Samstag, 21. September 2019

Deutsche-Bank-Aktie stürzt ab Sewing wirbt für Neustart - Aktionäre glauben nicht mehr dran

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: ""Der Stellenabbau ist unvermeidlich, wenn unsere Bank nachhaltig profitabel werden soll"
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Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: ""Der Stellenabbau ist unvermeidlich, wenn unsere Bank nachhaltig profitabel werden soll"

4. Teil: Wall-Street-Veteran John Thain soll neuen Strategieausschuss führen

Christian Sewing
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Christian Sewing

11.30 Uhr: Sewing singt ein Loblied auf den Jobabbau. Er schildert, wie er in der Privat- und Firmenkundenbank rund einhundert Prozesse automatisiert hat, 300 Stellen seien weggefallen. "Die Folge: geringere Ausgaben und zuverlässigere Abläufe". Die Entscheidung, die Belegschaft im kommenden Jahr auf "deutlich unter 90.000" zu reduzieren, treffe man "nicht leichtfertig". Dies sei die Führung aber den Aktionären schuldig.

Folgt man Sewing, ist die Investmentbank die letzte Baustelle, um das "solide Fundament" der Bank freizulegen. "Zwei von drei Geschäftsbereichen" (nämlich die Privat- und Geschäftskundenbank sowie die Vermögensverwaltung) seien schon lange strategisch gut aufgestellt und "wissen, wo sie hinwollen". Für das Kapitalmarktgeschäft, das bislang sein befreundeter Rivale Marcus Schenck leitete, hole er das nun nach.

11.20 Uhr. Der Aktienhandel steht heute im Fokus der Kürzungen, aber auch das amerikanische Zinsgeschäft will Christian Sewing "deutlich verkleinern". "Diesen Bereich sehen wir nicht als unsere Kernkompetenz an." Auch von einzelnen Branchen wie der Öl- und Gasindustrie verabschiedet sich die Deutsche Bank: Das Büro in Houston werde gerade komplett geschlossen, erklärt der Vorstandschef.

11.05 Uhr: Sewing erklärt indirekt, warum er CEO geworden ist: Der Zusammenschluss von Postbank mit dem Privatkundengeschäft der Deutschen Bank, der in den kommenden Tagen rechtlich vollzogen werden soll. Im Vorstand dafür verantwortlich sind Christian Sewing selbst und Postbank-Chef Frank Strauß. "Die Deutsche Bank wird oft dafür kritisiert, dass sie einmal gesetzte Ziele nicht erreicht. Hier ist es anders." Er hätte auch sagen können: Ich habe gerade bewiesen: Es geht auch anders.

Strauß ist übrigens der einzige von 24 Männern auf dem Podium ohne Krawatte. Er kann sich als Modernisierer präsentieren, während Sewing von den Innovationen der bankeigenen "Digitalfabrik" schwärmt.

11 Uhr: Als Sewing die konkreten Schritte zum Kostensenken aufzählt - "Wir werden den 'Maschinenraum' unserer Bank konsequent über alle Bereiche hinweg automatisieren" - , sorgt er doch noch einmal für Aufsehen: Die Bank werde abermals Restrukturierungskosten von bis zu 800 Millionen Euro verbuchen. Der heute verkündete Jobabbau im Aktienhandel ist laut dem CEO bereits im Gang. Spätestens 2022 verspricht Sewing eine Kostenquote von unter 65 Prozent der Erträge.

10.45 Uhr: Christian Sewing beginnt seinen ersten Auftritt als Vorstandsvorsitzender auf einer Hauptversammlung der Deutschen Bank. Sewing bemüht sich sehr, die richtigen Stellen seiner Rede zu betonen. "Ihnen", "Ihren" - da hat wohl sein Redenschreiber kräftig den Textmarker eingesetzt. "Ihnen gehört unsere Bank" "unsere Bank in Ihrem Sinne führen". Und: "Wir müssen nachhaltig profitabel sein." Inhaltlich sagt Sewing ziemlich viel Erwartbares. Seine Liste der Ansprüche an sich selbst: "relevant, exzellent, innovativ, stabil und vertrauenswürdig".

Die Begeisterung der Besucher hält sich in Grenzen - nur hier und da ertönt sparsamer Applaus. Von Tumult der Kritiker kann jedoch auch keine Rede sein.

10.40 Uhr: Der Aufsichtsrat mischt sich stärker in die Arbeit des Vorstands ein: Achleitner kündigt die Gründung eines Strategieausschusses an, der den Vorstand beim Umbau vor allem des Kerngeschäfts eng kontrollieren soll. Vorsitzender wird der ehemalige Top-Banker John Thain. Dass es jetzt an Vertretern der traditionell mit der Bank verflochtenen deutschen Industrie in dem Gremium fehlt, findet Achleitner unbedenklich.

Thain wird also ein mächtiger und wichtiger Akteur in der Deutschen Bank. Achleitner kennt ihn aus der gemeinsamen Zeit bei Goldman Sachs. Thain war zuvor unter anderem CEO der US-Investmentbank Merrill Lynch (die in der Finanzkrise von der Bank of America aufgefangen wurde) und des Börsenbetreibers NYSE Euronext.

10.38 Uhr: Wichtig für die Großaktionäre aus Katar: Ihr Vertrauter, der deutsche Jurist Stefan Simon, rückt in den wichtigen Präsidialausschuss des Aufsichtsrats ein, das Entscheidungszentrum des Kontrollgremiums.

10.30 Uhr: Wegen Indiskretionen aus dem Aufsichtsrat wurde Strafanzeige gegen unbekannt gestellt, erklärt Achleitner.

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