Protokoll der Hauptversammlung der Deutschen Bank Aktionäre stützen Chefaufseher Achleitner - Sewing kündigt harte Einschnitte an

Tag der Abrechnung für die Deutsche Bank: Auf der Hauptversammlung in Frankfurt am Main machen die Investoren ihrem Ärger Luft. Die Großaktionäre stützen allerdings das Management und den Aufsichtsratsvorsitzenden.
Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Foto: DPA

20 Uhr: Hiermit beenden wir unsere Live-Berichterstattung von der Hauptversammlung der Deutschen Bank in diesem Jahr. Wenn Sie sich einen schnellen, unterhaltsamen Überblick über die anderen wichtigen Wirtschaftsereignisse des Tages verschaffen wollen, empfehlen wir Ihnen unseren Premium-Newsletter. Herzlichen Dank, dass Sie bei uns mitgelesen haben - und einen schönen Abend.

19.50 Uhr: Die beiden Vorstände Sylvie Matherat, zuständig für Regulierung und die Einhaltung von Regeln (Compliance), und Garth Ritchie (Investmentbanking) müssen sich dagegen wohl neu orientieren. Die Aktionäre entlasteten sie nur knapp mit jeweils rund 61 Prozent. Für Achleitner ist das im Grunde eine Aufforderung zur Auswechselung: Als 2015 seine beiden Co-Vorstandschef Anshu Jain und Jürgen Fitschen mit derselben schlechten Quote nur knapp entlastet wurden, war jedenfalls kurze Zeit danach Schluss für sie. Dass Achleitner schon vor der Hauptversammlung eine Neubesetzung der beiden Vorstandsposten eingeleitet hat, hatte manager magazin am Mittwoch exklusiv berichtet.

19.20 Uhr: Und hier sind die Abstimmungsergebnisse. Aufsichtsratschef Paul Achleitner kann durchatmen: Er wird mit 71,6 Prozent der Stimmen entlastet. Im Vorjahr waren es noch 84,4 Prozent. Angesichts der gefährlichen Lage der Bank und der Kritik an seiner Amtsführung ist das aber für ihn ein exzellentes Ergebnis. Die Großaktionäre haben ihn allerdings nicht aufgrund seiner Verdienste gestützt, sondern vor allem mangels besserer Alternativen. Auch Vorstandschef Christian Sewing wird entlastet. Er bekommt 75,2 Prozent der Stimmen. Der Führung der Bank gibt das jetzt Ruhe und ein klares Mandat: Sie bekommen noch einmal die Chance, Deutschlands größtes Geldhaus vor dem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit zu retten. Zwar hätte eine Nicht-Entlastung keine direkten rechtlichen Folgen gehabt, wohl aber die Autorität der beiden wichtigsten Führungskräfte derart untergraben, dass ihr Abschied unausweichlich geworden wäre.

15.20 Uhr: Wir schließen uns dem Ausblick Achleitners an: Die Aussprache der Aktionäre wird sich noch einige Stunden hinziehen. Erst am späten Abend sind Wahlergebnisse zu erwarten - und nicht allzu viel Spannung: So, wie sich die großen Aktionäre positioniert haben, zeichnet sich angesichts der geringen Präsenz keine Mehrheit gegen die Entlastung der Bankführung ab. Kritik gab es vor allem für Aufsichtsratschef Paul Achleitner aber erneut reichlich. Auch Vorstandschef Christian Sewing steht unter Druck, nicht zuletzt wegen der auf historischen Tiefstand gefallenen Deutsche-Bank-Aktie. Seine Aussagen zur zukünftigen Ausrichtung der Bank blieben vage. Dennoch hatte Sewing einen seiner stärkeren Auftritte. Wir lassen unseren Live-Ticker erst einmal pausieren und melden uns wieder mit den Ergebnissen der Hauptversammlung.

14.30 Uhr: Auch mehrere Stunden nach Beginn der Hauptversammlung ist ein Ende nicht in Sicht. Aufsichtsratschef Paul Achleitner stellt die Besucher des Aktionärstreffens auf eine lange Versammlung ein, es hätten sich noch 34 Redner angekündigt, sagt der Österreicher. Damit sich die Hauptversammlung nicht zu lange hinzieht, verkürzt er die Redezeit auf fünf Minuten.

