November 2019

Libor-Zinsskandal Deutsche Bank sucht Nachfolger für Chefjuristen Richard Walker

Deutsche Bank: Im Management könnten einige Stellen neu besetzt werden

Der Finanzaufsicht ist er ein Dorn im Auge, soll Richard Walker doch die Aufklärung des Libor-Zinsskandals verschleppt haben. Jetzt sucht die Deutsche Bank Ersatz für ihren Chefjuristen. Auch über einen Ersatz für Anshu Jain wird diskutiert, falls diesem eine Verantwortung für Devisenkursmanipulation nachgewiesen wird.

Hamburg - Die Deutsche Bank sucht einen neuen Chefsyndikus als Ersatz für den US-Amerikaner Richard Walker. Konzernintern gilt beispielsweise UBS-Vorstandsmitglied Markus Diethelm als geeigneter Kandidat, wie das manager magazin in seiner neuesten Ausgabe (Freitag, 21. Februar) berichtet. Der 56-jährige Schweizer ist seit September 2008 oberster Justiziar der Schweizer Großbank und Mitglied in deren Konzernvorstand.

Walker ist vor allem der deutschen Finanzaufsicht ein Dorn im Auge; die Bafin macht den Amerikaner für die nach ihrer Ansicht schleppende Aufklärung des Libor-Zinsskandals verantwortlich. Hinzu kommen atmosphärische Störungen: So soll Walker, dessen Dienstsitz New York ist, auf Anfragen der Bafin lange Zeit verspätet oder gar nicht reagiert und die Bonner Beamten dadurch zusätzlich verärgert haben.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen beschäftigte sich daher bereits in der Aufsichtsratssitzung Ende Januar mit einer möglichen Trennung von Walker, entschied sich aber noch nicht. Ein Sprecher lehnte einen Kommentar ab.

Planspiele um Anshu Jain

Kommt Diethelm, dürfte er ins siebenköpfige Management Board, das Machtzentrum der Deutschen Bank, einrücken. Rechtsvorstand Stephan Leithner, der auch die Bereiche Personal und Regulierung betreut, würde dann einen Teil seiner Zuständigkeit verlieren.

Zudem wird in den Spitzengremien der Bank diskutiert, wer ein möglicher Ersatz für Co-Vorstandschef Anshu Jain sein könnte, falls ihm eine Verantwortung für die Devisenkursmanipulation nachgewiesen wird. Für diesen Fall wird nach Informationen des manager magazins in der Konzernspitze über John Cryan als möglichem Nachfolger diskutiert.

Der Brite ist bereits Aufsichtsratsmitglied, im Hauptberuf allerdings derzeit Europa-Chef von Singapurs Staatsfonds Temasek. Von 2008 bis 2011 lotste er als Finanzvorstand die UBS durch die Finanzkrise, bis er sich mit dem damaligen Konzernchef Oswald Grübel überwarf.

Als Vorsitzender des Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat hat sich Cryan tief in die größten Probleme der Deutschen Bank eingearbeitet. Er gilt als unbescholten, bestens vernetzt sowie anerkannt bei Investmentbankern.

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