Mittwoch, 18. September 2019

Protokoll der Hauptversammlung der Deutschen Bank Aktionäre stützen Chefaufseher Achleitner - Sewing kündigt harte Einschnitte an

2. Teil: Deka-Fondsmanager spricht von "Horrorfilm mit Überlänge"

Bankchef Christian Sewing und Paul Achleitner
Arne Dedert/DPA
Bankchef Christian Sewing und Paul Achleitner

13 Uhr: Auch von außen kommen Stimmen zur Hauptversammlung der Deutschen Bank. Verwaltungsratschef Jean Lemierre von der BNP Paribas, deren Aktionäre zeitgleich in Paris tragen, äußert sein Desinteresse an einer Übernahme der Deutschen Bank. An der Börse ist die französische Großbank mehr als viermal so viel Wert wie die deutsche.

Linken-Bundestagsabgeordneter Fabio De Masi fordert "nicht nur einen Führungswechsel, sondern ein anderes Geschäftmodell". Achleiter solle gehen, das Investmentbanking "kontrolliert abgewickelt" werden. "Die Deutsche Bank ist ein Sicherheitsrisiko wie ein Elefant aus dem Frankfurter Zoo, der in der City Amok läuft." Der Zitatewettbewerb ist hiermit geschlossen.

12.20 Uhr: Der kritische Aktionär Karl-Walter Freitag bringt etwas Stimmung in den Saal mit Forderungen wie: "Herr Achleitner, befreien Sie die Bank von Ihrer Person." Oder in einer anderen Variante: "Gehen Sie mit Gott oder wem auch immer, aber gehen Sie endlich." Mit den Gegenanträgen Freitags musste die Deutsche Bank ein Extraheft ("Erweiterung der Tagesordnung und Stellungnahmen der Verwaltung") füllen.

Jetzt ist Alexandra Annecke von Union Investment dran. Sie erinnert an glorreiche Zeiten: "Genau zwölf Jahre ist es her, da stand die Aktie auf Allzeithoch und die Deutsche Bank sah sich auf Augenhöhe mit den US-Banken JP Morgan und Goldman Sachs. Jetzt machte JP Morgan im ersten Quartal mehr als zwanzigmal so viel Gewinn und ist an der Börse mehr als zwanzigmal so viel wert wie die Deutsche Bank." Die genossenschaftliche Fondsgesellschaft will aber Vorstand und Aufsichtsrat entlasten.

Andreas Thomae vom Sparkassen-Fondsanbieter Deka bringt etwas Galgenhumor in die Debatte: "Den Aktienkurs hatten wir im letzten Jahr mit der Fahrt in einer Geisterbahn verglichen. Nun ist daraus ein Horrorfilm mit Überlänge geworden." Thomae fragt Achleitner, wie er den Aufsichtsratssitz für den chinesischen HNA-Konzern rechtfertigt, der noch 5 Prozent der Anteile (über Derivate) hält und weiter reduziert. Auch kritisiert er die Doppelrolle des US-Hedgefonds Cerberus als Großaktionär und Berater. "Ist das nicht ein Interessenkonflikt?" Deka (0,6 Prozent der Anteile) will den Vorstand entlasten, den Aufsichtsrat aber nicht.

12 Uhr: Der Abwahlantrag gegen Paul Achleitner als Versammlungsleiter ist gescheitert. Diesmal sind es 0,96 Prozent, nach 0,6 Prozent im Vorjahr.

Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger geißelt vor allem die Funktionszulagen, die zwei Bankvorstände bekommen haben: Investmentbankchef Garth Ritchie und Risikovorstand Stuart Lewis. Man könne ja froh sein, dass nicht alle Vorstände, sondern nur zwei diese Funktionszulagen bekommen hätten, so Kienle. Es sei zudem unmoralisch, ein solches Angebot anzunehmen.

Ritchie hat eine Zulage von monatlich 250.000 Euro bekommen - dafür, dass er sich um die Folgen des Brexit kümmert. Insgesamt kam er auf 8,6 Millionen Euro und war damit der Topverdiener im Deutsche-Bank-Vorstand.

Lewis hat eine Funktionszulage von 1,2 Millionen Euro im vergangenen Jahr bekommen - dafür, dass er das Verhältnis der Bank zu den US-Regulatoren verbessern sollte. Insgesamt kam Lewis auf eine Jahresvergütung von 2,7 Millionen Euro.

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