Mittwoch, 19. Juni 2019

Kurz vor der Hauptversammlung Deutsche Bank räumt peinliche IT-Panne ein

Der Chef und sein oberster Aufseher: Christian Sewing (r.) und Aufsichtsratsvorsitzender Paul Achleitner müssen kurz vor der HV eine peinliche IT-Panne der Bank eingestehen

Die Deutsche Bank hat eine IT-Panne in ihrer Software entdeckt, die Zahlungen von Großkunden überwachen sollte. Das Problem besteht offenbar seit Jahren, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Hat die Bank damit womöglich illegale Zahlungen übersehen?

Um die Überwachung der Zahlungsströme bei der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen ist es nicht zum Besten bestellt. Nicht von ungefähr jedenfalls hatte die Finanzaufsicht Bafin der Bank im vergangenen September einen Aufpasser zur Seite gestellt, der die Umsetzung der angeordneten Maßnahmen zur Prävention von Geldwäsche überwacht. Ein bislang einmaliger Vorgang. Später schlug der Skandal um die Dankse Bank hohe Wellen. Zuletzt musste die Bank einen Bericht der New York Times dementieren, leitende Mitarbeiter in den USA hätten verhindert, dass verdächtige Zahlungen der Trump-Familie an die Aufsicht gemeldet würden.

Vor diesem Hintergrund schreckt die aktuelle Meldung auf, dass die Bank wegen eines Softwarfehlers offenbar seit Jahren ein Problem hat, Zahlungen von Großkunden vorschriftsgemäß zu überprüfen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Kurz vor der Hauptversammlung an diesem Donnerstag habe die Bank das Problem entdeckt und den Aufsichtsbehörden in Deutschland sowie der US-Notenbank Fed gemeldet.

Deutsche Bank: Großaktionäre proben Aufstand gegen Achleitner

"Die Deutsche Bank hat mehrere IT-Anwendungen, um den Zahlungsverkehr hinsichtlich verschiedener Risiken zu überwachen. Bei einer dieser Anwendungen sind zwei von 121 Parameter nicht korrekt definiert. Dabei ging es darum, Transaktionen im Nachhinein zu analysieren", teilte das Geldhaus am Dienstagabend mit und bestätigte damit den Bericht der "Süddeutschen Zeitung".

Weitere Details nannte die Bank nicht. Dem Vernehmen nach könne zumindest nicht komplett ausgeschlossen werden, dass dadurch auch illegale Zahlungen durchgelaufen seien, berichtet die SZ. Das Risiko halte die Bank Insidern zufolge aber für gering.

Der Fehler sei Mitarbeitern der Abteilung gegen Finanzkriminalität aufgefallen, nachdem die Bank ihre Prozesse im Herbst vergangenen Jahres verbessert habe, teilte das Geldhaus weiter mit. Das Institut arbeite daran, den Fehler schnellstmöglich zu beheben und befinde sich "im engen Austausch mit den Regulatoren dazu".

Hat bereits einen Aufpasser an ihrer Seite: Sylvie Matherat, Vorständin der Deutschen Bank, unter anderem zuständig für Geldwäscheprävention

Damit haben Aktionäre am Donnerstag einen Grund mehr für Klagen und Kritik. Aufsichtsratschef Paul Achleitner und der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing müssen sich ohnehin auf eine hitzige Debatte und scharfe Angriffe von mindestens drei Großaktionären einstellen.

Auch könnte angesichts der jüngsten Meldung die Rolle und Position von Sylvie Matherat hinterfragt werden. Die Vorständin der Deutschen Bank ist als "Chief Regulatory Officer" unter anderem für Geldwäscheprävention zuständig.

rei mit Reuters

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