Deutsche-Bank-Aktie stürzt ab Sewing wirbt für Neustart - Aktionäre glauben nicht mehr dran

Deutsche Bank Chef Christian Sewing verteidigt seinen drastischen Sparkurs. Die Aktie beschleunigt jedoch ihren Kurssturz. Die Kritik an Aufsichtsratschef Paul Achleitner wird unterdessen immer lauter.
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: ""Der Stellenabbau ist unvermeidlich, wenn unsere Bank nachhaltig profitabel werden soll"

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: ""Der Stellenabbau ist unvermeidlich, wenn unsere Bank nachhaltig profitabel werden soll"

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20.46 Uhr: Aufsichtsratschef Paul Achleitner beendet das Treffen der Aktionäre nach fast elf Stunden. "Danke an alle, die hier Sitzfleisch bewiesen haben", sagt er in einer so gut wie leeren Festhalle. 2017 hatte die Hauptversammlung fast genauso lange gedauert, 2016 deutlich länger. Zuvor hatten die Aktionäre noch gegen einen Antrag gestimmt, Achleitner als Aufsichtsrat abzuberufen - für diesen Vorschlag wurden 9,05 Prozent der Stimmen abgegeben, dagegen 90,95 Prozent.

18.55 Uhr: Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef John Cryan bekommt auch nach seiner Entlassung im April noch Geld. Er erhalte ein vertragliche Karenzentschädigung von 2,21 Millionen Euro, die in zwölf Monatsraten ausgezahlt würden, sagt Aufsichtsratschef Paul Achleitner auf die Frage eines Aktionärs. Dafür gebe es zwölf Monate Wettbewerbsverbot. Zudem hat Cryan während seiner Zeit bei der Deutschen Bank Pensionszusagen erworben.

18.30 Uhr: Mehr als acht Stunden nach Beginn der Hauptversammlung hat der letzte Aktionär seine Rede beendet. Zahlreiche Aktionäre sind nicht zu ihrer Wortmeldung angetreten. Die Rednerliste ist abgearbeitet, stellt Aufsichtsratschef Paul Achleitner fest.

17.40 Uhr: Ein erstes Fazit: Trotz der immer lauter werdenden Kritik an seiner Amtsführung kann Deutsche-Bank-Chefaufseher Paul Achleitner mit Entlastung rechnen - vor allem die Großaktionäre aus China und Katar dürften ihm in der Stunde der Not die Treue halten, weil sie nicht noch mehr Unruhe gebrauchen können. Achleitner könnte der Bank einen Dienst erweisen, wenn er rasch einen Nachfolger aufbaut, kommentiert unser Kollege Tim Bartz.

Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat unterdessen für eine weitere Sanierungsrunde geworben: Die Zahl der derzeit rund 97.000 Vollzeitstellen bei der Deutschen Bank soll "deutlich unter 90.000" sinken. Dies sei unvermeidlich, wenn die Bank wieder nachhaltig profitabel werden soll.

Den Deutsche Bank Aktionären fehlt jedoch das Vertrauen, dass der Neustart der Deutschen Bank gelingt. Die Aktie brach am Tag der Hauptversammlung erneut ein und näherte sich wieder der Marke von 10 Euro. Unter diese Marke war sie im Herbst 2016 kurzzeitig gefallen als Zweifel an der Überlebensfähigkeit der Bank aufgekommen waren. Auf Sewing kommt noch viel Arbeit zu.

16.45 Uhr: Der Dax fällt, und die Aktie der Deutschen Bank  baut am Index-Ende ihre Kursverluste noch einmal kräftig aus. Zuletzt notierte das Papier nur noch bei 10,25 Euro und damit auf dem tiefsten Stand seit 18 Monaten. Morgen notiert die Aktie mit einem Dividendenabschlag von 11 Cent - dann rückt die Marke von 10 Euro wieder in gefährliche Nähe.

