Montag, 24. Juni 2019

Deutsche Bank Kulturwandel der anderen Art

Anshu Jain: Der Ex-Investmentbanking-Chef ist an die Spitze der Deutschen Bank aufgestiegen - und muss nun Alternativen zum Investmentbanking suchen

Die jüngsten Quartalszahlen der Deutschen Bank zeigen vor allem eines: den Kulturwandel, in dem das Institut steckt. Während die Aufsicht die Daumenschrauben anzieht, muss Deutschlands größtes Geldhaus neue Ertragsbringer finden - und die Geduld der Aktionäre hat Grenzen.

Frankfurt am Main - Eines zeigen die neuesten Quartalszahlen der Deutschen Bank genau: den Kulturwandel, in dem die Bank steckt. Gar nicht so sehr den, den sie selbst permanent propagiert: die Selbstverpflichtung zu neuer Ehrlichkeit. Sondern mehr die Tatsache, dass die Bank operativ zu einer anderen mutiert, als wir sie seit rund 15 Jahren kennen - ein Kulturwandel der anderen Art.

Charakterisiert wird er von einer zunehmend schwachen Ertragslage, mageren Gewinnen, einer niedrigen Eigenkapitalrendite und vor allem der Flaute im Investmentbanking. Gerade letzteres ist gefährlich für die Bankspitze: Co-Chef Anshu Jain hat es vor allem aufgrund der gewaltigen Gewinne seiner früheren Sparte bis an die Spitze gebracht. Seit Monaten aber zeigt sich, dass angesichts tendenziell steigender Kapitalmarktzinsen die Party im Investmentbanking vorüber ist.

Im Handel mit Devisen und Anleihen, der traditionellen Stärke der Bank, gehen die Einnahmen jedenfalls deutlich zurück. Eine neue "Killer-Applikation" wie früher der Handel mit Kreditderivaten ist vorerst nicht in Sicht. Gleichzeitig zahlt die Bank ihren "Rainmakern" aber nach wie vor hohe Boni. Richtig zusammen passt das nicht.

Unter der Schwäche im Kapitalmarktgeschäft leiden auch viele US-Großbanken, die die Frankfurter als ihre Hauptkonkurrenten ansehen. Das Problem der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen ist aber, dass bis jetzt nichts an dessen Stelle getreten ist, um eine neue Erfolgsgeschichte zu erzählen, die die Aktionäre freut. Die sehen nur, dass die Bank Milliarden ausgeben muss, um ihre Ankläger zu befrieden.

Alles hängt an den Aktionären

Und sie spüren, wie sehr die Finanzaufsicht die Daumenschrauben anzieht und welche personellen Folgen das noch haben könnte. Der Vorstand ist durchsetzt mit Jains Gefolgsleuten. An der Spitze des Aufsichtsrats thront mit Paul Achleitner ebenfalls ein Investmentbanker. Für eine Bank, deren Abhängigkeit vom Kapitalmarktgeschäft spürbar sinkt, die aber bislang erfolglos auf der Suche nach einer operativ ertragreichen Zukunft ist, ist das womöglich das falsche Signal.

In diese düstere Umschau platzt die Nachricht, dass die Bank noch mehr tun muss, um die Verschuldungsquote der Basel-III-Kapitalregeln zu erfüllen. Die nennen als Berechnungsgrundlage für die sogenannte Leverage Ratio jetzt eine Bilanzsumme von 1,65 Billionen Euro und nicht mehr wie erhofft von 1,45 Billionen Euro.

Das heißt im Umkehrschluss, dass die Bank entweder ihre Bilanzsumme weiter abschmelzen muss, um mit dem gleichen Kapital wie bisher die Quote zu erfüllen. Dadurch ginge weiteres Geschäft flöten, mit den entsprechenden Folgen für Ertrag und Gewinn.

Oder sie sammelt neues Eigenkapital bei ihren Aktionären ein. Die freilich werden es sich genau überlegen, ob sie ihr Geld abermals einem Institut anvertrauen, das wenig Hoffnung macht, in Zukunft zu den ertragstärksten seiner Klasse zu gehören und gleichzeitig von der Finanzaufsicht immer weiter in die Enge getrieben wird.

Wie sich die Bank aus diesem Dilemma herausziehen will, ist einstweilen schleierhaft. Sie propagiert, dass der Weg lang und dornenreich, aber alternativlos sei. Gut denkbar, dass das den Aktionären bald nicht mehr reicht.

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