Dividende geplant Deutsche Bank fährt bestes Ergebnis seit zehn Jahren ein

Mit fast zwei Milliarden Euro Jahresgewinn übertrifft die Deutsche Bank die Erwartungen deutlich. Nach langer Durststrecke sollen die Aktionäre wieder eine Dividende bekommen.
Geht doch: Deutsche Bank-Chef Christian Sewing stellt den Aktionären nach langer Zeit wieder eine Dividende in Aussicht

Geht doch: Deutsche Bank-Chef Christian Sewing stellt den Aktionären nach langer Zeit wieder eine Dividende in Aussicht

Foto: RALPH ORLOWSKI / REUTERS

Die Deutsche Bank hat 2021 nach einer Serie von Verlusten das zweite Jahr in Folge mit einem Nettogewinn abgeschlossen. Unter dem Strich - also nach Abzug von Zinszahlungen für Nachranganleihen - stand ein Gewinn von 1,94 Milliarden Euro nach 113 Millionen Euro vor Jahresfrist. Der Vorsteuergewinn kletterte binnen Jahresfrist von gut einer Milliarde Euro auf rund 3,4 Milliarden, teilte die Bank am Donnerstag mit.

Damit wurden die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Im vierten Quartal verdreifachte sich der Gewinn annähernd. 2021 habe die Bank ihr bestes Ergebnis seit zehn Jahren erreicht, erklärte Konzernchef Christian Sewing (51). "Die Fortschritte bei unserer Transformation und unsere Ergebnisse im Jahr 2021 sind eine gute Basis, um 2022 unser Ziel einer Eigenkapitalrendite von 8 Prozent zu erreichen."

Die Aktionäre sollen nach einer langen Durststrecke wieder eine Dividende erhalten. Ihnen wurden 20 Cent je Aktie für 2021 in Aussicht gestellt. Letztmalig hatte das Institut für das Geschäftsjahr 2018 eine Dividende gezahlt, damals waren es elf Cent. Das Frankfurter Geldhaus kündigte zudem an, im ersten Halbjahr 2022 eigene Aktien für 300 Millionen Euro zurückzukaufen. Die Dividendenpläne sind ein Zeichen dafür, dass der von Sewing angestoßene Umbaukurs Früchte trägt und das Geldhaus wieder auf einen stabileren Gewinnpfad eingeschwenkt ist.

"Alle vier Geschäftsbereiche entwickeln sich wie geplant oder sogar besser, und beim Abbau von Altbeständen sind wir schneller vorangekommen als erwartet", führte Sewing aus. Er hatte im Finanzkonzern Mitte 2019 eine umfassende Neuaufstellung eingeleitet. Im Zuge dieses Prozesses wurden ganze Abteilungen geschlossen, riskante Teile des Investmentbankings abgestoßen und harte Sparschritte eingeleitet. Weltweit sollen im Rahmen des Umbaus rund 18.000 Arbeitsplätze wegfallen. Die umbaubedingten Kosten lagen 2021 bei 1,5 Milliarden Euro, ein Plus von 21 Prozent zum Vorjahr. Damit seien 97 Prozent aller bis Ende 2022 erwarteten Effekte bereits verarbeitet, erklärte die Bank.

25,4 Milliarden Euro Konzernerträge

Die Konzernerträge stiegen im vergangenen Jahr um 6 Prozent auf 25,4 Milliarden Euro. Das Investmentbanking war wie bei anderen Instituten erneut eine zentrale Ertragsstütze. Dabei profitierte Deutschlands größte Bank im Emissions- und Beratungsgeschäft vom weltweiten Fusions- und Übernahmefieber im vergangenen Jahr. Im Heimatmarkt Deutschland habe das Geldhaus 2021 die Position als Marktführer zurückgewonnen. Insgesamt nahmen in der Investmentbank die Einnahmen 2021 um 4 Prozent zu. Aber auch im Privatkundengeschäft baute der Finanzkonzern seine Erträge leicht aus, während sie in der Unternehmensbank stabil blieben.

Risikovorsorge um 71 Prozent gesunken

Für Unterstützung sorgte auch, dass die Corona-Pandemie die Geschäfte weniger stark beeinträchtigte als befürchtet worden war. Die Risikovorsorge sank 2021 um 71 Prozent auf 515 Millionen Euro. Die harte Kernkapitalquote (CET1) der Bank lag zum Jahresende 2021 bei 13,2 Prozent nach 13,6 Prozent vor Jahresfrist.

In einem Brief an die Mitarbeiter verwies Sewing auf das wachsende Kundeninteresse an ESG-Produkten. Bis zum Jahresende habe die Bank 157 Milliarden Euro an nachhaltigen Finanzierungen und Anlagen ermöglicht. "Damit werden wir unser Ziel von mindestens 200 Milliarden Euro voraussichtlich schon 2022 und nicht erst Ende 2023 erreichen können", schrieb er.

Tochter DWS fährt Rekordgewinn ein

Parallel legte am Donnerstag auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS ihre Zahlen vor, die im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von über einer Milliarde Euro einfuhr. Die im SDax notierte Fondsgesellschaft steigerte ihren bereinigten Vorsteuergewinn um 43 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro. Wie die DWS am Donnerstag mitteilte, wurde die Entwicklung getrieben durch ein Plus bei den Erträgen von 22 Prozent auf 2,72 Milliarden Euro. Vor allem höhere Managementgebühren aufgrund eines Rekordwerts beim Nettomittelaufkommen trugen zu dem Ergebnis bei. Besonders gefragt waren demnach ESG-Produkte, die 40 Prozent der gesamten Nettomittelzuflüsse von 47,7 Milliarden Euro ausmachten. In dem Bereich will die DWS auch künftig weiter wachsen.

In diesem Jahr stellt sich das Unternehmen in einem herausfordernden Marktumfeld darauf ein, dass sich die zuletzt vom Börsenboom stark gestiegenen Performance- und Transaktionsgebühren "normalisieren" werden. Vor knapp zwei Wochen hatte die Frankfurter Fondsgesellschaft bereits das vorläufige Zahlenwerk fürs vierte Quartal veröffentlicht, in dem wegen des Börsenbooms unerwartet hohe Gebühreneinnahmen erzielt werden konnten. Die Firma stellte für 2021 eine gut 10 Prozent höhere Dividende in Aussicht. Die Gesellschaft ist zu rund 80 Prozent im Besitz der Deutschen Bank.

rei/Reuters