15.00 Uhr: Die Frage- und Antwort-Runde hat begonnen. Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment fragt, wie viele führende Investmentbanker die Bank im vergangenen Jahr verlassen haben. Im Jahr 2017 seien es etwa 100 gewesen, so die Antwort. Das sind knapp 8 Prozent der Beschäftigten in der Sparte.

14.40 Uhr: Hans-Christoph Hirt von der großen britischen Aktionärsberatung Hermes fordert eine "effektivere" Führung des Aufsichtsrats, also: Weg mit Paul Achleitner. Hirt fährt fort: Achleitner sei mitverantwortlich für strategische Kehrtwenden und einen Zickzackkurs der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren. Zahlreiche große Baustellen wie das Investmentbanking seien nicht ausreichend bearbeitet worden. Außerdem habe es unter Achleitner zu viele Wechsel im Vorstand gegeben.

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Dass er Achleitners Amtsführung für unzureichend hält, hatte Hirt zuvor schon angekündigt. Die Frage ist allerdings, wie viele der institutionellen Investoren seiner Kritik folgen. Vor allem die Großaktionäre Cerberus aus den USA, HNA aus China und die katarischen Cousins der Herrscherfamilie al-Thani halten sich bedeckt.

14.30 Uhr: Die größte, bedeutendste und wertvollste Bank der Euro-Zone hält ihre Hauptversammlung ab: die BNP Paribas in Paris. Dort wird Bankchef Laurent Bonnafé auf die zeitgleich tagende Deutsche Bank angesprochen: ob er diese für eine Übernahme "analysiere".

Bonnafés Antwort: "In der absehbaren Zukunft beabsichtigt die Gruppe keine großen Operationen, weil es nicht möglich ist." Die BNP Paribas hat einen mehr als dreimal so hohen Börsenwert wie die Deutsche Bank, gemeinsam haben die beiden Konzerne immerhin einen ihrer Gründer. Aber: "Wir können uns nicht transformieren, modernisieren und unser Geschäft expandieren, während wir uns mit Dingen wie großen Übernahmen beschäftigen."

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14.15 Uhr: Markus Kienle vom Aktionärsverein SdK sieht die aktuelle Bankführung nicht so gnädig wie DSW-Kollege Nieding. "Sie sitzen seit 2015 im Vorstand", hält er Sewing vor. "Was haben Sie getan?" Er werde wegen der miserablen Ergebnisse weder Vorstand noch Aufsichtsrat entlasten - aber auch nicht Achleitner abwählen.

14 Uhr: Die kulturelle Identität treibt die Deutsche Bank mächtiger um denn je. Christian Sewing beschwört die internationale Ausrichtung, Paul Achleitner beschwört das traditionell große Verständnis der Bank für den deutschen Markt. Als Beleg führt er unter anderem an, "dass 75 Prozent der Mitglieder des Aufsichtsrats aus dem deutschsprachigen Raum kommen".

Die Zahl führt allerdings in die Irre: Die Arbeitnehmerseite ist naturgemäß komplett deutsch besetzt. Auf der Kapitalseite des Aufsichtsrats mit zehn Sitzen stellen die Deutschen nach der Hauptversammlung nur noch die drittstärkste Nation: Platz 1 nimmt Österreich ein (Paul Achleitner, Gerd Alexander Schütz, Gerhard Eschelbeck, der allerdings auch die US-Staatsbürgerschaft innehat), zahlenmäßig gleichauf mit Großbritannien (Richard Meddings, Katherine Garrett-Cox, Michele Trogni), dann kommen zahlenmäßig ebenfalls gleichauf die USA (John Thain, Mayree Clark) und eben Deutschland (Norbert Winkeljohann, Stefan Simon).

Das ist dann weder ein Beleg für die deutsche noch für die internationale Identität der Bank, sondern lediglich für die westliche. Der ganze Rest der Welt könnte vielleicht noch einen Tick stärker repräsentiert sein. Asien zum Beispiel ist insgesamt doch kräftig im Kommen. Vielleicht könnte ja Österreich einen Platz abgeben.

Deutsche Bank Aktie nur noch knapp über 10 Euro

13.45 Uhr: Die Aktie der Deutschen Bank  rutscht weiter ab: mit einem Tagesverlust von mehr als 4 Prozent auf 10,41 Euro - das größte Minus unter den Dax-Werten. Das ist der tiefste Stand seit 18 Monaten. Ex Dividende wird die Aktie erst morgen gehandelt - bei einer Auszahlung von 11 Cent beträgt der Dividendenabschlag dann 11 Cent. Der Deutschen Bank droht damit einmal mehr der Sturz unter die 10-Euro-Marke.

13.40 Uhr: Deka Investment verliert die Geduld mit dem Kontrollgremium. Der Vermögensverwalter der Sparkassen werde "gegen die Entlastung des Aufsichtsrats stimmen, da der Umbau der Bank nun schon sechs Jahre andauert - erschwert durch diverse Strategiewechsel und immer erst sehr spätem Eingreifen", kündigt deren Vertreter Andreas Thomae an. Deka unterstütze aber die neue Strategie. Unzufrieden zeigt sich Thomae unter anderem mit der Kursentwicklung: "Der Aktienkurs gleicht der Fahrt in einer Geisterbahn, bei der hinter jeder Kurve eine unangenehme Überraschung lauert."

Nur 0,6 Prozent stimmen gegen Paul Achleitner

13.30 Uhr: Als einer der ersten Redner tritt Ingo Speich auf, Fondsmanager der Fondsgesellschaft Union Investment, die auch Aktien an der Deutschen Bank hält und der als einer der fähigsten Investoren in Deutschland gilt: Speich spricht dem neuen Vorstandschef Christian Sewing die volle Unterstützung für dessen Sparkurs aus. Sehr nachvollziehbar: Erstens ist der Sparkurs nötig, zweitens ist Sewing erst seit wenigen Wochen im Amt, da gehört sich ein freundlicher Willkommensgruß.

Der Aufsichtsrat kann sich in Deutschland immer noch einer sehr nachsichtigen Behandlung sicher sein. Speich bricht in seiner Rede sogar mit der inneren Logik, damit ihm das gelingt, normalerweise ist er kritischer. Erst bemängelt er zwar die "verlorenen Jahre" der Bank und weist auch kurz auf die "zersplitterte IT-Landschaft" hin, was allerdings auch schon beschönigend ist.

Dann dankt der jedoch den ausscheidenden Aufsichtsräten Johannes Teyssen (Eon-CEO) und Henning Kagermann (Ex-SAP-CEO) mit den Worten, deren "langjährige Expertise" sei "kaum zu ersetzen". Logisch hätte er diese Passage auch beenden können mit: "Und das ist auch gut so."

An Aufsichtsrat Paul Achleitner gibt es praktisch keine Kritik, wohl aber den freundlichen Wunsch, doch künftig wieder mehr "Deutschlandexpertise" in den Aufsichtsrat zu holen. Begründung: Die "strategische Rückbesinnung auf die deutschen Wurzeln" der Bank. Deutsche Mitarbeiter mit großer Deutschland-Expertise hat die Deutsche Bank in den Filialen aber eigentlich wirklich genug. Was Speich vermutlich meint: Der Bank fehlt derzeit der dicke Draht zu ihrer wichtigsten Kundengruppe - der deutschen Industrie. Erstmals in ihrer Geschichte hat die Bank keinen Vertreter der deutschen Industrie mehr in ihrem Aufsichtsrat.

