Elfter Verhandlungstag im Deutsche-Bank-Prozess Kirch-Erben zahlten Dieter Hahn 200 Millionen Euro - der wäscht seine Hände in Unschuld

Hahn (2012): 200 Millionen Euro vor Steuern

Hahn (2012): 200 Millionen Euro vor Steuern

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Je weiter der elfte Verhandlungstag fortschreitet, desto hitziger wird's im Gerichtssaal. Dieter Hahn ist da, die "rechte Hand" des 2011 verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch und dessen Speerspitze im Kampf gegen die Deutsche Bank. Hahn hat - mit Kirchs gesamtem Prozessteam um die Anwälte Wolf-Rüdiger Bub und Peter Gauweiler - Deutschlands größtes Geldhaus über 925 Millionen Euro gekostet; so viel zahlte die Deutsche Bank in einem Vergleich vergangenes Jahr an Kirchs Erben.

Über seine diversen Rettungspläne für die schlingernde Kirch-Gruppe berichtet der frühere Kirch-Geschäftsführer noch so bereitwillig wie langatmig. Als Eberhard Kempf, Verteidiger des früheren Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann, aber auf Hahns Beteiligung am Vergleichserlös kommt, wird der Zeuge wortkarg. Er wolle seine Vermögensverhältnisse nicht öffentlich diskutieren. Aber doch nur diese eine Transaktion, wirft Richer Peter Noll ein. Dies sei aber ein "erheblicher Vermögenswert, der weit über das Vermögen, das ich vorher hatte, hinausging", hält Hahn dagegen.

Noll versucht, ihn an seiner Ehre zu packen. Er wundere sich, "dass bei hoch erfolgreichen Menschen wie Ihnen die Nennung einer Summe als hochnotpeinlich empfunden wird". Würde es sich zudem um eine sehr hohe Summe über 100 Millionen Euro handeln, sei Hahn nahe an einer Rolle als Partei, seine Zeugenaussage also kaum als unabhängig zu werten. Hahns Anwalt beantragt noch den Ausschluss der Öffentlichkeit, doch es hilft alles nichts.

Nach einer halbstündigen Unterbrechung verfügt Richter Noll, dass der Betrag offenzulegen ist - und Hahn folgt.

"Das ist aus meiner Sicht die Wasserscheide gewesen"

An dem Erlös habe er eine Beteiligung von "knapp 50 Prozent nach Abzug aller Kosten" gehabt. "Das waren im Ergebnis knapp 200 Mio. Euro vor Steuern." Ein stolzes Entgelt für die zwölf Jahre währende Serie an Prozessen, mit denen Hahn und seine Anwälte die Bank überzogen.

Die Bank hatte sich 2014 auf den Vergleich eingelassen, nachdem sie 2012 vor dem Oberlandesgericht (OLG) unterlegen war. Eine Rolle spielte offenbar auch, dass die Münchener Staatsanwaltschaft Ermittlungsverfahren gegen die Vorstände Fitschen und Stephan Leithner sowie weitere Ex-Vorstände eingeleitet hatte und die Ermittlungen auf den damaligen Co-Chef Anshu Jain und weitere aktive Vorstände auszuweiten drohte.

Das OLG hatte Ex-Chef Rolf Breuer und die Bank zu Schadensersatz verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Breuer und die Bank den Medienunternehmer vorsätzlich und sittenwidrig schädigen wollten. Die Münchener Ankläger sind der Meinung, dass die Banker gelogen haben, um den Schadensersatz noch abzuwenden. Noll hatte sich diesbezüglich vergangene Woche eher skeptisch gezeigt: Eine Verurteilung komme überhaupt nur in Betracht, wenn kein vernünftiger Zweifel an der Schuld bestehe. Um solche Zweifel zu zerstreuen oder auch zu gewinnen, könne man aber niemandem in den Kopf schauen. Noll will deshalb den Schadensersatzanspruch zumindest partiell nochmals prüfen - um einen möglichen Betrugsvorsatz überhaupt ermitteln zu können.

Hahn zeichnete im Zeugenstand, wenig überraschend, das Bild, dass er in der schweren Krise der Kirch-Gruppe 2001/2002 selbst angesichts drohender Kapitallücken in Milliardenhöhe jederzeit alles im Griffe hatte und tatsächlich Breuers TV-Interview Kirch zu Fall gebracht habe. "Das ist aus meiner Sicht die Wasserscheide gewesen." Seiner Meinung nach sei die Kirch-Gruppe zu keinem Zeitpunkt überschuldet gewesen, so Hahn; ein Urteil in einem anderen Gerichtsverfahren kam indes zum gegenteiligen Ergebnis.

Breuer will nur die Wahrheit gesagt haben

Und Breuer? Meldete sich bereits am Morgen zu Wort, und zwar ziemlich uneinsichtig. Er habe nur geäußert, "was ich in diesem Moment an öffentlich verfügbaren Informationen im Kopf hatte". Und er habe nur die Wahrheit gesagt, was Noll zur Frage veranlasste: "Ist Ihnen nicht klar, dass auch die Wahrheit - an falscher Stelle geäußert - ein Lapsus sein kann?" Nein, denn es sei ja allgemein bekannt gewesen, so Breuer. Von einem Sprecher der größten deutschen Bank werde erwartet, dass er sich zu großen Krisen äußere. "Das haben wir in jüngster Zeit in der Griechenlandkrise tagtäglich erlebt." In "diese Dimension" sei damals die Frage der möglichen Insolvenz von Kirch gerückt. "In diesem Kontext habe ich das damals gesehen und sehe ich es heute noch."

In früheren Prozessen hatte Breuer noch eingeräumt, dass Interview sei ein Unfall gewesen. Davon war nun keine Rede mehr, im Gegenteil. Wort für Wort nahmen die Anwälte die Berichterstattung der US-Nachrichtenagentur Bloomberg und der Financial Times Deutschland auseinander. Der erste, der von Bloomberg, sei verfälscht gewesen, der darauf beruhende, nochmals zugespitzte FTD-Bericht mit der Titelzeile "Deutsche Bank stellt Kirch bloß" haben den Entrüstungssturm erst ausgelöst. "Das Interview für sich", befand Ackermanns Verteidiger Eberhard Kempf, "war unspektakulär". Das sahen viele Unternehmer und Unternehmenslenker anders - auch, nachdem das Interview in vielen Medien wortwörtlich abgedruckt worden war.

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