Mittwoch, 20. November 2019

Postbank-Übernahme Neues Milliardenrisiko für die Deutsche Bank

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Die Übernahme der Postbank könnte für die Deutsche Bank noch ein teures Nachspiel haben. Ehemalige Postbank-Aktionäre haben vor dem Kölner Landgericht einen Anspruch auf Nachzahlung erstritten. Damit könnten im schlimmsten Fall auf die Deutsche Bank Zahlungsforderungen in Milliardenhöhe zukommen.

Auf die Deutsche Bank rollt die nächste Milliardenbelastung zu. Dieses Mal geht es nicht um getürkte Zinssätze oder falsch berechnete Rohstoffkurse, sondern die Übernahme der Postbank im Jahr 2008: Ein Teil deren früherer Aktionäre hat nach einem aktuellen Urteil des Kölner Landgerichts Anspruch auf Nachzahlung durch die Deutsche Bank. Im schlimmsten Fall kommen auf den Konzern, der gerade erst seine Kapitaldecke mit 8 Milliarden Euro gestärkt hat, Zahlungen von über 3 Milliarden Euro zu.

Darum geht es: 2008 hatte die Deutsche Bank 29 Prozent der Postbank-Aktien für je 57,25 Euro erworben, aber nach Ansicht der Kläger unrechtmäßig sofort die Macht bei den Bonnern an sich gerissen. Dieses sogenannte "acting in concert" mit der Deutschen Post könnte sich unter anderem bereits aus Stimmrechtsabsprachen zwischen Deutscher Bank und Deutscher Post ergeben, zu deren Offenlegung das Gericht die Deutsche Bank verdonnert hatte.

Später stockte die Deutsche Bank ihre Postbank-Beteiligung bis hin zur vollständigen Übernahme auf, zahlte den restlichen Aktionären jedoch deutlich weniger: 25 Euro pro Aktie. Für die früheren Postbank-Aktionäre ging es darum, den Nachweis erbringen, dass die Deutsche Bank bereits durchregierte, als sie noch Minderheitseigner der Postbank war; denn dann müsste sie nachträglich allen Aktionären, die die 48 Millionen Aktien in das Übernahmeangebot eingeliefert haben, mindestens 57,25 Euro zuzüglich Zinsen zahlen - im Maximalfall bis zu drei Milliarden Euro.

"Der Weg für geschädigte Postbank-Aktionäre ist geöffnet"

Die gerichtliche Auseinandersetzung läuft seit Jahren. Die Deutsche Bank hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Das manager magazin hatte bereits im Dezember 2015 darüber berichtet.

Das Kölner Landgericht bestätigte nun am Freitag die Rechtmäßigkeit der Klagen auf Acting in Concert und verurteilte die Bank zur Zahlung des Differenzbetrages an die Kläger (LG Köln 82 O 11/15). Zudem erklärte das Gericht den Squeeze-out-Beschluss der Postbank von 2015 für nichtig (LG Köln 82 O 115/15). Ihre damals noch verbliebenen Restaktionäre, die mit 35,05 je Aktie abgefunden wurden, dürften nun auch Anspruch auf mindestens 57,25 Euro erheben.

"Der Richterspruch bestätigt, dass die Deutsche Bank seit Jahren mit unzutreffendem Sachvortrag Urteile in der Postbank-Sache erschlichen hat. Der Weg für andere geschädigte Postbank-Aktionäre ist nunmehr geöffnet", sagten der Frankfurter Rechtsanwalt Jan Bayer (BayerLaw) sowie der Müchener Rechtsanwalt Dr. Krauss (Tricon), zwei der maßgeblichen Klageführer.

Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte, man bedaure die beiden Urteile des Landgerichts Köln und fügte an: "Wir werden die Urteilsbegründungen prüfen und aller Voraussicht nach Berufung gegen beide Urteile einlegen."

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