Mittwoch, 8. April 2020

Deutsche Bank holt Börsenchef Weimer in Aufsichtsrat So elegant organisiert Paul Achleitner seine Nachfolge

Deutsche-Bank-Chefaufseher Paul Achleitner will Insidern zufolge bis 2022 im Amt bleiben. Mit ...

Theodor Weimer (60), Chef der Deutschen Börse, zieht in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank und hat damit beste Chancen, Paul Achleitner (63) als Oberkontrolleur des Geldhauses zu beerben. Weimer tritt die Nachfolge der britischen Managerin Katherine Garrett-Cox an. Diese wird zur Hauptversammlung 2020 aus dem Kontrollgremium ausscheiden, wie die Deutsche Bank am Freitag ankündigte.

Achleitners Amtszeit endet 2022. Großaktionäre der Deutschen Bank hatten nach den abgebrochenen Fusionsgesprächen mit der Commerzbank vor knapp einem Jahr den Druck auf ihn erhöht, seine Nachfolge möglichst bald zu regeln und vorzeitig abzutreten. Sie lasten ihm strategische und personelle Fehlentscheidungen an. Erste Erfolge bei der Sanierung des Geldhauses, die Bank-Chef Christian Sewing Mitte vergangenen Jahres angegangen ist und die die Corona-Krise jetzt allerdings massiv gefährdet, haben Achleitner wieder Luft verschafft.

Insidern zufolge will er bis 2022 im Amt bleiben und sieht als Nachfolgekandidaten nicht nur Weimer, sondern auch Norbert Winkeljohann (63). Der Wirtschaftsprüfer gehört seit knapp zwei Jahren dem Deutsche-Bank-Kontrollgremium an. Er sitzt auch im Aufsichtsrat der Chemie- und Pharmakonzerns Bayer und soll dort im Frühjahr dieses Jahres Chefaufseher werden.

... Theodor Weimer, Chef der Deutschen Börse, steht ein möglicher Nachfolger in den Starlöchern.

Die Deutsche Bank hatte in den vergangenen Monaten große Probleme, einen Aufsichtsratsposten zu besetzen. Jürg Zeltner, Chef der von der Quintet Privatbank und Wunschkandidat des Bank-Großinvestors Katar, scheiterte an der Bankenaufsicht. Diese fürchtete bei Zeltner Interessenskonflikte. Auch andere Vorschläge aus Kreisen der Aktionäre stießen auf große Skepsis bei der Aufsichtsbehörde. Am Ende einigten sich alle Beteiligten auf den Kompromisskandidaten Sigmar Gabriel (60), den einstigen Vize-Kanzler, Mehrfach-Bundesminister und SPD-Parteichef.

Weimer hat wohl bessere Chancen als Winkeljohann

Auch das half Achleitner Finanzkreisen zufolge, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen und sich mit seinen Vorstellungen zu Nachfolgekandidaten und zum Zeitablauf stärker durchzusetzen. Die Anforderungen an den Oberkontrolleur der Deutschen Bank sind hoch: Es braucht eine Persönlichkeit mit guten Drähten zu Politik, Wirtschaft und Aufsichtsbehörden, mit Erfahrung und Know-how in der Finanzbranche und mit einem internationalen Netzwerk.

Nach Einschätzung von Insidern hat Weimer, einst Goldman-Sachs-Banker und Ex-Chef der Hypovereinsbank, daher bessere Chancen als Winkeljohann, in zwei Jahren den Posten des Oberkontrolleurs bei der Deutschen Bank zu übernehmen. Der Deutsche Corporate Governance Kodex empfiehlt jedoch, dass der Vorstand eines börsennotierten Unternehmens nicht gleichzeitig in einem anderen börsennotierten Konzern aus Aufsichtsratsvorsitzender bestellt werden sollte. Weimer müsste daher den CEO-Posten bei der Deutschen Börse aufgeben. Sein Vertrag dort ist jüngst verlängert worden - bis Ende 2024.

Das erhöht aus Achleitners Perspektive den Charme, gerade Weimer in den Aufsichtsrat zu holen. Denn dieser wird seinen CEO-Posten nicht so bald aufgeben wollen. Für Achleitner steigen damit die Chancen, sein Mandat planmäßig und damit erst in gut zwei Jahren beenden zu können.

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