Das haben die Hauptversammlungs-Choreographen gut hinbekommen. Speich setzt hier einen sehr freundlichen Anfangston, vor allem für den Versammlungsleiter, Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

13.05 Uhr: Attacke abgeschmettert: Nur 0,6 Prozent haben gegen ihn als Versammlungsleiter gestimmt, teilt Paul Achleitner mit. Im Vorjahr hatte er in einer ähnlichen Abstimmung 0,25 Prozent Gegenstimmen bekommen - in der Wahl zum Aufsichtsrat dann aber immerhin 6,5 Prozent. Die Großaktionäre halten trotz lauten Murrens zu ihm.

Begeisterung über Versprecher: Elf Euro Dividende!

12.45 Uhr: Bisher ist es eine eher ernste Veranstaltung. Für Heiterkeit sorgt nun Achleitner, indem er eine Dividende von elf Euro je Aktie ankündigt. Applaus! Der Vorschlag laute auf elf Cent, korrigiert er sich. Die Ausschüttung an die Aktionäre wird aus dem Geschäftsergebnis für 2017 bezahlt. Und das war, wie in den beiden Vorjahren, negativ.

12.40 Uhr: Auf der Hauptversammlung sind etwas weniger Aktionärsstimmen vertreten als im vergangenen Jahr. Die Präsenz liegt - einschließlich der Briefwahlstimmen - bei 42,6 Prozent, wie Aufsichtsratschef Paul Achleitner bekannt gibt. 2017 waren es zu diesem Zeitpunkt 42,8 Prozent. Immerhin scheinen mehr Personen gekommen zu sein, wenn auch mit weniger Stimmrechten. Laut Bank sind 4150 Anteilseigner gekommen, 450 mehr als im vergangenen Jahr.

12.25 Uhr: Die Aktionäre der Deutschen Bank kann der angekündigte Umbau samt verschärftem Sparkurs bislang noch nicht überzeugen. Die Aktie von Deutschlands größtem Geldhaus setzte am Donnerstag ihren Kursrutsch fort und fiel auf 10,55 Euro. Das ist der tiefste Stand seit 18 Monaten. Im September 2016, als Investoren den Kollaps des Instituts befürchteten, war die Deutsche Bank Aktie  zeitweise unter die Marke von 10 Euro gestürzt.

12.10 Uhr: Die Fondsgesellschaft Union Investment stellen die Ausführungen zur Strategie nicht zufrieden. "Wir hätten uns schon auf der Hauptversammlung konkretere Ankündigungen gewünscht", sagt Portfolio-Manager Ingo Speich. "Investoren brauchen klare Meilensteine, wie sich die Ankündigungen auf die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung auswirken." Die am Morgen angekündigten Maßnahmen - 7000 Jobs sollen bei der Deutschen Bank gestrichen werden - seien nur ein erster Schritt.

11.45 Uhr: Jetzt stellen mehrere Aktionäre den Antrag, darüber abzustimmen, ob Paul Achleitner als Versammlungsleiter abgesetzt werden soll. Das kommt jetzt vor der üblichen Aussprache. Klaus Nieding vom Aktionärsverein DSW stellt den Antrag unter anderem. Begründung: Es müsse heute auf der Hauptversammlung auch um Paul Achleitner gehen. Wenn es keine Mehrheit für Achleitner als Versammlungsleiter gibt, wird Nieding Alternativvorschläge unterbreiten.

Nieding selbst erklärt jedoch, weder Achleitner noch Sewing seien schuld an der Misere der Bank. Das Votum diene nur der Rechtssicherheit, falls der Aufsichtsrat nicht entlastet werde, wie von manchen großen Aktionärsberatern angekündigt.

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Deutsche Bank will in neue Ära starten: Die wichtigsten Akteure der Deutschen Bank

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11.35 Uhr: Christian Sewing stellt fest, dass der Stolz für das Geldhaus zu arbeiten, in den vergangenen Jahren zumindest teilweise verloren gegangen ist. "Deshalb trete ich das Amt des Vorstandsvorsitzenden mit dem Ziel an, genau diesen Stolz wieder zu erwecken". Die Aktionäre im Saal reagieren mit Applaus. "Verstehen Sie mich nicht falsch: nicht Arroganz, sondern Stolz." Hier können Sie Christian Sewings Rede nachlesen. 

