Rückzug im Investmentbanking Wie die Deutsche Bank an Boden verliert

Risikoabbau hat Vorrang: Die Deutsche Bank muss nicht mehr zu den Top 5 gehören

Risikoabbau hat Vorrang: Die Deutsche Bank muss nicht mehr zu den Top 5 gehören

Foto: Arne Dedert/ picture alliance / dpa

Top 5 - das war einmal. Zumindest war das der Anspruch, den das alte Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen der Deutschen Bank noch vor einem Jahr aufgab: mittelfristig zu den fünf global führenden Investmentbanken zu gehören - was bislang die führenden Wall-Street-Adressen (JPMorgan , Goldman Sachs , Morgan Stanley , Bank of America Merrill Lynch  und Citigroup ) unter sich ausmachen.

Jetzt steht die Deutsche Bank  auf Platz 6, wie die vom Finanzdatenanbieter Thomson Reuters für das Jahr 2015 veröffentlichte League Table zeigt. Auf den ersten Blick not a big deal, wie man an der Wall Street sagen würde. Auf Platz 6 stand die Bank auch 2014 schon im Ranking, und in den Vorjahren kam sie nicht höher.

Allerdings hat sie ein sattes Fünftel weniger an Gebühren eingenommen. Ein so krasses Minus hat kaum ein anderes der großen Institute verbucht. Der Abstand zu den Amerikanern hat sich deutlich vergrößert, vor allem zum einstigen Rollenvorbild Goldman Sachs, die gegen den Trend mehr Geld im Investmentbanking verdienten.

Auf der anderen Seite ist der Vorsprung gegenüber den siebt- und achtplatzierten Credit Suisse  und Barclays  nur noch minimal. Die führenden europäischen Anbieter dampfen ihr Investmentbanking allesamt ein, aber niemand schrumpft so schnell wie die Deutsche Bank.

Besonders deutlich zeigt sich dies in den einzelnen Sparten.

Selbst Rothschild zieht an der großen Deutschen Bank vorbei

Im lukrativsten Geschäft mit Fusionen und Übernahmen - das 2015 ein Rekordjahr verzeichnete und aus Sicht der Banker als einziges steigende Gebühren verhieß - fiel die Deutsche Bank von Platz 8 auf Platz 10 zurück, hinter vergleichsweise kleinen Boutiquen wie Lazard oder Rothschild.

Unter den wichtigsten Mega-Deals waren die Frankfurter nur an der Fusion der Bierbrauer AB Inbev und SAB Miller beteiligt. Und da verdienten praktisch alle großen Investmentbanken mit.

Ebenfalls zwei Plätze zurück fiel die Bank im Geschäft mit Aktien, auf Rang 7. Hier fiel das Einnahmenminus mit 26 Prozent besonders drastisch aus. Neben Goldman Sachs konnte auch Credit Suisse die Deutsche überholen

Im Anleihensegment ging ebenfalls eine Top-5-Position verloren. Dieses Geschäft lief fast für die gesamte Branche schlecht. Die Deutsche Bank aber gab mit einem Minus von 22 Prozent auch hier Marktanteile ab und steht nun als Nummer 6 hinter Goldman - die nicht besonders auf Bonds spezialisiert sind.

Nur bei klassischen Krediten konnte die Deutsche Bank vorn bleiben, wie gehabt auf Platz 3. Doch auch mit ihrer größten Stärke - die sie auch der im Vergleich zu Amerika größeren Bedeutung von Bankkrediten zur Unternehmensfinanzierung in ihrem europäischen Heimatmarkt verdankt - verbuchte sie ein drastisches Minus von 18 Prozent.

Die gute Nachricht: Der Abschied von der Spitze entspricht dem Plan von Bankchef John Cryan. Denn der eiskalte Abräumer hat kein Wort mehr über die Top-5-Ambition verloren. Vielmehr kritisiert der Brite den Versuch, "all things to all people" zu sein. Die Prioritäten sind jetzt andere: runter mit den Risiken, runter mit den Kosten, runter mit der Komplexität der Organisation. Wenn auch der Stolz der hauseigenen Investmentbanker etwas schrumpft, passt das ganz gut ins Konzept.


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