Donnerstag, 18. Juli 2019

Razzia bei der Deutschen Bank Panama am Main - Mitarbeiter reagieren mit Galgenhumor

Ungebetene Gäste: Die Deutsche Bank in Frankfurt erhielt am Donnerstag überraschend Besuch von der Staatsmacht.

Auswertung der Panama Papers beschert der Deutschen Bank eine Razzia wegen des Verdachts auf Geldwäsche. Im Mittelpunkt steht eine Gesellschaft auf den Britischen Jungferninseln. Die fragwürdigen Transaktionen reichen bis ins Jahr 2018.

Gut 7000 Kilometer sind die Britischen Jungferninseln von Frankfurt entfernt. Vier Zeitzonen liegen dazwischen. Doch das, was sich dort in der Karibik vor ein paar Jahren abgespielt haben soll, hat die Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt an diesem Donnerstag mit voller Wucht eingeholt.

170 Beamte der Staatsanwaltschaft, des Bundeskriminalamtes, der Steuerfahndung und Bundespolizei haben Geschäftsräume des Geldhauses durchsucht - wegen des Verdachts auf Geldwäsche wie die Frankfurter Staatsanwaltschaft erklärte.

Die Deutsche Bank soll Kunden bei der Gründung so genannter Offshore-Gesellschaften in Steuerparadiesen geholfen und Gelder aus Straftaten auf Konten des Instituts transferiert haben. Im Mittelpunkt dieser Machenschaften stand offenbar eine Gesellschaft mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln. Allein im Jahr 2016 soll diese mehr als 900 Kunden mit einem Geschäftsvolumen von 311 Millionen Euro betreut haben.

Doch die Ermittlungen beziehen sich auf einen deutlich längeren Zeitraum. Die Staatsanwaltschaft nannte die Jahre 2013 bis 2018. Nach Informationen der "Financial Times" spielten sich die fragwürdigen Transaktionen in der Privatkundensparte ab, die der jetzige Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing bis Frühjahr 2018 mitverantwortete.

Die neue Razzia verlängert die ohnehin schon lange Liste der juristischen, regulatorischen und auch strategischen Probleme der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen. Der Aktienkurs hat sich seit Anfang des Jahres etwa halbiert. Am Donnerstag brach er zwischenzeitlich um fast 5 Prozent ein. Die Prämien für Kreditausfallversicherungen erreichten das höchste Niveau seit etwa zwei Jahren.

Die Ermittler haben bei ihrer jüngsten Untersuchung zwei Mitarbeiter im Alter von 46 und 50 Jahren im Visier sowie andere bisher nicht näher identifizierte Beschäftigte der Deutschen Bank. Auslöser der Razzia war eine Auswertung der so genannten "Panama Papers" und "Offshore Leaks" - vertrauliche Unterlagen darüber, wie Politiker, Sportfunktionäre, Prominente, Kriminelle und Milliardäre Briefkastenfirmen in Steueroasen nutzten, um Steuerzahlungen in ihrer Heimat zu umgehen. Ein internationales Recherchenetzwerk hatte die Informationen im Frühjahr 2016 enthüllt.

Die Deutsche Bank teilte mit, dass sie vollumfänglich mit den Ermittlern kooperiere. Ein Sprecher betonte, man habe den Behörden bereits alle relevanten Informationen im Zusammenhang mit den "Panama Papers" übergeben.


Im Video: Razzia bei der Deutschen Bank

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Bild: REUTERS

Die Büros in den Frankfurter Doppeltürmen der Bank sind auch schon in der Vergangenheit durchsucht worden - etwa vor drei Jahren wegen des Verdachts, sich an Steuertricksereien beteiligt zu haben. Mitarbeiter der Bank, die am Donnerstag um die Mittagszeit aus der Zentrale strömten, kommentierten die neue Razzia mit Galgenhumor: "Man müsste sich fast schon fragen, ob irgendwas bei uns nicht stimmt, wenn dubiose Machenschaften aufgedeckt würden und wir damit nichts zu tun hätten." Einer seiner Kollegen ergänzte mit Verweis auf die Markenkampagne der Bank, die unter dem Hashtag #positiver Beitrag steht: "Heute leisten wir wohl einen negativen Beitrag, wenn es um unseren Ruf geht."

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