Mittwoch, 18. September 2019

Protokoll der Hauptversammlung der Deutschen Bank Aktionäre stützen Chefaufseher Achleitner - Sewing kündigt harte Einschnitte an

4. Teil: Christian Sewing: "Alles, was wir gemacht haben, war nur der Anfang"

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

11 Uhr: Jetzt kommen starke Ansagen. "Zu oft hatten in unserer Bank diejenigen die Oberhand, die bremsen anstatt Neues zu ermöglichen, die Altes verwalten, anstatt Chancen zu nutzen." Sewing beschwört "den Geist des Unternehmertums" - und inszeniert sich so selbst als "inspirierende Führung, offen für Neues" und zugleich traditionsbewusst. "Gründermentalität" ist die neue "Jägermentalität", mit der Sewing zum Antritt noch die Investmentbanker umgarnte. Staatsmännisch schließt Sewing den Bogen über ein Bekenntnis zum Klimaschutz bis zum 70. Jubiläum des Grundgesetzes der Bundesrepublik.

Sewings Emanzipation von Aufsichtsratschef Paul Achleitner geht weiter. Soviel ist klar nach der etwa 45-minütigen Rede. Er hielt sich zwar mit detaillierten Ankündigungen zurück, machte aber deutlich: Der Bank stehen radikale Einschnitte bevor - vor allem im Problembereich Investmentbanking. Achleitner hatte in einem Interview Ende April noch betont: Fundamentale Veränderungen im Investmentbanking seien nicht notwendig.

Es gab schon weniger selbstbewusste Auftritte des Deutsche-Bank-Chefs. Mal sehen, wie viel Eindruck das auf die Aktionäre macht, die sich gleich in der Fragerunde stundenlang aussprechen dürfen. Freilich sind auch dafür die Reden zum Großteil vorbereitet.


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10.50 Uhr: Christian Sewing adelt den Geschäftsbereich Transaktionsbank zum "Herzstück der Deutschen Bank". Um den globalen Zahlungsverkehr, der auch die anderen Geschäftsbereiche stärke, sei es bei der Gründung der Bank 1870 gegangen. Als Teil der Investmentbanksparte habe sie zu wenig Fokus genossen. Trotzdem zähle die Deutsche Bank in diesem Bereich zur Weltspitze, "als Nummer eins bei Euro-Zahlungen weltweit". Unter der Führung von Stefan Hoops werde die Transaktionsbank nun die nötige Freiheit bekommen und weiter gestärkt. Die zwei Säulen der vergangen Jahre, Investment- und Privatkundenbank, disst Sewing hingegen mit den Worten "vielversprechendes Potenzial" - was heißt, dass deren Ziele nicht erreicht wurden.

Große Pläne hat Sewing auch für die im vergangenen Jahr separat an die Börse gebrachte Fondstochter DWS: "Es muss unser Ziel sein, hier einen der zehn größten Vermögensverwalter der Welt zu formen", so Sewing. Inwieweit ein Zusammengehen mit dem UBS-Fondsgeschäft dabei eine Rolle spielt, dazu äußert er sich nicht.

10.45 Uhr: Ein Hauch von Zukunftsvision: Wenn die Deutsche Bank in ihre digitale Technik investiere, könne sie sich darauf ausrichten, "50 oder 100 Millionen Kunden" zu bedienen, sagt Bankchef Christian Sewing. Das müsse auch der Anspruch sein.

10.35 Uhr: Den ersten länger anhaltenden Applaus bekommt Sewing, als er sagt: "Ich möchte den Stolz zurückbringen, für dieses Institut zu arbeiten. Und verwechseln Sie nicht Stolz mit Arroganz. Die ist immer fehl am Platz."

Sewing verteidigt das Festhalten an der Strategie. "Unser Plan ist der bessere", begründet er die Absage an den Commerzbank-Deal. Seitdem "werden wir immer wieder nach unserem Plan B oder Plan C gefragt", räumt Sewing ein. Man werde jedoch Kurs halten, wenn auch "immer wieder nachbessern".

Sechs Seiten seiner Rede hat Sewing dem Erreichten gewidmet, in der zweiten Hälfte geht es jetzt um das, was noch kommen muss. Mit Details dazu hält sich Sewing zurück, soviel deutet er aber an: "Alles, was wir bis hierher gemacht haben, war nur der Anfang."

Die Kosten sollen noch stärker sinken als bisher geplant und durch den Personalabbau voraussichtlich gut erreichbar. Selbst in der Compliance will Sewing sparen, indem er Kontrollabteilungen zusammenlegt, die seiner Meinung nach Doppelarbeit leisten. Damit entzieht er Rechtsvorständin Sylvie Matherat schon mal Kompetenz.

Auch die Investmentbank hat er auf dem Kieker. "Es geht um eine Bank, deren Geschäftsbereiche klare Renditevorgaben erfüllen - ohne Wenn und Aber." Sewing nennt an der Stelle nicht die Investmentbanksparte, doch jedem ist klar, dass es vor allem dort so wie bisher nicht weitergehen kann.

10.30 Uhr: Nun kommen die Ausreden. Sewing verweist auf "das raue Klima", das zu Jahresbeginn an den Kapitalmärkten geherrscht habe. Sehr getroffen habe die Bank auch die Razzia wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in Panama-Papers-Fällen. Die Staatsanwaltschaft müsse zwar in jedem Verdachtsfall konsequent ermitteln, räumt Sewing ein. "Über die Art und Weise, wie das im November geschehen ist, kann man durchaus geteilter Meinung sein." Da schleicht sich ein leicht empörter Unterton ein. Dolchstoßlegende? Tatsächlich weckte die Aktion auch am Kapitalmarkt Zweifel an der staatlichen Rückendeckung für die Deutsche Bank.

10.25 Uhr: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing versucht den Aktionären Mut zu machen: "Als langjähriger Risikomanager dieses Hauses kann ich Ihnen versichern, unsere Bilanz ist von so guter Qualität wie selten zuvor. Und sie ist die Basis für uns, um im Kundengeschäft wieder wachsen zu können."

10.20 Uhr: Christian Sewing übernimmt. Er beginnt mit einer persönlichen Note. Chef der Deutschen Bank zu sein, das sei "das volle Programm: aufreibend, emotional - aber auch erfüllend".

"Niemand ist enttäuschter als ich" über den Aktienkurs Börsen-Chart zeigen, den Sewing "nahe historischen Tiefständen" verortet. Für ihn ein Widerspruch zu den eigentlich erreichten Zielen - vor allem, die Bank nach drei Verlustjahren wieder ins Plus zu führen und "die Grundlage" zu schaffen, damit sie "nachhaltig profitabel wirtschaftet".

"Wir müssen Ihr Vertrauen zurückgewinnen", sagt Sewing den Aktionären. An diesen Spruch haben sie sich schon gewöhnt.

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