Sonntag, 17. November 2019

Deutsche-Bank-Aktie stürzt ab Sewing wirbt für Neustart - Aktionäre glauben nicht mehr dran

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: ""Der Stellenabbau ist unvermeidlich, wenn unsere Bank nachhaltig profitabel werden soll"
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Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: ""Der Stellenabbau ist unvermeidlich, wenn unsere Bank nachhaltig profitabel werden soll"

3. Teil: Begeisterung über Versprecher: Elf Euro Dividende!

12.45 Uhr: Bisher ist es eine eher ernste Veranstaltung. Für Heiterkeit sorgt nun Achleitner, indem er eine Dividende von elf Euro je Aktie ankündigt. Applaus! Der Vorschlag laute auf elf Cent, korrigiert er sich. Die Ausschüttung an die Aktionäre wird aus dem Geschäftsergebnis für 2017 bezahlt. Und das war, wie in den beiden Vorjahren, negativ.

12.40 Uhr: Auf der Hauptversammlung sind etwas weniger Aktionärsstimmen vertreten als im vergangenen Jahr. Die Präsenz liegt - einschließlich der Briefwahlstimmen - bei 42,6 Prozent, wie Aufsichtsratschef Paul Achleitner bekannt gibt. 2017 waren es zu diesem Zeitpunkt 42,8 Prozent. Immerhin scheinen mehr Personen gekommen zu sein, wenn auch mit weniger Stimmrechten. Laut Bank sind 4150 Anteilseigner gekommen, 450 mehr als im vergangenen Jahr.

12.25 Uhr: Die Aktionäre der Deutschen Bank kann der angekündigte Umbau samt verschärftem Sparkurs bislang noch nicht überzeugen. Die Aktie von Deutschlands größtem Geldhaus setzte am Donnerstag ihren Kursrutsch fort und fiel auf 10,55 Euro. Das ist der tiefste Stand seit 18 Monaten. Im September 2016, als Investoren den Kollaps des Instituts befürchteten, war die Deutsche Bank Aktie Börsen-Chart zeigen zeitweise unter die Marke von 10 Euro gestürzt.

12.10 Uhr: Die Fondsgesellschaft Union Investment stellen die Ausführungen zur Strategie nicht zufrieden. "Wir hätten uns schon auf der Hauptversammlung konkretere Ankündigungen gewünscht", sagt Portfolio-Manager Ingo Speich. "Investoren brauchen klare Meilensteine, wie sich die Ankündigungen auf die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung auswirken." Die am Morgen angekündigten Maßnahmen - 7000 Jobs sollen bei der Deutschen Bank gestrichen werden - seien nur ein erster Schritt.

11.45 Uhr: Jetzt stellen mehrere Aktionäre den Antrag, darüber abzustimmen, ob Paul Achleitner als Versammlungsleiter abgesetzt werden soll. Das kommt jetzt vor der üblichen Aussprache. Klaus Nieding vom Aktionärsverein DSW stellt den Antrag unter anderem. Begründung: Es müsse heute auf der Hauptversammlung auch um Paul Achleitner gehen. Wenn es keine Mehrheit für Achleitner als Versammlungsleiter gibt, wird Nieding Alternativvorschläge unterbreiten.

Nieding selbst erklärt jedoch, weder Achleitner noch Sewing seien schuld an der Misere der Bank. Das Votum diene nur der Rechtssicherheit, falls der Aufsichtsrat nicht entlastet werde, wie von manchen großen Aktionärsberatern angekündigt.

11.35 Uhr: Christian Sewing stellt fest, dass der Stolz für das Geldhaus zu arbeiten, in den vergangenen Jahren zumindest teilweise verloren gegangen ist. "Deshalb trete ich das Amt des Vorstandsvorsitzenden mit dem Ziel an, genau diesen Stolz wieder zu erwecken". Die Aktionäre im Saal reagieren mit Applaus. "Verstehen Sie mich nicht falsch: nicht Arroganz, sondern Stolz." Hier können Sie Christian Sewings Rede nachlesen.

Die Erzählung von Sewings Führungsstil geht bislang so: konsequent, ehrlich, aber auch ein Teamspieler. Deswegen achtet die Regie der Hauptversammlung peinlich darauf, nacheinander wirklich alle Vorstandsmitglieder wirklich mindestens einmal auf der großen Leinwand einzublenden. Gerade war Sylvie Matherat als Letzte dran, im Vorstand zuständig für die Beziehung zu den Regulierern. Passte zwar eigentlich nicht in Sewings Rede, aber Matherat kann nachtragend sein.

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