Freitag, 23. August 2019

Protokoll der Hauptversammlung der Deutschen Bank Aktionäre stützen Chefaufseher Achleitner - Sewing kündigt harte Einschnitte an

Tag der Abrechnung für die Deutsche Bank: Auf der Hauptversammlung in Frankfurt am Main machen die Investoren ihrem Ärger Luft. Die Großaktionäre stützen allerdings das Management und den Aufsichtsratsvorsitzenden.

Aufsichtsratschef Paul Achleitner

20 Uhr: Hiermit beenden wir unsere Live-Berichterstattung von der Hauptversammlung der Deutschen Bank in diesem Jahr. Wenn Sie sich einen schnellen, unterhaltsamen Überblick über die anderen wichtigen Wirtschaftsereignisse des Tages verschaffen wollen, empfehlen wir Ihnen unseren Premium-Newsletter. Herzlichen Dank, dass Sie bei uns mitgelesen haben - und einen schönen Abend.

19.50 Uhr: Die beiden Vorstände Sylvie Matherat, zuständig für Regulierung und die Einhaltung von Regeln (Compliance), und Garth Ritchie (Investmentbanking) müssen sich dagegen wohl neu orientieren. Die Aktionäre entlasteten sie nur knapp mit jeweils rund 61 Prozent. Für Achleitner ist das im Grunde eine Aufforderung zur Auswechselung: Als 2015 seine beiden Co-Vorstandschef Anshu Jain und Jürgen Fitschen mit derselben schlechten Quote nur knapp entlastet wurden, war jedenfalls kurze Zeit danach Schluss für sie. Dass Achleitner schon vor der Hauptversammlung eine Neubesetzung der beiden Vorstandsposten eingeleitet hat, hatte manager magazin am Mittwoch exklusiv berichtet.

19.20 Uhr: Und hier sind die Abstimmungsergebnisse. Aufsichtsratschef Paul Achleitner kann durchatmen: Er wird mit 71,6 Prozent der Stimmen entlastet. Im Vorjahr waren es noch 84,4 Prozent. Angesichts der gefährlichen Lage der Bank und der Kritik an seiner Amtsführung ist das aber für ihn ein exzellentes Ergebnis. Die Großaktionäre haben ihn allerdings nicht aufgrund seiner Verdienste gestützt, sondern vor allem mangels besserer Alternativen. Auch Vorstandschef Christian Sewing wird entlastet. Er bekommt 75,2 Prozent der Stimmen. Der Führung der Bank gibt das jetzt Ruhe und ein klares Mandat: Sie bekommen noch einmal die Chance, Deutschlands größtes Geldhaus vor dem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit zu retten. Zwar hätte eine Nicht-Entlastung keine direkten rechtlichen Folgen gehabt, wohl aber die Autorität der beiden wichtigsten Führungskräfte derart untergraben, dass ihr Abschied unausweichlich geworden wäre.

15.20 Uhr: Wir schließen uns dem Ausblick Achleitners an: Die Aussprache der Aktionäre wird sich noch einige Stunden hinziehen. Erst am späten Abend sind Wahlergebnisse zu erwarten - und nicht allzu viel Spannung: So, wie sich die großen Aktionäre positioniert haben, zeichnet sich angesichts der geringen Präsenz keine Mehrheit gegen die Entlastung der Bankführung ab. Kritik gab es vor allem für Aufsichtsratschef Paul Achleitner aber erneut reichlich. Auch Vorstandschef Christian Sewing steht unter Druck, nicht zuletzt wegen der auf historischen Tiefstand gefallenen Deutsche-Bank-Aktie. Seine Aussagen zur zukünftigen Ausrichtung der Bank blieben vage. Dennoch hatte Sewing einen seiner stärkeren Auftritte. Wir lassen unseren Live-Ticker erst einmal pausieren und melden uns wieder mit den Ergebnissen der Hauptversammlung.

14.30 Uhr: Auch mehrere Stunden nach Beginn der Hauptversammlung ist ein Ende nicht in Sicht. Aufsichtsratschef Paul Achleitner stellt die Besucher des Aktionärstreffens auf eine lange Versammlung ein, es hätten sich noch 34 Redner angekündigt, sagt der Österreicher. Damit sich die Hauptversammlung nicht zu lange hinzieht, verkürzt er die Redezeit auf fünf Minuten.

14 Uhr: Aufsichtsratschef Paul Achleitner (62) reagiert auf die massive Kritik an ihm und seiner Arbeit in den vergangenen sieben Jahren und auf die vielen Forderungen der Aktionäre, er möge doch bitte zurücktreten: "Hab ich in den vergangenen Jahren Fehler gemacht? Ja. Bin ich die Wurzel allen Übels? Nein. Ich will kein Denkmal, aber an der Deutschen Bank liegt mir einiges."

13.30 Uhr: In seinen Antworten auf die Fragen der Aktionäre betont Bankchef Christian Sewing mit Blick auf die Zukunft der Fondstochter DWS vor allem eines: "Die DWS wird weiter zum Kerngeschäft der Bank gehören." Das bedeutet, Sewing will die Mehrheit der Aktien behalten. Damit erteilt er indirekt Spekulationen eine Absage, die DWS Börsen-Chart zeigen könnte an Amundi gehen, denn Europas größte Fondsgesellschaft dürfte sich nicht mit einer Minderheitsposition zufriedengeben.

13.15 Uhr: Klimaschutz-Aktivistin Luisa Neubauer: "Es ist die Deutsche Bank wie keine andere Bank, die uns die Zukunft klaut." Sie kritisiert die Bank wegen ihrer Finanzierung fossiler Energieträger. Solange das so weitergehe, könne sich die Bank ihr "ganzes Gerede über ihre Zukunftsfähigkeit sparen". In diesem Sinn hat Sewing immerhin während seiner Rede schon versprochen, in Zukunft etwas weniger Zukunft zu klauen. Konkret arbeite die Bank an einem Plan, "weniger Projekte mit fossilen Energieträgern zu finanzieren". Neubauer hatte wohl eher an einen sofortigen Komplettausstieg gedacht.

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