Freitag, 26. April 2019

Obwohl er offenbar falsch spielte Deutsche Bank lieh Trump mehr als zwei Milliarden Dollar

Unangenehmer Kunde: US-Präsident Donald Trump bekam jahrelang Kredite von der Deutschen Bank.

Hubschrauberflüge, Golf-Wochenenden und beizeiten auch ein veritabler Rechtsstreit - die Geschäftsbeziehung zwischen der Deutschen Bank und dem heutigen US-Präsidenten Donald Trump, die sich inzwischen über beinahe zwei Jahrzehnte hinzieht, ist an bunten Details und unterhaltsamen Anekdoten offenbar nicht arm. Weit mehr als zwei Milliarden Dollar lieh Deutschlands führendes Geldhaus dem New Yorker Immobilienunternehmer im Laufe der Jahre, so berichtet die "New York Times" aktuell auf Grundlage einer offenbar umfangreichen Recherche.

Demnach ignorierte die Bank dabei immer wieder Warnzeichen und rote Flaggen. Während andere Institute längst auf Distanz zu dem umstrittenen Milliardär gegangen waren, ging die Deutsche Bank offenbar eine unglückselige Symbiose mit ihm ein: Das Geldhaus nutzte Trumps Aktivitäten, um das eigene Geschäft an der Wall Street auf Touren zu bringen - und der Immobilienunternehmer freute sich über die seriöse Adresse aus Deutschland, die ihm Kredite für seine Projekte zur Verfügung stellte, die er anderswo längst nicht mehr bekam.

Erst 2016, als Trump um die US-Präsidentschaft kämpfte und dabei unter anderem mit immer fragwürdigerer Rhetorik auffiel, gingen bei der Deutschen Bank offenbar die Alarmsirenen an. Laut "New York Times" war es seinerzeit im Management des Geldhauses maßgeblich auch der heutige Bankchef Christian Sewing, der sich gegen einen letzten Kredit aussprach, den Trump für eine Golfanlage im schottischen Turnberry benötigte. Sewing sei schockiert gewesen, so die "Times", dass sein Unternehmen tatsächlich in Erwägung zöge, Trump mitten im Wahlkampf Geld zu leihen.

Die Vorbehalte kamen nicht von ungefähr: Trump hatte in der Vergangenheit schon häufig als Kreditkunde Probleme gemacht. Sollte er nun tatsächlich ins Weiße Haus einziehen, so offenbar die Sorge in Frankfurts Führungsetage, und sollte es dann zu Ausfällen bei seinen Kreditzahlungen kommen, so stünden dem Geldhaus nur zwei Alternativen offen, die beide gleichermaßen unattraktiv erschienen: Entweder die Deutsche Bank würde versuchen, das Privatvermögen eines amtierenden US-Präsidenten zu pfänden, oder das Unternehmen nähme hohe Abschreibungen in Kauf.

Kein Wunder also, dass die Deutsche Bank den Turnberry-Kredit letztlich ablehnte. Und kein Wunder auch, dass das Unternehmen zur Zeit der US-Wahl auch sonst auf Distanz zu Trump ging. Laut "New York Times" versuchte die Deutsche Bank seinerzeit fieberhaft zu rekonstruieren, wie es zu der starken Verstrickung zwischen dem eigenen Haus und dem möglichen künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten hatte kommen können, dessen Bild in der Öffentlichkeit zunehmend zwiespältig erschien. Mitarbeiter der Deutschen Bank an der Wall Street erhielten laut "New York Times" seinerzeit sogar die Anweisung, den Namen "Trump" im Kundenkontakt nicht mehr in den Mund zu nehmen.

Bemerkenswert an dieser Distanzierung ist nach allem, was die "Times" zu Tage gefördert hat, vor allem, dass sie erst so spät kam. Jahrelang hatte Trump zuvor Millionenkredit nach Millionenkredit von der Deutschen Bank erhalten, obwohl einiges gegen diese Geschäfte sprach. Ohnehin galt Trump in der New Yorker Finanzszene längst als Persona non grata. Gegenüber der Deutschen Bank mogelte er zudem laut "Times" mehrfach erheblich, als es darum ging, seinen Vermögensstand anzugeben.

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