Die Erzählung von Sewings Führungsstil geht bislang so: konsequent, ehrlich, aber auch ein Teamspieler. Deswegen achtet die Regie der Hauptversammlung peinlich darauf, nacheinander wirklich alle Vorstandsmitglieder wirklich mindestens einmal auf der großen Leinwand einzublenden. Gerade war Sylvie Matherat als Letzte dran, im Vorstand zuständig für die Beziehung zu den Regulierern. Passte zwar eigentlich nicht in Sewings Rede, aber Matherat kann nachtragend sein.

Wall-Street-Veteran John Thain soll neuen Strategieausschuss führen

Christian Sewing

Christian Sewing

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11.30 Uhr: Sewing singt ein Loblied auf den Jobabbau. Er schildert, wie er in der Privat- und Firmenkundenbank rund einhundert Prozesse automatisiert hat, 300 Stellen seien weggefallen. "Die Folge: geringere Ausgaben und zuverlässigere Abläufe". Die Entscheidung, die Belegschaft im kommenden Jahr auf "deutlich unter 90.000" zu reduzieren, treffe man "nicht leichtfertig". Dies sei die Führung aber den Aktionären schuldig.

Folgt man Sewing, ist die Investmentbank die letzte Baustelle, um das "solide Fundament" der Bank freizulegen. "Zwei von drei Geschäftsbereichen" (nämlich die Privat- und Geschäftskundenbank sowie die Vermögensverwaltung) seien schon lange strategisch gut aufgestellt und "wissen, wo sie hinwollen". Für das Kapitalmarktgeschäft, das bislang sein befreundeter Rivale Marcus Schenck leitete, hole er das nun nach.

11.20 Uhr. Der Aktienhandel steht heute im Fokus der Kürzungen, aber auch das amerikanische Zinsgeschäft will Christian Sewing "deutlich verkleinern". "Diesen Bereich sehen wir nicht als unsere Kernkompetenz an." Auch von einzelnen Branchen wie der Öl- und Gasindustrie verabschiedet sich die Deutsche Bank: Das Büro in Houston werde gerade komplett geschlossen, erklärt der Vorstandschef.

11.05 Uhr: Sewing erklärt indirekt, warum er CEO geworden ist: Der Zusammenschluss von Postbank mit dem Privatkundengeschäft der Deutschen Bank, der in den kommenden Tagen rechtlich vollzogen werden soll. Im Vorstand dafür verantwortlich sind Christian Sewing selbst und Postbank-Chef Frank Strauß. "Die Deutsche Bank wird oft dafür kritisiert, dass sie einmal gesetzte Ziele nicht erreicht. Hier ist es anders." Er hätte auch sagen können: Ich habe gerade bewiesen: Es geht auch anders.

Strauß ist übrigens der einzige von 24 Männern auf dem Podium ohne Krawatte. Er kann sich als Modernisierer präsentieren, während Sewing von den Innovationen der bankeigenen "Digitalfabrik" schwärmt.

11 Uhr: Als Sewing die konkreten Schritte zum Kostensenken aufzählt - "Wir werden den 'Maschinenraum' unserer Bank konsequent über alle Bereiche hinweg automatisieren" - , sorgt er doch noch einmal für Aufsehen: Die Bank werde abermals Restrukturierungskosten von bis zu 800 Millionen Euro verbuchen. Der heute verkündete Jobabbau im Aktienhandel ist laut dem CEO bereits im Gang. Spätestens 2022 verspricht Sewing eine Kostenquote von unter 65 Prozent der Erträge.

