Mittwoch, 24. Juli 2019

Deutsche Bank Jain-Vertrauter gerät wegen Libor-Affäre unter Druck

Deutschbanker Alan Cloete: Der Südafrikaner ist verantwortlich für das Asien-Geschäft des Konzerns und Mitglied im erweiterten Vorstand der Deutschen Bank (Group Executive Committee). Die Bank könnte sich auf Drängen der Aufsichtsbehörden in USA und Großbritannien von dem Jain-Vertrauten trennen
DPA / Deutsche Bank
Deutschbanker Alan Cloete: Der Südafrikaner ist verantwortlich für das Asien-Geschäft des Konzerns und Mitglied im erweiterten Vorstand der Deutschen Bank (Group Executive Committee). Die Bank könnte sich auf Drängen der Aufsichtsbehörden in USA und Großbritannien von dem Jain-Vertrauten trennen

Die Affäre um die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor führt bei der Deutschen Bank voraussichtlich erstmals zu einem personellen Opfer im direkten Umfeld von Co-Vorstandschef Anshu Jain. Nach Informationen von manager magazin Online könnte sich die Bank auf Drängen der Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien von Jain-Intimus Alan Cloete trennen. Der Südafrikaner ist verantwortlich für das Asien-Geschäft des Konzerns und Mitglied im erweiterten Vorstand (Group Executive Committee).

Bis 2012 hatte Cloete den Handel mit Zinsprodukten und Devisen geleitet - jenem Bereich also, der am stärksten von Libor-Tricksereien profitiert haben dürfte.

Insidern zufolge soll der Vergleich mit den Behörden in Kürze bekannt gegeben werden. Darin werde die Bank Fehler im Berichtswesen einräumen und mehr als 2 Milliarden Dollar zahlen. Nur für einen Teil des Betrages soll sie Rückstellungen gebildet haben.

Zudem habe die Bank einem sogenannten Monitoring zugestimmt. Begleitet von der US-Bundespolizei FBI und einer auf Forensik spezialisierten Unternehmensberatung, dürfen die Behörden mindestens zwei Jahre lang Ein- und Auszahlungen in den USA überwachen sowie Einblick in vertrauliche Dokumente nehmen.

Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte sich zu den Details des möglichen Vergleichs nicht äußern. "Wir setzen unsere Zusammenarbeit mit den in dieser Angelegenheit zuständigen Behörden fort", hieß es auf Anfrage von manager magazin.

US-Behörden dürfen Zahlungen überwachen - US-Lizenz steht auf dem Spiel

Diesem Monitoring, das auf bis zu fünf Jahre ausgedehnt werden kann, musste sich auch die Credit Suisse unterwerfen. Die Schweizer sollen US-Kunden bei der Steuerhinterziehung geholfen haben.

Verstößt die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen gegen die Auflagen der Regulierer, könnte sie schlimmstenfalls ihre US-Lizenz verlieren. Das wäre ein gewaltiger Rückschlag insbesondere für Co-CEO Jain, der sich den Ausbau von Teilen des US-Kapitalmarktgeschäfts vorgenommen hat, um mit den Wall-Street-Banken auf Augenhöhe zu konkurrieren.

Die Libor-Affäre und der Vergleich überschatten die Strategiedebatte, die die Bank seit Monaten führt, nachdem sie die meisten Geschäftsziele verfehlt hat. Nach Informationen aus Finanzkreisen plant der Konzern den Verkauf oder Börsengang seiner Tochter Postbank, aber auch die Komplettabspaltung des Massengeschäfts mit insgesamt 28 Millionen Kunden ist noch nicht vom Tisch.

Am Freitag will der Aufsichtsrat über die Pläne des Vorstands beraten. Geht sein Vertrauter Cloete, wäre das eine schwere persönliche Niederlage für Jain. Schon lange hatten die Aufseher, auch die deutsche BaFin, massive Kritik am mangelnden Aufklärungswillen der Bank in Sachen Libor-Skandal geübt und durchblicken lassen, womöglich personelle Konsequenzen zu fordern - eine Bedrohung für Jain, den jahrelang Hauptverantwortlichen des Investmentbankings.

Um ihn zu schützen und notfalls ein Bauernopfer parat zu haben, hat die Bank lange an Cloete festgehalten. Bis jetzt.

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