14 Uhr: Aufsichtsratschef Paul Achleitner (62) reagiert auf die massive Kritik an ihm und seiner Arbeit in den vergangenen sieben Jahren und auf die vielen Forderungen der Aktionäre, er möge doch bitte zurücktreten: "Hab ich in den vergangenen Jahren Fehler gemacht? Ja. Bin ich die Wurzel allen Übels? Nein. Ich will kein Denkmal, aber an der Deutschen Bank liegt mir einiges."

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Abgänge der Ära Achleitner: Was aus den Deutsche-Bank-Bossen wurde

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

13.30 Uhr: In seinen Antworten auf die Fragen der Aktionäre betont Bankchef Christian Sewing mit Blick auf die Zukunft der Fondstochter DWS vor allem eines: "Die DWS wird weiter zum Kerngeschäft der Bank gehören." Das bedeutet, Sewing will die Mehrheit der Aktien behalten. Damit erteilt er indirekt Spekulationen eine Absage, die DWS  könnte an Amundi gehen, denn Europas größte Fondsgesellschaft dürfte sich nicht mit einer Minderheitsposition zufriedengeben.

13.15 Uhr: Klimaschutz-Aktivistin Luisa Neubauer: "Es ist die Deutsche Bank wie keine andere Bank, die uns die Zukunft klaut." Sie kritisiert die Bank wegen ihrer Finanzierung fossiler Energieträger. Solange das so weitergehe, könne sich die Bank ihr "ganzes Gerede über ihre Zukunftsfähigkeit sparen". In diesem Sinn hat Sewing immerhin während seiner Rede schon versprochen, in Zukunft etwas weniger Zukunft zu klauen. Konkret arbeite die Bank an einem Plan, "weniger Projekte mit fossilen Energieträgern zu finanzieren". Neubauer hatte wohl eher an einen sofortigen Komplettausstieg gedacht.

Deka-Fondsmanager spricht von "Horrorfilm mit Überlänge"

Bankchef Christian Sewing und Paul Achleitner

Bankchef Christian Sewing und Paul Achleitner

Foto: Arne Dedert/DPA

13 Uhr: Auch von außen kommen Stimmen zur Hauptversammlung der Deutschen Bank. Verwaltungsratschef Jean Lemierre von der BNP Paribas, deren Aktionäre zeitgleich in Paris tragen, äußert sein Desinteresse an einer Übernahme der Deutschen Bank. An der Börse ist die französische Großbank mehr als viermal so viel Wert wie die deutsche.

Linken-Bundestagsabgeordneter Fabio De Masi fordert "nicht nur einen Führungswechsel, sondern ein anderes Geschäftmodell". Achleiter solle gehen, das Investmentbanking "kontrolliert abgewickelt" werden. "Die Deutsche Bank ist ein Sicherheitsrisiko wie ein Elefant aus dem Frankfurter Zoo, der in der City Amok läuft." Der Zitatewettbewerb ist hiermit geschlossen.

12.20 Uhr: Der kritische Aktionär Karl-Walter Freitag bringt etwas Stimmung in den Saal mit Forderungen wie: "Herr Achleitner, befreien Sie die Bank von Ihrer Person." Oder in einer anderen Variante: "Gehen Sie mit Gott oder wem auch immer, aber gehen Sie endlich." Mit den Gegenanträgen Freitags musste die Deutsche Bank ein Extraheft ("Erweiterung der Tagesordnung und Stellungnahmen der Verwaltung") füllen.

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Jetzt ist Alexandra Annecke von Union Investment dran. Sie erinnert an glorreiche Zeiten: "Genau zwölf Jahre ist es her, da stand die Aktie auf Allzeithoch und die Deutsche Bank sah sich auf Augenhöhe mit den US-Banken JP Morgan und Goldman Sachs. Jetzt machte JP Morgan im ersten Quartal mehr als zwanzigmal so viel Gewinn und ist an der Börse mehr als zwanzigmal so viel wert wie die Deutsche Bank." Die genossenschaftliche Fondsgesellschaft will aber Vorstand und Aufsichtsrat entlasten.