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10.45 Uhr: Christian Sewing beginnt seinen ersten Auftritt als Vorstandsvorsitzender auf einer Hauptversammlung der Deutschen Bank. Sewing bemüht sich sehr, die richtigen Stellen seiner Rede zu betonen. "Ihnen", "Ihren" - da hat wohl sein Redenschreiber kräftig den Textmarker eingesetzt. "Ihnen gehört unsere Bank" "unsere Bank in Ihrem Sinne führen". Und: "Wir müssen nachhaltig profitabel sein." Inhaltlich sagt Sewing ziemlich viel Erwartbares. Seine Liste der Ansprüche an sich selbst: "relevant, exzellent, innovativ, stabil und vertrauenswürdig".

Die Begeisterung der Besucher hält sich in Grenzen - nur hier und da ertönt sparsamer Applaus. Von Tumult der Kritiker kann jedoch auch keine Rede sein.

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10.40 Uhr: Der Aufsichtsrat mischt sich stärker in die Arbeit des Vorstands ein: Achleitner kündigt die Gründung eines Strategieausschusses an, der den Vorstand beim Umbau vor allem des Kerngeschäfts eng kontrollieren soll. Vorsitzender wird der ehemalige Top-Banker John Thain. Dass es jetzt an Vertretern der traditionell mit der Bank verflochtenen deutschen Industrie in dem Gremium fehlt, findet Achleitner unbedenklich.

Thain wird also ein mächtiger und wichtiger Akteur in der Deutschen Bank. Achleitner kennt ihn aus der gemeinsamen Zeit bei Goldman Sachs. Thain war zuvor unter anderem CEO der US-Investmentbank Merrill Lynch (die in der Finanzkrise von der Bank of America aufgefangen wurde) und des Börsenbetreibers NYSE Euronext.

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Global Player der Gründerzeit: Die Geschichte der Deutschen Bank

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10.38 Uhr: Wichtig für die Großaktionäre aus Katar: Ihr Vertrauter, der deutsche Jurist Stefan Simon, rückt in den wichtigen Präsidialausschuss des Aufsichtsrats ein, das Entscheidungszentrum des Kontrollgremiums.

10.30 Uhr: Wegen Indiskretionen aus dem Aufsichtsrat wurde Strafanzeige gegen unbekannt gestellt, erklärt Achleitner.

Paul Achleitner: "John Cryan war der richtige Mann für diese Phase der Bank"

Blick auf die Bühne der Hauptversammlung

Blick auf die Bühne der Hauptversammlung

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10.25 Uhr: Das muss noch einmal betont werden: "Christian Sewing war unsere erste Wahl." Da hatte es durchaus andere Meldungen gegeben - einer der Kandidaten, die der Deutschen Bank laut Medienberichten absagten, macht ihr jetzt als Vertreter des Großaktionärs Cerberus Druck: Ex-JP-Morgan-Starbanker Matt Zames. Der CEO sei auch nicht als symbolischer Vertreter einer Sparte berufen worden, betont Paul Achleitner, als Investmentbanker oder Privatkundenbanker, "sondern als Deutschbanker".

Pflichtschuldig bedankt sich der Österreicher noch bei den scheidenden Vorstandsmitgliedern: Die bisherige IT-Chefin Kim Hammonds habe mit dafür gesorgt, dass die wichtigsten Systeme im vergangenen Jahr "zu 99,994 Prozent" verfügbar gewesen seien, so verlässlich wie noch nie.

Allerdings ging Hammonds nicht aus freien Stücken - anders als der bisherige Co-Chef Marcus Schenck, der sich als Verfechter des Investmentbankings Hoffnung auf den Topjob gemacht hatte und heute an seinem letzten Arbeitstag für die Deutsche Bank noch mit auf der Bühne sitzt. "Wir bedauern und respektieren", dass er geht, sagt Achleitner. Schenck, sein einstiger Wegbegleiter von Goldman Sachs, habe eine "beeindruckende Karriere" hingelegt. Und die kann ja noch weitergehen.

