Montag, 20. Mai 2019

Warren Buffett an Milliardenverlust beteiligt Die schlechteste Wette der Deutschen Bank

Detroit zur Zeit der Kommunalpleite (2013)

Gegenwart und Zukunft bereiten der Deutschen Bank schon genug Kopfzerbrechen. Muss sie sich da auch noch mit weiteren Problemen der Vergangenheit beschäftigen?

Das "Wall Street Journal" berichtet nun über eine Geschichte, die 2007 begann und 2016 für die Bank abgeschlossen wurde, bisher aber nicht öffentlich bekannt war. Der Fall beleuchtet exemplarisch das Versagen des Konzerns in der Finanzkrise, aber auch sein Unvermögen, Altlasten zu bewältigen - und die Rolle des Risikomanagements, wo der heutige Bankchef Christian Sewing (48) den Großteil der betreffenden Zeit über wirkte.

Laut "Journal" verlor die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen mit einer einzelnen schief gelaufenen Finanzwette 1,58 Milliarden Dollar - der Zeitung zufolge das größte Fehlinvestment der Bank. Sie hatte 2007, als die Finanzkrise begann, 500 Anleihen von US-Kommunen mit einem Nennwert von 7,8 Milliarden Dollar gekauft.

Dass dieses Investment schlecht lief, wurde schnell klar; die so genannten Monoline-Versicherer, die typischerweise und auch in diesem Fall Kommunalobligationen gegen Zahlungsausfall absicherten, machten als ein frühes Opfer der Krise Schlagzeilen. 2008 kaufte die Bank zusätzliche Derivate (Credit Default Swaps) bei Warren Buffetts Holding Berkshire Hathaway.

Doch die Bank rang fast ein Jahrzehnt lang intern und mit Rechnungsprüfern oder Anwälten um den richtigen Umgang mit dem Problem, das laut dem Bericht konzernintern bald als "Berkshire Trade" bekannt wurde und Lösungsversuche wie "Project Marla" hervorrief.

Mehrfach wurden die Rückstellungen für den zu erwartenden Ausfall aufgestockt, aber meist nach Einschätzung der Experten um zu wenig. Da die betreffenden Bonds kaum noch am Finanzmarkt gehandelt wurden, gab es großen Spielraum in der Bilanzierung. An einem Punkt stellten die Banker jedoch fest, dass Berkshire Hathaway in der eigenen Bilanz den Wert des Portfolios um eine satte Milliarde Dollar niedriger ansetzte als die Deutsche Bank.

Auf der anderen Seite zögerte das Management, noch mehr Kapital in dem Verlustbringer zu binden, der ab 2012 in der Bad Bank "Non-Core Operations Unit" geparkt war. Erst Sewings Amtsvorgänger John Cryan entschloss sich 2016 schließlich, nach mehreren Kapitalerhöhungen, zum Befreiungsschlag. Das Portfolio wurde mit der Bad Bank abgewickelt, um reinen Tisch zu machen - um den Preis, dass sich der bis dahin geschätzte Verlust noch einmal annähernd verdoppelte.

Cryan wurde zwar als Aufräumer geholt, für die resultierenden Verluste in seinen drei Amtsjahren jedoch vom Hof gejagt und durch Christian Sewing ersetzt.

Ein Banksprecher teilte manager-magazin.de mit, grundsätzlich äußere man sich nicht zu einzelnen Handelspositionen. Er bestätigte jedoch, dass der "Berkshire Trade" 2016 abgewickelt wurde und betonte, externe Rechnungsprüfer und Anwälte hätten stets bestätigt, dass die Transaktion korrekt verbucht wurde.

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