Andreas Thomae vom Sparkassen-Fondsanbieter Deka bringt etwas Galgenhumor in die Debatte: "Den Aktienkurs hatten wir im letzten Jahr mit der Fahrt in einer Geisterbahn verglichen. Nun ist daraus ein Horrorfilm mit Überlänge geworden." Thomae fragt Achleitner, wie er den Aufsichtsratssitz für den chinesischen HNA-Konzern rechtfertigt, der noch 5 Prozent der Anteile (über Derivate) hält und weiter reduziert. Auch kritisiert er die Doppelrolle des US-Hedgefonds Cerberus als Großaktionär und Berater. "Ist das nicht ein Interessenkonflikt?" Deka (0,6 Prozent der Anteile) will den Vorstand entlasten, den Aufsichtsrat aber nicht.

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Finanzinvestor Cerberus: Das ist die größte Macht im deutschen Bankensektor

Foto: Andreas Arnold/ picture alliance / Andreas Arnold/dpa

12 Uhr: Der Abwahlantrag gegen Paul Achleitner als Versammlungsleiter ist gescheitert. Diesmal sind es 0,96 Prozent, nach 0,6 Prozent im Vorjahr.

Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger geißelt vor allem die Funktionszulagen, die zwei Bankvorstände bekommen haben: Investmentbankchef Garth Ritchie und Risikovorstand Stuart Lewis. Man könne ja froh sein, dass nicht alle Vorstände, sondern nur zwei diese Funktionszulagen bekommen hätten, so Kienle. Es sei zudem unmoralisch, ein solches Angebot anzunehmen.

Ritchie hat eine Zulage von monatlich 250.000 Euro bekommen - dafür, dass er sich um die Folgen des Brexit kümmert. Insgesamt kam er auf 8,6 Millionen Euro und war damit der Topverdiener im Deutsche-Bank-Vorstand.

Lewis hat eine Funktionszulage von 1,2 Millionen Euro im vergangenen Jahr bekommen - dafür, dass er das Verhältnis der Bank zu den US-Regulatoren verbessern sollte. Insgesamt kam Lewis auf eine Jahresvergütung von 2,7 Millionen Euro.

Aktionärsvertreter fürchtet "Führungslosigkeit österreichischer Art"

Blick aus dem Saal auf die Bühne der Hauptversammlung während Christian Sewings Rede

Blick aus dem Saal auf die Bühne der Hauptversammlung während Christian Sewings Rede

Foto: REUTERS

11.45 Uhr: Der Redebedarf der Aktionäre ist erneut hoch. Wegen der vielen Wortmeldungen beschränkt Achleitner die Redezeit auf acht Minuten.

Klaus Nieding vom Aktionärsverein DSW warnt Aktionäre davor, der Führungsspitze die Entlastung zu verweigern: Das könnte zu Rücktritten führen. "Wir können uns keine Schwäche erlauben, eine Führungslosigkeit, Pardon Herr Vorsitzender, österreichischer Art schon mal gar nicht", sagt Nieding an den Österreicher Paul Achleitner gerichtet und spielt auf die politische Krise in der Alpenrepublik an. Wer ist der Heinz-Christian Strache der Deutschen Bank? Wodka-Red Bull wird in der Frankfurter Festhalle heute Mittag jedenfalls nicht serviert, soweit wir wissen.

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11.20 Uhr: Aufsichtsratschef Paul Achleitner darf sich jetzt seine eigenen Wiederwahlchancen ausrechnen. Auf der Hauptversammlung seien 33,7 Prozent des Grundkapitals vertreten, gibt Achleitner bekannt. Rechnet man die Briefwahlstimmen ein, sind es 34,8 Prozent.