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Abgänge der Ära Achleitner: Was aus den Deutsche-Bank-Bossen wurde

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10.15 Uhr: Achleitner bedauert die eilige Entlassung von Vorstandschef John Cryan im April. Rund um die Osterfeiertage seien viele Spekulationen in den Medien aufgetaucht. "Wir mussten handeln - auch wenn es ursprünglich nicht unsere Absicht war, so schnell den Wechsel herbeizuführen", bekennt der Aufsichtsratsvorsitzende.

Gleichwohl habe das Gremium ein "Umsetzungsdefizit" erkannt und deshalb John Cryan ohnehin ablösen wollen. "Er war der richtige Mann für diese Phase der Bank." Cryan habe seine "Mission hervorragend erfüllt", die "Probleme beim Namen genannt". Nur sei die richtige Strategie nicht konsequent genug verfolgt worden. Der Brite habe "die Gleise gelegt - jetzt muss der Zug nur noch Geschwindigkeit aufnehmen".

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Deutsche Bank will in neue Ära starten: Die wichtigsten Akteure der Deutschen Bank

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Lob gibt es für Nicolas Moreau, der die Vermögensverwaltung DWS an die Börse geführt hat, Rechtsvorstand Karl von Rohr für die Lösung der wichtigsten juristischen Fälle und für Frank Strauß, der die Postbank mit der "blauen" Privat- und Geschäftskundenbank verschmilzt.

10.10 Uhr: Sichtbares Zeichen für die Re-Verdeutschung der Deutschen Bank: Alle Schilder und Hinweistafeln sind allein in deutscher Sprache verfasst. Fast schon klinisch rein. In den vergangenen Jahren war es mindestens bilingual. Vor wenigen Tagen hatte sich Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau noch öffentlich gefreut, dass "nach 16 Jahren wieder ein Deutscher Chef der Deutschen Bank ist". Christian Sewing frankfurtisiert den Global Player. Die größten Aktionäre jedoch stammen aus China, Katar und den USA.

10.05 Uhr: Paul Achleitner begrüßt die Aktionäre, mit ernster Miene - die der Bayern-Fan auch nicht ablegt, als er zur Auflockerung die Eintracht-Frankfurt-Fans zum DFB-Pokalsieg gratuliert. "Ob Sie es glauben oder nicht, ich freue mich auf die Aussprache mit Ihnen."

Wenn wir nach der Haltung der Mundwinkel gehen sollen - nein, wir glauben eher nicht, dass der zuletzt häufig angegriffene Chefkontrolleur sich freut. Allerdings verspricht er sich vom Tag, "einiges geradezurücken". Wiewohl: "Was wir nicht geraderücken können, ist der Aktienkurs ." Zumindest an diesem Morgen geht es nach diesem Gradmesser leicht aufwärts - na ja, jetzt schon nicht mehr.

9.50 Uhr: Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser! Für viele Aktienhändler der Deutschen Bank ist es kein so guter Morgen - jeder vierte von ihnen verliert seinen Job. So konkretisiert der neue CEO Christian Sewing seinen Abbauplan für die Investmentbank. Und Aufsichtsratschef Paul Achleitner kann den Unmut der Aktionäre zügeln, indem er konkrete Schritte zu einer neuen - hoffentlich tragfähigen - Strategie vorweist. Heute treffen Führung und Eigentümer auf der Hauptversammlung zusammen. Gleich geht es los in der Festhalle der Messe Frankfurt.

Draußen stehen wie jedes Jahr Protestgruppen, die der Deutschen Bank ihre globalen Geschäfte unter anderem mit Kohle und Kernwaffen vorwerfen. Diesmal sind allerdings weniger Demonstranten vor der Halle als sonst - hat die Deutsche Bank als Feindbild ausgedient (gestern verkündete sie zumindest den Ausstieg aus Atomwaffendeals und bekam Lob von der internationalen Kampagne ICAN)? Oder überwiegt das Mitleid mit dem Schicksal der Banker?

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