Montag, 18. November 2019

Deutsche-Bank-Aktie stürzt ab Sewing wirbt für Neustart - Aktionäre glauben nicht mehr dran

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: ""Der Stellenabbau ist unvermeidlich, wenn unsere Bank nachhaltig profitabel werden soll"
Getty Images
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: ""Der Stellenabbau ist unvermeidlich, wenn unsere Bank nachhaltig profitabel werden soll"

5. Teil: Paul Achleitner: "John Cryan war der richtige Mann für diese Phase der Bank"

Blick auf die Bühne der Hauptversammlung

10.25 Uhr: Das muss noch einmal betont werden: "Christian Sewing war unsere erste Wahl." Da hatte es durchaus andere Meldungen gegeben - einer der Kandidaten, die der Deutschen Bank laut Medienberichten absagten, macht ihr jetzt als Vertreter des Großaktionärs Cerberus Druck: Ex-JP-Morgan-Starbanker Matt Zames. Der CEO sei auch nicht als symbolischer Vertreter einer Sparte berufen worden, betont Paul Achleitner, als Investmentbanker oder Privatkundenbanker, "sondern als Deutschbanker".

Pflichtschuldig bedankt sich der Österreicher noch bei den scheidenden Vorstandsmitgliedern: Die bisherige IT-Chefin Kim Hammonds habe mit dafür gesorgt, dass die wichtigsten Systeme im vergangenen Jahr "zu 99,994 Prozent" verfügbar gewesen seien, so verlässlich wie noch nie.

Allerdings ging Hammonds nicht aus freien Stücken - anders als der bisherige Co-Chef Marcus Schenck, der sich als Verfechter des Investmentbankings Hoffnung auf den Topjob gemacht hatte und heute an seinem letzten Arbeitstag für die Deutsche Bank noch mit auf der Bühne sitzt. "Wir bedauern und respektieren", dass er geht, sagt Achleitner. Schenck, sein einstiger Wegbegleiter von Goldman Sachs, habe eine "beeindruckende Karriere" hingelegt. Und die kann ja noch weitergehen.

10.15 Uhr: Achleitner bedauert die eilige Entlassung von Vorstandschef John Cryan im April. Rund um die Osterfeiertage seien viele Spekulationen in den Medien aufgetaucht. "Wir mussten handeln - auch wenn es ursprünglich nicht unsere Absicht war, so schnell den Wechsel herbeizuführen", bekennt der Aufsichtsratsvorsitzende.

Gleichwohl habe das Gremium ein "Umsetzungsdefizit" erkannt und deshalb John Cryan ohnehin ablösen wollen. "Er war der richtige Mann für diese Phase der Bank." Cryan habe seine "Mission hervorragend erfüllt", die "Probleme beim Namen genannt". Nur sei die richtige Strategie nicht konsequent genug verfolgt worden. Der Brite habe "die Gleise gelegt - jetzt muss der Zug nur noch Geschwindigkeit aufnehmen".

Lob gibt es für Nicolas Moreau, der die Vermögensverwaltung DWS an die Börse geführt hat, Rechtsvorstand Karl von Rohr für die Lösung der wichtigsten juristischen Fälle und für Frank Strauß, der die Postbank mit der "blauen" Privat- und Geschäftskundenbank verschmilzt.

10.10 Uhr: Sichtbares Zeichen für die Re-Verdeutschung der Deutschen Bank: Alle Schilder und Hinweistafeln sind allein in deutscher Sprache verfasst. Fast schon klinisch rein. In den vergangenen Jahren war es mindestens bilingual. Vor wenigen Tagen hatte sich Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau noch öffentlich gefreut, dass "nach 16 Jahren wieder ein Deutscher Chef der Deutschen Bank ist". Christian Sewing frankfurtisiert den Global Player. Die größten Aktionäre jedoch stammen aus China, Katar und den USA.

10.05 Uhr: Paul Achleitner begrüßt die Aktionäre, mit ernster Miene - die der Bayern-Fan auch nicht ablegt, als er zur Auflockerung die Eintracht-Frankfurt-Fans zum DFB-Pokalsieg gratuliert. "Ob Sie es glauben oder nicht, ich freue mich auf die Aussprache mit Ihnen."

Wenn wir nach der Haltung der Mundwinkel gehen sollen - nein, wir glauben eher nicht, dass der zuletzt häufig angegriffene Chefkontrolleur sich freut. Allerdings verspricht er sich vom Tag, "einiges geradezurücken". Wiewohl: "Was wir nicht geraderücken können, ist der Aktienkurs Börsen-Chart zeigen." Zumindest an diesem Morgen geht es nach diesem Gradmesser leicht aufwärts - na ja, jetzt schon nicht mehr.

9.50 Uhr: Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser! Für viele Aktienhändler der Deutschen Bank ist es kein so guter Morgen - jeder vierte von ihnen verliert seinen Job. So konkretisiert der neue CEO Christian Sewing seinen Abbauplan für die Investmentbank. Und Aufsichtsratschef Paul Achleitner kann den Unmut der Aktionäre zügeln, indem er konkrete Schritte zu einer neuen - hoffentlich tragfähigen - Strategie vorweist. Heute treffen Führung und Eigentümer auf der Hauptversammlung zusammen. Gleich geht es los in der Festhalle der Messe Frankfurt.

Draußen stehen wie jedes Jahr Protestgruppen, die der Deutschen Bank ihre globalen Geschäfte unter anderem mit Kohle und Kernwaffen vorwerfen. Diesmal sind allerdings weniger Demonstranten vor der Halle als sonst - hat die Deutsche Bank als Feindbild ausgedient (gestern verkündete sie zumindest den Ausstieg aus Atomwaffendeals und bekam Lob von der internationalen Kampagne ICAN)? Oder überwiegt das Mitleid mit dem Schicksal der Banker?

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung