Donnerstag, 19. September 2019

Kurssprung bei Deutscher Bank Cryan sieht Spekulanten am Werk ++ "Haben komfortablen Puffer"

Deutsche-Bank-Chef John Cryan: "Es sind Kräfte unterwegs, die das Vertrauen in uns schwächen wollen"
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Deutsche-Bank-Chef John Cryan: "Es sind Kräfte unterwegs, die das Vertrauen in uns schwächen wollen"

Die Deutsche Bank wirbelt den Finanzsektor durcheinander. Nach einem Absturz auf ein Rekordtief von 9,90 Euro legt die Aktie binnen 7 Stunden mehr als 17 Prozent zu. Der dramatische Handelstag im Überblick.

Liebe Leserinnen und Leser, wir beenden hiermit den Live-Ticker von den Eruptionen, die von der Deutschen Bank für das weltweite Finanzsystem an diesem Freitag ausgingen. Nach unseren Informationen verhandeln die wesentlichen Beteiligten an diesem Wochenende weiter, um eine Lösung im Streit über die Vergleichszahlung im US-Hypothekenskandal zu erreichen und damit möglicherweise die Vertrauenskrise in die Deutsche Bank zu befrieden. Alles Relevante dazu liefern wir Ihnen auch in den kommenden Tagen auf manager-magazin.de. Wir empfehlen Ihnen zudem unsere Apps für Ihre Smartphones, über die Sie sich mittels Benachrichtigungen jederzeit auf dem Laufenden halten können. Gute Nacht und vielen Dank für Ihr Vertrauen, Ihre mm.de-Redaktion.

Samstag, 0.10 Uhr: Die Investoren rechnen fest mit einer Einigung zwischen der Deutschen Bank und dem US-Justizministerium über eine Vergleichszahlung im Hypotheken-Skandal. Die Aktien des größten deutschen Geldhauses schlossen an der Wall Street bei 13,09 Dollar - ein Plus von 14,02 Prozent. Internationale Großbanken wie JP Morgan landeten ebenfalls im Plus. Eine Schieflage der Deutschen Bank würde aufgrund ihrer internationalen Verflechtung das globale Finanzsystem in eine schwere Krise stürzen. Details einer etwaigen Einigung wurden bislang nicht bekannt. Die FT berichtet, Deutsche-Bank-CEO John Cryan sei in dieser Woche in die USA gereist, um den Vergleich zu verhandeln und möglicherweise abzuschließen.

21.35 Uhr: Nicht mehr lange bis zum Handelsschluss in New York. Die Deutsche-Bank-Aktie liegt dort seit Stunden mit knapp 15 Prozent im Plus. Falls die Deutsche Bank tatsächlich einen Vergleich mit der US-Regierung über unfaire Hypothekengeschäfte erzielt hat, wäre der Freitagabend nach US-Handelsschluss der perfekte Zeitpunkt, ihn zu verkünden. Die Deutsche Bank hätte dann zwei Tage Zeit, die US-Anleger mit Argumenten für den Vergleich zu überzeugen. Für die deutschen Investoren hätte das Geldhaus wegen des Tags der deutschen Einheit am Montag sogar drei Tage Zeit.

21 Uhr: Wie sehr die Situation der Deutschen Bank weltweit die Finanzaufseher beunruhigt, bestätigte inzwischen auch ganz offiziell die Europäische Zentralbank. Die FT zitiert Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger mit den Worten, die EZB sei in Kontakt mit den US-Behörden wegen des Falls und verfolge ihn eng.

18.30 Uhr: Was die Aktie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen im US-Handel am Freitag Abend inzwischen vor allem beflügelt: Angeblich steht Deutschlands größtes Geldhaus kurz vor einer Einigung mit der US-Justiz. Die Deutsche Bank sei kurz davor, sich mit dem US-Justizministerium auf eine Strafzahlung in Höhe von 5,5 Milliarden US-Dollar zu einigen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Freitagabend unter Berufung auf eine nicht näher genannte Quelle aus Verhandlungskreisen. Dies wäre deutlich weniger als die vom US-Ministerium zunächst geforderten 14 Milliarden Dollar, die die Deutsche Bank in Zusammenhang mit umstrittenen Hypothekengeschäften zahlen sollte. Weder die Deutsche Bank noch das US-Justizministerium wollten dazu Stellung nehmen. Anleger hoffen dennoch auf eine rasche Einigung: Die Aktie der Deutschen Bank baute im späten US-Handel ihre Gewinne gegenüber Xetra-Schluss noch aus (siehe Chart-Grafik).

17.35 Uhr: Was für ein Comeback: Die Aktie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen verzeichnet an diesem Handelstag die höchsten Schwankungen seit Jahrzehnten. Am Freitagmorgen war die Aktie noch um 9 Prozent auf 9,90 Euro abgestürzt - und drehte bis zum Nachmittag um 7,5 Prozent ins Plus bei 11,70 Euro. Seit ihrem Rekordtief hat die Aktie damit binnen sieben Handelsstunden mehr als 17 Prozent an Wert gewonnen. Börsianer sprechen von einem klassischen "Short Squeeze": Leerverkäufer, die auf einen weiteren Kursverfall gesetzt hatten, müssen angesichts der Kursgewinne rasch ihre Positionen schließen, was die Erholung der Aktie zusätzlich antreibt. Der Dax Börsen-Chart zeigen baut seine Gewinne bis Xetra-Schluss auf 1 Prozent aus und schließt über der Marke von 10.500 Punkten. John Cryans Versicherung an die Investoren, dass die Bank über einen komfortablen Liquiditätspuffer verfüge, zeigt Wirkung - zumindest am heutigen Tag. Hinzu kommt die Schützenhilfe diverser Bank-Analysten, die betonen, dass die Situation der Deutschen Bank nicht mit der Situation der Pleite-Bank Lehman Brothers vergleichbar sei.

