Greenwashing-Vorwürfe Razzia bei Deutscher Bank und DWS

Seit knapp einem halben Jahr ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen den Vermögensverwalter DWS wegen des Vorwurfs des Greenwashings. Nun haben die Ermittler die Zentralen der Deutschen Bank und seiner Fondstochter durchsucht.
Im Visier der Ermittler: Die Deutsche-Bank-Tochter DWS soll bei ihren Investments Angaben zu Nachhaltigkeitskriterien zu hoch angesetzt haben

Im Visier der Ermittler: Die Deutsche-Bank-Tochter DWS soll bei ihren Investments Angaben zu Nachhaltigkeitskriterien zu hoch angesetzt haben

Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERS

Durchsuchungen bei der Deutschen Bank und ihrer Fondstochter DWS: Etwa 50 Einsatzkräfte von Staatsanwaltschaft, Finanzaufsicht Bafin und Bundeskriminalamt (BKA) haben am Dienstag in Frankfurt am Main den beiden Zentralen einen Besuch abgestattet. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt geht es um den Vorwurf des Kapitalanlagebetrugs, konkrete Beschuldigte gebe es bislang nicht. Die Ermittler nahmen demnach sowohl Räumlichkeiten der DWS als auch der Deutschen Bank in Augenschein. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über die Durchsuchungen berichtet. Die Aktie  der DWS baute ihre Verluste aus und fiel zuletzt um 2 Prozent. Auch das Papier der Deutschen Bank  geriet unter Druck.

Die Deutsche Bank hält 79,49 Prozent an der börsennotierten DWS, als Aufsichtsratschef hat die Deutsche Bank ihren stellvertretenden Vorstandschef Karl von Rohr entsand. DWS-CEO ist Asoka Wöhrmann, der zuvor das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank leitete.

Ein Sprecher der DWS bestätigte die Durchsuchungen und bekräftigte auf Anfrage: "Wir haben in dieser Angelegenheit kontinuierlich und umfassend mit allen relevanten Regulierungsbehörden zusammengearbeitet und werden dies auch weiterhin tun." Die Deutsche Bank verwies auf die Stellungnahme der DWS und teilte zudem schriftlich mit: "Die Maßnahmen der Staatsanwaltschaft richten sich gegen Unbekannt im Zusammenhang mit Greenwashing-Vorwürfen, die gegen die DWS erhoben wurden."

Hintergrund der Maßnahme sind die seit Monaten kursierenden "Greenwashing"-Vorwürfe gegen die DWS. Demnach verkaufe der Vermögensverwalter bei der Vermarktung von sogenannten "grünen Finanzprodukten" (ESG-Produkte - Environment, Social, Governance) diese als "grüner" beziehungsweise "nachhaltiger", als sie tatsächlich seien.

Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen im vergangenen Jahr die frühere Nachhaltigkeitsbeauftragte der DWS, Desiree Fixler (50). Hier können Sie noch einmal alles über den Skandal nachlesen . Die Managerin verließ die DWS im Frühjahr 2021 nach nur wenigen Monaten und offenbarte sich als "Whistleblower" zunächst der US-Börsenaufsicht SEC und dem FBI. Die DWS hat die Vorwürfe stets bestritten.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft sieht nach deren Prüfung Anhaltspunkte dafür, dass ESG-Faktoren entgegen der Angaben in Verkaufsprospekten von DWS-Fonds nur in einer Minderheit der Investments tatsächlich berücksichtigt worden sind und ermittelt seit Januar 2022 in dem Fall.

mg/dpa-afx, Reuters