Zusammen hätten die Großaktionäre Cerberus, HNA, al-Thani und Hudson Capital damit schon eine Mehrheit, um Achleitner zu stützen - sofern sie das wollen und ihr Stimmrecht heute überhaupt ausüben (die Chinesen von HNA angeblich nicht). Jedenfalls ist die Präsenz extrem niedrig, nachdem es in den Vorjahren mit Werten über 40 Prozent aufwärts ging. Das gibt den Großaktionären Gewicht - und manche der mittelgroßen Aktionäre wie Fondsgesellschaften haben angekündigt, der Führung mehr Zeit zu geben.

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Hoffnung aus Los Angeles: Die wichtigsten Aktionäre der Deutschen Bank

Foto: Thomas Lohnes/Getty Images

Das Wort führen jetzt aber erstmal die Kleinaktionäre. Dauerkritiker Michael Bohndorf fordert als erster Redner - wie jedes Jahr - die Abwahl Achleitners als Versammlungsleiter. Er habe in sieben Jahren nicht geschafft, die Deutsche Bank auf Kurs zu bringen. Bohndorf erhält lauten Applaus. Aber das ist schon eine bewährte Übung. Sein Antrag kam immer auf viel Zustimmung im Saal, aber nur wenige Stimmen.

Christian Sewing: "Alles, was wir gemacht haben, war nur der Anfang"

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

Foto: DPA

11 Uhr: Jetzt kommen starke Ansagen. "Zu oft hatten in unserer Bank diejenigen die Oberhand, die bremsen anstatt Neues zu ermöglichen, die Altes verwalten, anstatt Chancen zu nutzen." Sewing beschwört "den Geist des Unternehmertums" - und inszeniert sich so selbst als "inspirierende Führung, offen für Neues" und zugleich traditionsbewusst. "Gründermentalität" ist die neue "Jägermentalität", mit der Sewing zum Antritt noch die Investmentbanker umgarnte. Staatsmännisch schließt Sewing den Bogen über ein Bekenntnis zum Klimaschutz bis zum 70. Jubiläum des Grundgesetzes der Bundesrepublik.

Sewings Emanzipation von Aufsichtsratschef Paul Achleitner geht weiter. Soviel ist klar nach der etwa 45-minütigen Rede. Er hielt sich zwar mit detaillierten Ankündigungen zurück, machte aber deutlich: Der Bank stehen radikale Einschnitte bevor - vor allem im Problembereich Investmentbanking. Achleitner hatte in einem Interview Ende April noch betont: Fundamentale Veränderungen im Investmentbanking seien nicht notwendig.

Es gab schon weniger selbstbewusste Auftritte des Deutsche-Bank-Chefs. Mal sehen, wie viel Eindruck das auf die Aktionäre macht, die sich gleich in der Fragerunde stundenlang aussprechen dürfen. Freilich sind auch dafür die Reden zum Großteil vorbereitet.


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10.50 Uhr: Christian Sewing adelt den Geschäftsbereich Transaktionsbank zum "Herzstück der Deutschen Bank". Um den globalen Zahlungsverkehr, der auch die anderen Geschäftsbereiche stärke, sei es bei der Gründung der Bank 1870 gegangen. Als Teil der Investmentbanksparte habe sie zu wenig Fokus genossen. Trotzdem zähle die Deutsche Bank in diesem Bereich zur Weltspitze, "als Nummer eins bei Euro-Zahlungen weltweit". Unter der Führung von Stefan Hoops werde die Transaktionsbank nun die nötige Freiheit bekommen und weiter gestärkt. Die zwei Säulen der vergangen Jahre, Investment- und Privatkundenbank, disst Sewing hingegen mit den Worten "vielversprechendes Potenzial" - was heißt, dass deren Ziele nicht erreicht wurden.

Große Pläne hat Sewing auch für die im vergangenen Jahr separat an die Börse gebrachte Fondstochter DWS: "Es muss unser Ziel sein, hier einen der zehn größten Vermögensverwalter der Welt zu formen", so Sewing. Inwieweit ein Zusammengehen mit dem UBS-Fondsgeschäft dabei eine Rolle spielt, dazu äußert er sich nicht.