16.30 Uhr: Die Verunsicherung, wie es mit der Deutschen Bank weitergeht, ist enorm - das ist ablesbar an den extremen Kursschwankungen. Die Deutsche Bank bräuchte jetzt - ähnlich wie die US-Bank Goldman Sachs nach der Finanzkrise - einen Warren-Buffett-Moment, meint Sven Clausen, Chefredakteur von manager magazin Online.

15.35 Uhr: John Cryan kann für einen Moment durchatmen. Die an der Wall Street gehandelten Anteilsscheine der Deutschen Bank legen zu Handelsbeginn in den USA um 6 Prozent auf 12,18 US-Dollar zu - und kehren damit auf das Niveau vor dem Kurseinbruch am Vorabend zurück. Offenbar zeigt die Zusicherung des Deutsche-Bank-Chefs, man habe einen "komfortablen Liquiditätspuffer", Wirkung.

15.30 Uhr: Atempause an der Wall Street: Die Anteilsscheine der Deutschen Bank haben sich am Freitag im vorbörslichen US-Handel deutlich erholt. Die sogenannten ADR, die wie Aktien gehandelt werden, verbesserten sich an der Wall Street zuletzt um knapp 4 Prozent. Tags zuvor waren sie noch bei riesigem Handelsvolumen um über 6,5 Prozent auf ein neues Rekordtief eingebrochen. Er könne den Anlegern nur dazu raten, Ruhe zu bewahren, schrieb Analyst Jacques-Henri Gaulard vom Analysehaus Kepler Cheuvreux. Dies beherzigten die Anleger in Frankfurt. Nach einem Einbruch um mehr als 9 Prozent auf ein Rekordtief von 9,90 Euro schmolz der Verlust auf 2 Prozent zusammen. Um 15.30 Uhr beginnt der Handel in den USA - und alle blicken auf die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen.

14.15 Uhr: Was für ein Spektakel - man fühlt sich fast wie auf einer Charity-Veranstaltung für die Deutsche Bank: Jetzt stellt sich sogar Daimler-Chef Dieter Zetsche hinter das kriselnde Institut - und hinter die Commerzbank. "Ich glaube, dass die beiden Banken sehr solide sind und dass wir uns da keine Gedanken machen müssen", sagte Zetsche am Freitag auf dem Autosalon in Paris.

Selbst krisenerprobt: Daimler-Chef Zetsche springt der Deutschen Bank mit einem Glaubensbekenntnis bei

14.05 Uhr: Noch ein Experte, der der Deutschen zur Seite springt. So rät das Analysehaus Kepler Cheuvreux angesichts der zuletzt regelmäßig auftretenden negativen Nachrichten vor Panik. Im Gegenteil: Kepler-Cheuvreux Analyst Jacques-Henri Gaulard rät Anlegern sogar zum Kauf der Aktie. In einer aktuellen Studie bestätigt er seine Kaufempfehlung und das Kursziel von knapp 14 Euro - das wäre gut ein Drittel mehr als aktuelle Kurs. Die jüngsten Kursreaktionen bezeichnete er ebenso wie zuvor Goldman Sachs oder Credit Suisse als übertrieben.

14.0O Uhr: Die Deutsche Bank mit der Pleitebank Lehman Brothers zu vergleichen, sei Unsinn, schreibt Bankenanalyst Daniel Davies. Er zieht Vergleiche zur UBS und zur Unicredit - und nennt Gründe, warum die Deutsche Bank nicht in akuter Pleitegefahr ist.

13.50 Uhr: Commerzbank-Chef Zielke will derzeit nichts vom kriselnden Nachbarn Deutsche Bank wissen. "Wir arbeiten im Moment an unserer eigenen Strategie", blockte Zielke Fragen nach einer möglichen Fusion mit dem größeren Rivalen am Freitag ab. Die Gespräche, die er im August darüber Finanzkreisen zufolge mit seinem Kollegen John Cryan geführt hatte, spielte der Banker herunter: Er spreche "immer wieder mit ganz vielen Kollegen". Die Aktie der Commerzbank Börsen-Chart zeigen verlor am Freitag in der Spitze gut 8 Prozent.

13.15 Uhr: Dass am Morgen Italiens Wirtschaftsminister ganz offen eine rasche Lösung für die Probleme der Deutschen Bank anmahnte, ist eher ungewöhnlich. Auf dem zweiten Blick erschließt sich der Vorstoß: Die italienischen Banken haben einen Sack voller Probleme, sitzen auf Milliarden fauler Kredite. Im Falle einer durch die Krise der Deutschen Bank ausgelösten Krise des Finanzsystems, würden die italienischen Institute vermutlich als erste kollabieren. Zudem drängt Berlin bei den italienischen Banken lange Zeit darauf, dass Rom die neuen EU-Regeln einhält: Denen zufolge sollen seit Jahresbeginn in erster Linie die Eigentümer und Gläubiger einer Bank für ihre Rettung haften und nicht der Steuerzahler. Merkel darf den Hinweis des italienischen Ministers daher auch als Wink mit dem Zaunpfahl verstehen. Musste Berlin doch zuletzt hart dementieren, es betreibe einen Rettungsplan für die Deutsche Bank, der auch eine Staatsbeteiligung vorsehe.

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