Dienstag, 10. Dezember 2019

Protokoll der Hauptversammlung der Deutschen Bank Aktionäre stützen Chefaufseher Achleitner - Sewing kündigt harte Einschnitte an

3. Teil: Aktionärsvertreter fürchtet "Führungslosigkeit österreichischer Art"

Blick aus dem Saal auf die Bühne der Hauptversammlung während Christian Sewings Rede

11.45 Uhr: Der Redebedarf der Aktionäre ist erneut hoch. Wegen der vielen Wortmeldungen beschränkt Achleitner die Redezeit auf acht Minuten.

Klaus Nieding vom Aktionärsverein DSW warnt Aktionäre davor, der Führungsspitze die Entlastung zu verweigern: Das könnte zu Rücktritten führen. "Wir können uns keine Schwäche erlauben, eine Führungslosigkeit, Pardon Herr Vorsitzender, österreichischer Art schon mal gar nicht", sagt Nieding an den Österreicher Paul Achleitner gerichtet und spielt auf die politische Krise in der Alpenrepublik an. Wer ist der Heinz-Christian Strache der Deutschen Bank? Wodka-Red Bull wird in der Frankfurter Festhalle heute Mittag jedenfalls nicht serviert, soweit wir wissen.

11.20 Uhr: Aufsichtsratschef Paul Achleitner darf sich jetzt seine eigenen Wiederwahlchancen ausrechnen. Auf der Hauptversammlung seien 33,7 Prozent des Grundkapitals vertreten, gibt Achleitner bekannt. Rechnet man die Briefwahlstimmen ein, sind es 34,8 Prozent.

Zusammen hätten die Großaktionäre Cerberus, HNA, al-Thani und Hudson Capital damit schon eine Mehrheit, um Achleitner zu stützen - sofern sie das wollen und ihr Stimmrecht heute überhaupt ausüben (die Chinesen von HNA angeblich nicht). Jedenfalls ist die Präsenz extrem niedrig, nachdem es in den Vorjahren mit Werten über 40 Prozent aufwärts ging. Das gibt den Großaktionären Gewicht - und manche der mittelgroßen Aktionäre wie Fondsgesellschaften haben angekündigt, der Führung mehr Zeit zu geben.

Das Wort führen jetzt aber erstmal die Kleinaktionäre. Dauerkritiker Michael Bohndorf fordert als erster Redner - wie jedes Jahr - die Abwahl Achleitners als Versammlungsleiter. Er habe in sieben Jahren nicht geschafft, die Deutsche Bank auf Kurs zu bringen. Bohndorf erhält lauten Applaus. Aber das ist schon eine bewährte Übung. Sein Antrag kam immer auf viel Zustimmung im Saal, aber nur wenige Stimmen.

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