Montag, 18. November 2019

Deutsche-Bank-Aktie stürzt ab Sewing wirbt für Neustart - Aktionäre glauben nicht mehr dran

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: ""Der Stellenabbau ist unvermeidlich, wenn unsere Bank nachhaltig profitabel werden soll"
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Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: ""Der Stellenabbau ist unvermeidlich, wenn unsere Bank nachhaltig profitabel werden soll"

2. Teil: Nur 0,6 Prozent stimmen gegen Paul Achleitner

13.30 Uhr: Als einer der ersten Redner tritt Ingo Speich auf, Fondsmanager der Fondsgesellschaft Union Investment, die auch Aktien an der Deutschen Bank hält und der als einer der fähigsten Investoren in Deutschland gilt: Speich spricht dem neuen Vorstandschef Christian Sewing die volle Unterstützung für dessen Sparkurs aus. Sehr nachvollziehbar: Erstens ist der Sparkurs nötig, zweitens ist Sewing erst seit wenigen Wochen im Amt, da gehört sich ein freundlicher Willkommensgruß.

Der Aufsichtsrat kann sich in Deutschland immer noch einer sehr nachsichtigen Behandlung sicher sein. Speich bricht in seiner Rede sogar mit der inneren Logik, damit ihm das gelingt, normalerweise ist er kritischer. Erst bemängelt er zwar die "verlorenen Jahre" der Bank und weist auch kurz auf die "zersplitterte IT-Landschaft" hin, was allerdings auch schon beschönigend ist.

Dann dankt der jedoch den ausscheidenden Aufsichtsräten Johannes Teyssen (Eon-CEO) und Henning Kagermann (Ex-SAP-CEO) mit den Worten, deren "langjährige Expertise" sei "kaum zu ersetzen". Logisch hätte er diese Passage auch beenden können mit: "Und das ist auch gut so."

An Aufsichtsrat Paul Achleitner gibt es praktisch keine Kritik, wohl aber den freundlichen Wunsch, doch künftig wieder mehr "Deutschlandexpertise" in den Aufsichtsrat zu holen. Begründung: Die "strategische Rückbesinnung auf die deutschen Wurzeln" der Bank. Deutsche Mitarbeiter mit großer Deutschland-Expertise hat die Deutsche Bank in den Filialen aber eigentlich wirklich genug. Was Speich vermutlich meint: Der Bank fehlt derzeit der dicke Draht zu ihrer wichtigsten Kundengruppe - der deutschen Industrie. Erstmals in ihrer Geschichte hat die Bank keinen Vertreter der deutschen Industrie mehr in ihrem Aufsichtsrat.

Das haben die Hauptversammlungs-Choreographen gut hinbekommen. Speich setzt hier einen sehr freundlichen Anfangston, vor allem für den Versammlungsleiter, Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

13.05 Uhr: Attacke abgeschmettert: Nur 0,6 Prozent haben gegen ihn als Versammlungsleiter gestimmt, teilt Paul Achleitner mit. Im Vorjahr hatte er in einer ähnlichen Abstimmung 0,25 Prozent Gegenstimmen bekommen - in der Wahl zum Aufsichtsrat dann aber immerhin 6,5 Prozent. Die Großaktionäre halten trotz lauten Murrens zu ihm.

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