10.45 Uhr: Ein Hauch von Zukunftsvision: Wenn die Deutsche Bank in ihre digitale Technik investiere, könne sie sich darauf ausrichten, "50 oder 100 Millionen Kunden" zu bedienen, sagt Bankchef Christian Sewing. Das müsse auch der Anspruch sein.

10.35 Uhr: Den ersten länger anhaltenden Applaus bekommt Sewing, als er sagt: "Ich möchte den Stolz zurückbringen, für dieses Institut zu arbeiten. Und verwechseln Sie nicht Stolz mit Arroganz. Die ist immer fehl am Platz."

Sewing verteidigt das Festhalten an der Strategie. "Unser Plan ist der bessere", begründet er die Absage an den Commerzbank-Deal. Seitdem "werden wir immer wieder nach unserem Plan B oder Plan C gefragt", räumt Sewing ein. Man werde jedoch Kurs halten, wenn auch "immer wieder nachbessern".

Sechs Seiten seiner Rede hat Sewing dem Erreichten gewidmet, in der zweiten Hälfte geht es jetzt um das, was noch kommen muss. Mit Details dazu hält sich Sewing zurück, soviel deutet er aber an: "Alles, was wir bis hierher gemacht haben, war nur der Anfang."

Die Kosten sollen noch stärker sinken als bisher geplant und durch den Personalabbau voraussichtlich gut erreichbar. Selbst in der Compliance will Sewing sparen, indem er Kontrollabteilungen zusammenlegt, die seiner Meinung nach Doppelarbeit leisten. Damit entzieht er Rechtsvorständin Sylvie Matherat schon mal Kompetenz.

Auch die Investmentbank hat er auf dem Kieker. "Es geht um eine Bank, deren Geschäftsbereiche klare Renditevorgaben erfüllen - ohne Wenn und Aber." Sewing nennt an der Stelle nicht die Investmentbanksparte, doch jedem ist klar, dass es vor allem dort so wie bisher nicht weitergehen kann.

10.30 Uhr: Nun kommen die Ausreden. Sewing verweist auf "das raue Klima", das zu Jahresbeginn an den Kapitalmärkten geherrscht habe. Sehr getroffen habe die Bank auch die Razzia wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in Panama-Papers-Fällen. Die Staatsanwaltschaft müsse zwar in jedem Verdachtsfall konsequent ermitteln, räumt Sewing ein. "Über die Art und Weise, wie das im November geschehen ist, kann man durchaus geteilter Meinung sein." Da schleicht sich ein leicht empörter Unterton ein. Dolchstoßlegende? Tatsächlich weckte die Aktion auch am Kapitalmarkt Zweifel an der staatlichen Rückendeckung für die Deutsche Bank.

10.25 Uhr: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing versucht den Aktionären Mut zu machen: "Als langjähriger Risikomanager dieses Hauses kann ich Ihnen versichern, unsere Bilanz ist von so guter Qualität wie selten zuvor. Und sie ist die Basis für uns, um im Kundengeschäft wieder wachsen zu können."

10.20 Uhr: Christian Sewing übernimmt. Er beginnt mit einer persönlichen Note. Chef der Deutschen Bank zu sein, das sei "das volle Programm: aufreibend, emotional - aber auch erfüllend".

"Niemand ist enttäuschter als ich" über den Aktienkurs , den Sewing "nahe historischen Tiefständen" verortet. Für ihn ein Widerspruch zu den eigentlich erreichten Zielen - vor allem, die Bank nach drei Verlustjahren wieder ins Plus zu führen und "die Grundlage" zu schaffen, damit sie "nachhaltig profitabel wirtschaftet".

"Wir müssen Ihr Vertrauen zurückgewinnen", sagt Sewing den Aktionären. An diesen Spruch haben sie sich schon gewöhnt.

