Montag, 14. Oktober 2019

Abschied nach wenigen Wochen Ex-UBS-Manager Zeltner vor Rückzug aus Aufsichtsrat der Deutschen Bank

Jürg Zeltner: Der ehemalige Wealth-Chef der UBS wird den Aufsichtsrat der Deutschen Bank wahrscheinlich schon nach wenigen Wochen wieder verlassen
Arnd Wiegmann / REUTERS
Jürg Zeltner: Der ehemalige Wealth-Chef der UBS wird den Aufsichtsrat der Deutschen Bank wahrscheinlich schon nach wenigen Wochen wieder verlassen

Rückschlag für Deutsche-Bank-Chefkontrolleur Paul Achleitner: Jürg Zeltner, ehemaliger Leiter der Vermögensverwaltung bei der UBS und erst seit wenigen Wochen Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank, dürfte das Kontrollgremium wohl in Kürze wieder verlassen. Hintergrund für das Ausscheiden Zeltners sind laut Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg Bedenken der Finanzaufsicht Bafin. Es bestehe ein Interessenkonflikt wegen Zeltners Position als Chef und Investor bei der Luxemburger Privatbankengruppe KBL, die vom Deutsche-Bank-Großaktionär Katar kontrolliert wird, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen zur Nachrichtenagentur Reuters. "Das Thema ist durch. Es geht jetzt nur noch darum, wie Zeltner gesichtswahrend herauskommt", sagte einer der Insider.

Die BaFin und die Europäische Zentralbank (EZB), die das Institut beaufsichtigen, wollten sich genauso wenig dazu äußern wie die Deutsche Bank und ein Sprecher Zeltners.

Für die peinliche Situation ist die Deutsche Bank selbst mit verantwortlich. Das Institut hatte Zeltner Mitte August in den Aufsichtsrat berufen und ihn wegen seiner Verbindungen zu KBL als "nicht unabhängiges Mitglied" vorgestellt. Ihrer Mitteilungspflicht gegenüber den Behörden war die Bank zwar im zeitlich notwendigen Rahmen nachgekommen, im Vorfeld sei aber nicht ausführlich über die Personalie gesprochen worden, sagte ein Insider.

Eine Ablehnung eines bereits berufenen Aufsichtsratsmitglieds ist äußerst selten. Nun könnte Zeltner selbst sein Amt wieder zur Verfügung stellen, um kein Veto der Finanzaufsicht zu riskieren. Zeltner sei zwar fachlich durchaus geeignet, die Bank zu kontrollieren, hieß es. Das Problem sei, dass er bei KBL "substanziell investiert" und unternehmerisch tätig sei. "Man kann nicht an einer Bank beteiligt sein und gleichzeitig im Aufsichtsrat eines direkten Wettbewerbers sitzen."

Rückschlag für Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Für die Deutsche Bank, insbesondere für Aufsichtsratschef Paul Achleitner, ist das ein weiterer Rückschlag. Das Geldhaus steckt mitten in der größten Restrukturierung seiner Geschichte, die Milliarden verschlingt und der weltweit 18.000 Stellen zum Opfer fallen. Achleitner musste bei der letzten Hauptversammlung im Mai heftige Kritik von Aktionären einstecken, insbesondere sein Verhältnis mit Großaktionär Katar gilt als angeschlagen. Aktionäre werfen dem Österreicher vor, dass er in den vergangenen sieben Jahren als Oberkontrolleur keine glückliche Hand bei Personalentscheidungen gehabt habe. Auch habe er viel zu lang am riskanten Investmentbanking festgehalten, das Insidern zufolge nun zusammengestrichen werden soll.

Zeltner folgte im Sommer auf Richard Meddings, der sein Mandat nach knapp vier Jahren Ende Juli niedergelegt hatte. Schon kurz nach der Berufung des 52-jährigen waren Spekulationen aufgekommen, dass die Aufsicht die Entscheidung nicht mittragen wird. Zeltner ist der Vertraute der Kataris im Kontrollgremium. Er ersetzte in dieser inoffiziellen Funktion Stefan Simon, der im Sommer in den Vorstand der Deutschen Bank gewechselt war und dort nun unter anderem für Rechtsthemen und die Beziehungen zu den Regulatoren zuständig ist. Per Gericht wurde Zeltner bereits zum Aufsichtsratsmitglied bestellt, die Hauptversammlung im kommenden Jahr hätte jedoch noch zustimmen müssen. Unklar ist, wer nun an Zeltners Stelle in das Gremium einziehen soll.

Die KBL gehört der Luxemburger Bankenholding Precision Capital, die von Mitgliedern der katarischen Familie Al-Thani kontrolliert wird. Zeltner selbst ist über ein Investment-Vehikel an der KBL beteiligt und profitiert von deren Erfolg. Die KBL verwaltet rund 73 Milliarden Euro an Kundengeldern und umfasst ein Netzwerk von Vermögensverwaltern und Privatbanken in Europa. Unter anderem gehört die deutsche Merck Finck dazu.

la/reuters

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