Samstag, 20. April 2019

Deutsche Bank Abschiedsbrief im Hundekorb

Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain: Ex-Manager Broeksmit war sein Vertrauter

William Broeksmit, Ex-Manager der Deutschen Bank, der sich im Januar in London das Leben nahm, fürchtete sich offenbar vor staatlichen Ermittlungen. Der Risikoexperte hinterließ eine Reihe von Abschiedsbriefen - einen davon an Bankchef Anshu Jain.

London - Warum erhängte sich ein ehemaliger Topmanager der Deutschen Bank Anfang des Jahres in London? Die Frage dürfte innerhalb und außerhalb des führenden deutschen Geldinstituts viele interessieren. Einem Bericht zufolge könnte der Suizid mit möglichen Ermittlungen gegen die Bank zu tun haben. Aber ist das als Motiv für einen Selbstmord glaubhaft? Eine Antwort darauf findet sich womöglich in diversen Abschiedsbriefen, die der Ex-Deutsch-Banker hinterließ. Einer davon richtete sich offenbar an Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain persönlich.

Der Reihe nach: Der frühere Investmentbanker und Risikoexperte William Broeksmit, 58, wurde von seiner Frau Anfang des Jahres erhängt in seiner Wohnung im Londoner Stadtteil Kensington gefunden. Der gebürtige Chicagoer war von 1996 bis 2001 und erneut von 2008 bis zu seinem Ruhestand im Februar 2013 für die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen tätig. Dort galt er als enger Vertrauter des heutigen Bankchefs Anshu Jain, mit dem er bereits in den neunziger Jahren bei der mittlerweile zur Bank of America Börsen-Chart zeigen gehörenden Merrill Lynch zusammengearbeitet hatte.

Der Abgang Broeksmits bei der Deutschen Bank verlief allerdings wenig ruhmreich: Als sein Mentor Jain ihn 2012 als Risikochef in den Vorstand holen wollte, stellte sich die Finanzaufsicht quer. Der zweifache Vater verfüge nicht über ausreichend Erfahrung im Führen großer Belegschaften, so die Bafin. Die Nachfolge des Ackermann-Vertrauten Hugo Bänziger trat dann stattdessen Bänzigers vorheriger Stellvertreter Stuart Lewis an. Und kurz darauf scheiterte angeblich auch ein weiterer Versuch, Broeksmit zu befördern, am Widerstand der Bafin.

Der gab zwar zu seinem Abschied bei der Deutschen Bank noch eine Party. Tatsächlich hat er sich von den Rückschlägen aber offenbar nicht wieder erholt. Wie das "Wall Street Journal" ("WSJ") berichtet, soll Broeksmit gegenüber Vertrauten darüber geklagt haben, er fühle sich von ehemaligen Kollegen, mit denen er jahrelang zusammengearbeitet habe, im Stich gelassen.

Broeksmit sprach mit Psychologen

Zudem vertraute sich Broeksmit offenbar auch einem Psychologen an, wie die Zeitung mit Bezug auf eine Londoner Untersuchungsrichterin schreibt, die den Tod des Ex-Bankers untersucht. Dem Fachmann gegenüber habe er über Schlafstörungen und geringes Selbstwertgefühl geklagt. Zudem schilderte er Ängste in Bezug auf mögliche staatliche Ermittlungen gegen die Deutsche Bank, so die Richterin laut "WSJ".

Tatsächlich häufen sich seit einiger Zeit die juristischen Schwierigkeiten sowie Vorwürfe und Verdächtigungen, denen sich die Deutsche Bank gegenüber sieht. Ende des vergangenen Jahres hatte das Instituts mehr als eine Milliarde Euro gezahlt, um einen Streit um US-Hypothekenpapiere aus der Welt zu schaffen. Kurz darauf akzeptierte die Deutsche Bank wegen des Vorwurfs der Manipulation am Interbankenzins Libor eine Strafe der EU-Kommission über 725 Millionen Euro.

Weitere Kosten im Libor-Skandal könnten folgen, denn in den USA wurde gerade eine neue Klage in der Causa eingereicht. Hinzu kommt der immer wieder geäußerte Verdacht, die Deutsche Bank sei auch an einer Manipulation des Goldpreises beteiligt. Auch zu diesem Thema hat die Finanzaufsicht bereits Ermittlungen aufgenommen.

Und last but not least: Die unendliche Geschichte des verunglückten Kirch-Interviews von Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer. Ein jüngst geschlossener Vergleich in der Sache kostet die Bank mehr als 900 Millionen Euro. Damit ist das Thema aber noch nicht vom Tisch. Vor wenigen Tagen berichtete manager magazin online, dass neben Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen nun auch Vorstand Stephan Leithner in das Visier der Staatsanwälte geraten ist. Der Verdacht: Prozessbetrug.

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