Sonntag, 15. September 2019

Protokoll der Hauptversammlung der Deutschen Bank Aktionäre stützen Chefaufseher Achleitner - Sewing kündigt harte Einschnitte an

5. Teil: Hauptversammlung beginnt mit historischem Tiefstand der Aktie

Konzernchef Christian Sewing und Aufsichtsratschef Paul Achleitner vor Beginn der Hauptversammlung

10.15 Uhr: Achleitner geht auch auf die gescheiterte Fusion mit der Commerzbank ein, die maßgeblich von ihm betrieben wurde. Es habe keinen politischen Druck gegeben. "Es war die Entscheidung des Vorstands, die Gespräche zu beginnen. Und es war die Entscheidung des Vorstands, die Gespräche zu beeenden."

10.10 Uhr: Paul Achleitner eröffnet das Aktionärstreffen. Die Halle ist noch ziemlich leer, erst gut zur Hälfte gefüllt. Gut 8400 Aktionäre haben sich angemeldet, sagt Achtleitner - es sieht nicht so aus, als ob schon alle in der Frankfurter Festhalle angekommen wären.

"Wir müssen noch schneller und radikaler umbauen", räumt Achleitner ein. Er lobt das Management von Christian Sewing. "Er sagt Ihnen, wie wir den Weg nach vorne gehen wollen."

Die Aktionäre weigern sich zu klatschen. Achleitner betont: "Christian Sewing war die richtige Wahl. Er übernahm die Führung unserer Bank und setzte um." Der Aufsichtsratschef macht eine kleine Kunstpause, in der Hoffnung, dass die Aktionäre an der Stelle Beifall spenden. Er bleibt aus.

10 Uhr: Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser! In der Festhalle der Frankfurter Messe beginnt die Hauptversammlung der Deutschen Bank. Es ist ein Tag der Abrechnung - nach der geplatzten Fusion mit der Commerzbank, durchwachsenen Ergebnissen und immer neuen Pannen und Skandalen.

Bankchef Christian Sewing, seit einem Jahr im Amt, ringt um eine Antwort auf die Forderungen nach einer abermaligen Kurswende. Wie manager magazin am gestrigen Mittwoch exklusiv berichtete, sind zumindest personelle Konsequenzen im Vorstand in Vorbereitung - "so richtig angehen" will die Bank die Nachfolgesuche für Rechtsvorständin Sylvie Matherat und Investmentbankchef Garth Ritchie laut Finanzkreisen nach der Hauptversammlung.

Noch mehr unter Druck als Sewing steht Paul Achleitner, der als Aufsichtsratschef auch das heutige Treffen der Aktionäre leitet. Er führt die Bank seit 2012 und hat schon einiges Toppersonal verschlissen.

Erstmals haben auch die einflussreichen Stimmrechtsberater ISS, deren Empfehlungen die meisten institutionellen Investoren zumeist folgen, eine Nein-Stimme zur Entlastung empfohlen. Es wird also durchaus spannend, ob die Großaktionäre noch zur Führung halten und ausreichend Ja-Stimmen liefern (die allgemeine Erwartung ist, dass es reicht). In jedem Fall dürfte aus dem Publikum wieder einmal heftige Kritik in Richtung Bühne kommen. Über die wichtigen Geschehnisse auf dieser Hauptversammlung informieren Sie aus Frankfurt unsere Bankenexpertin Katharina Slodczyk und von Hamburg aus Arvid Kaiser.

9.15 Uhr: Die Aktie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen ist auch an diesem Morgen weiter gefallen - mit 6,35 Euro kurz nach 9 Uhr auf den tiefsten Stand seit ... ja, so genau wissen wir das leider auch nicht. Jedenfalls tiefer als der Monatsdurchschnitt des Dezember 1973, und das ist der niedrigste Wert, den unsere Dokumentare finden konnten. Tageskurse von damals oder noch viel früher liegen uns nicht vor. "Rekordtief" mögen wir nicht schreiben, weil das nicht zweifelsfrei gesichert ist. "Allzeittief" schon gar nicht, weil es ja immer noch tiefer gehen kann; zum Beispiel heute. Es herrscht also einiger Frust unter den Aktionären.

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