Sparprogramm Deutsche Bank schließt jede fünfte Filiale

Die Deutsche Bank will die Zahl ihrer Filialen in Deutschland auf 400 reduzieren. Der Kahlschlag soll vor allem die Städte treffen. Das Geldhaus will seine Kunden jetzt verstärkt über Video und Telefon erreichen.
Gut ein Fünftel der Filialen der Deutschen Bank wird schließen müssen

Gut ein Fünftel der Filialen der Deutschen Bank wird schließen müssen

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Die Deutsche Bank will jede fünfte Filiale in Deutschland schließen. "Wir planen, die Zahl der Filialen so rasch wie möglich von gut 500 auf etwa 400 zu verringern", sagte Philipp Gossow, Leiter des Privatkundengeschäfts der Marke Deutsche Bank, der Nachrichtenagentur Reuters. "Das wollen wir hauptsächlich in Städten tun, in denen wir ohnehin mit mehreren Filialen vertreten sind." In ländlicheren Gebieten wolle die Bank bleiben, um ein flächendeckendes Filialnetz zu erhalten. Mit den Schließungen sei auch ein Stellenabbau verbunden, die Zahl der Berater solle aber stabil bleiben.

Bereits seit vergangenem Jahr prüft die Deutsche Bank ihr Filialkonzept. Dass ein Fünftel der Filialen zur Disposition stehen, hatte manager magazin bereits im Dezember berichtet. Die Pläne sind Teil des von Bank-Chef Christian Sewing (50) verfolgten tiefgreifenden Umbauplans, die Kosten der Bank bis zum Jahr 2022 deutlich zu senken und weltweit 18.000 Stellen zu streichen. Das Privatkundengeschäft soll seine Ausgaben um eine Milliarde Euro drücken, ein Fünftel dieser Vorgabe soll der Vertrieb liefern. Neben Filialschließungen will er auch die beiden Marken Postbank und Deutsche Bank stärker zusammenführen.

"Die Anforderungen an die Beratung und das Filialgeschäft haben sich durch Corona weiter verändert", sagte Gossow nun. "Selbst Kunden, die früher nicht viel anfangen konnten mit Onlinebanking, erledigen mittlerweile viele einfache Bankgeschäfte am Computer oder iPad von zu Hause aus." Selbst komplexe Beratungen wie etwa bei Wertpapieren fänden mittlerweile häufiger über Video oder Telefon statt. Seit Ausbruch der Pandemie seien auch Bargeldabhebungen weniger geworden, Kunden zahlten mehr mit Karten oder dem Smartphone. "Die Nachfrage der Kunden nach Beratung ist seit der Corona-Krise deutlich gestiegen. Die Kunden gehen aber für die Beratung seltener in die Filiale."

Kundenkontakt künftig öfter über Video und Telefon

Künftig werde sich das Geldhaus mehr über Video und Telefon an Kunden wenden, erläuterte Gossow, der die Pläne in Frankfurt bei einer Bankenkonferenz präsentierte. Dafür werde mehr Geld in den Ausbau von Technologie investiert, um etwa Produktabschlüsse über das Internet zu ermöglichen. Ausprobieren will die Deutsche Bank auch sogenannte Anlagezentren. "Kunden können diese bei Bedarf nach vorheriger Terminvereinbarung aufsuchen und werden von ihrem Berater in einer Art Bankbüro beraten", sagte Gossow. "Auf die sonst übliche Infrastruktur einer Filiale wie SB-Zone oder Schalterraum verzichten wir."

Deutsche Geldhäuser betreiben viel mehr Filialen als etwa britische oder niederländische Banken. Dort sind Kunden tendenziell offener für digitale Dienstleistungen und Beratungen. Das anhaltend niedrige Zinsumfeld und mögliche Kreditbelastungen in Folge der Corona-Pandemie erhöhen den Druck auf Banken, die Kosten zu senken.

Auch die Commerzbank will Zweigstellen schließen und arbeitet derzeit eine neue Strategie aus. 200 Standorte, die im Zuge der Corona-Krise dicht gemacht wurden, hat sie bereits nicht mehr geöffnet. Nach Informationen von manager magazin sehen die Pläne den Abbau von insgesamt 10.000 Jobs und die Schließung der Hälfte der 1000 Filialen vor, um die Rendite mittelfristig auf 7 Prozent von zuletzt rund 3 Prozent zu heben. Darin enthalten ist der bereits im Herbst 2019 beschlossene Abbau von 4300 Stellen. 

rei/Reuters
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