Hauptversammlung beginnt mit historischem Tiefstand der Aktie

Konzernchef Christian Sewing und Aufsichtsratschef Paul Achleitner vor Beginn der Hauptversammlung

Konzernchef Christian Sewing und Aufsichtsratschef Paul Achleitner vor Beginn der Hauptversammlung

Foto: REUTERS

10.15 Uhr: Achleitner geht auch auf die gescheiterte Fusion mit der Commerzbank ein, die maßgeblich von ihm betrieben wurde. Es habe keinen politischen Druck gegeben. "Es war die Entscheidung des Vorstands, die Gespräche zu beginnen. Und es war die Entscheidung des Vorstands, die Gespräche zu beeenden."

10.10 Uhr: Paul Achleitner eröffnet das Aktionärstreffen. Die Halle ist noch ziemlich leer, erst gut zur Hälfte gefüllt. Gut 8400 Aktionäre haben sich angemeldet, sagt Achtleitner - es sieht nicht so aus, als ob schon alle in der Frankfurter Festhalle angekommen wären.

"Wir müssen noch schneller und radikaler umbauen", räumt Achleitner ein. Er lobt das Management von Christian Sewing. "Er sagt Ihnen, wie wir den Weg nach vorne gehen wollen."

Die Aktionäre weigern sich zu klatschen. Achleitner betont: "Christian Sewing war die richtige Wahl. Er übernahm die Führung unserer Bank und setzte um." Der Aufsichtsratschef macht eine kleine Kunstpause, in der Hoffnung, dass die Aktionäre an der Stelle Beifall spenden. Er bleibt aus.

10 Uhr: Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser! In der Festhalle der Frankfurter Messe beginnt die Hauptversammlung der Deutschen Bank. Es ist ein Tag der Abrechnung - nach der geplatzten Fusion mit der Commerzbank, durchwachsenen Ergebnissen und immer neuen Pannen und Skandalen.

Bankchef Christian Sewing, seit einem Jahr im Amt, ringt um eine Antwort auf die Forderungen nach einer abermaligen Kurswende. Wie manager magazin am gestrigen Mittwoch exklusiv berichtete, sind zumindest personelle Konsequenzen im Vorstand in Vorbereitung - "so richtig angehen" will die Bank die Nachfolgesuche für Rechtsvorständin Sylvie Matherat und Investmentbankchef Garth Ritchie laut Finanzkreisen nach der Hauptversammlung.

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Abgänge der Ära Achleitner: Was aus den Deutsche-Bank-Bossen wurde

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Noch mehr unter Druck als Sewing steht Paul Achleitner, der als Aufsichtsratschef auch das heutige Treffen der Aktionäre leitet. Er führt die Bank seit 2012 und hat schon einiges Toppersonal verschlissen.

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Hoffnung aus Los Angeles: Die wichtigsten Aktionäre der Deutschen Bank

Foto: Thomas Lohnes/Getty Images

Erstmals haben auch die einflussreichen Stimmrechtsberater ISS, deren Empfehlungen die meisten institutionellen Investoren zumeist folgen, eine Nein-Stimme zur Entlastung empfohlen. Es wird also durchaus spannend, ob die Großaktionäre noch zur Führung halten und ausreichend Ja-Stimmen liefern (die allgemeine Erwartung ist, dass es reicht). In jedem Fall dürfte aus dem Publikum wieder einmal heftige Kritik in Richtung Bühne kommen. Über die wichtigen Geschehnisse auf dieser Hauptversammlung informieren Sie aus Frankfurt unsere Bankenexpertin Katharina Slodczyk und von Hamburg aus Arvid Kaiser.

9.15 Uhr: Die Aktie der Deutschen Bank  ist auch an diesem Morgen weiter gefallen - mit 6,35 Euro kurz nach 9 Uhr auf den tiefsten Stand seit ... ja, so genau wissen wir das leider auch nicht. Jedenfalls tiefer als der Monatsdurchschnitt des Dezember 1973, und das ist der niedrigste Wert, den unsere Dokumentare finden konnten. Tageskurse von damals oder noch viel früher liegen uns nicht vor. "Rekordtief" mögen wir nicht schreiben, weil das nicht zweifelsfrei gesichert ist. "Allzeittief" schon gar nicht, weil es ja immer noch tiefer gehen kann; zum Beispiel heute. Es herrscht also einiger Frust unter den Aktionären.

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