Deutsche-Bank-Chef verteidigt Bonuszahlungen im Verlustjahr Milliardenboni - und wo bleibt die Dividende, Herr Cryan?

Trotz des dritten Jahresverlustes in Folge zahlt die Deutsche Bank Milliardenboni an Mitarbeiter. Die Aktionäre dagegen werden vermutlich leer ausgehen, deutet Konzernchef John Cryan an.
Auf Nachfragen zur Dividende legt John Cryan am Freitag erst mal sein Gesicht in Falten

Auf Nachfragen zur Dividende legt John Cryan am Freitag erst mal sein Gesicht in Falten

Foto: Getty Images

Üppige Boni sind bei der Deutschen Bank nach Darstellung von Konzernchef John Cryan kein Automatismus. "Die Bezahlung unserer Mitarbeiter wird sich konsequent am Geschäftserfolg unserer Bank orientieren", versicherte Cryan laut Redetext am Freitag in Frankfurt. "Die diesjährige variable Vergütung ist eine einmalige Investition, um der neuen Führung unserer Unternehmens- und Investmentbank die Chance zu geben, unsere Marktposition zu sichern und auf ausgewählten Geschäftsfeldern auszubauen."

Nach übereinstimmenden Medienberichten will Deutschlands größtes Geldhaus für das Jahr 2017 trotz erneut roter Zahlen etwa eine Milliarde Euro als Bonuszahlung an ihre Mitarbeiter und Manager ausschütten. Vor allem die traditionell gut bezahlten Investmentbanker sollen sich für wieder höhere Boni eingesetzt haben.

Co-Chef Marcus Schenck hatte den Schritt kürzlich in einem Interview verteidigt: "Wir müssen gerade jetzt in unsere Leute investieren und international wettbewerbsfähig bleiben - auch bei den Gehältern." Cryan betonte bei der Bilanzvorlage: "Kommendes Jahr ist eine ähnliche Vergütung nur bei entsprechendem Geschäftserfolg zu rechtfertigen."

Frage der Dividende bleibt offen - Aktionäre müssen sich gedulden

Umgekehrt müssen sich die Investoren der Deutschen Bank mit Blick auf eine Dividende in Geduld üben. Darüber werde im März entschieden, sagte Cryan. Er merkte aber an, ein Unternehmen müsse Gewinne machen, um sie zu verteilen.

Fotostrecke

Finanzinvestor Cerberus: Das ist die größte Macht im deutschen Bankensektor

Foto: Andreas Arnold/ picture alliance / Andreas Arnold/dpa

Ursprünglich hatte die Deutsche Bank geplant, für 2017 eine Dividende von 11 Cent pro Aktie zu zahlen. Das geschah auf Druck von Aktionären, die sich nicht mit einer Nullrunde zufriedengeben wollten. Sie zwangen die Deutsche Bank auch schon für die beiden Vorjahre dazu, die gesetzliche Mindestdividende zu zahlen. Für 2015 und 2016 flossen damit insgesamt 19 Cent je Aktie.


Lesen Sie auch: Boni-Orgie trotz Verlust


Wegen einer neuen gesetzlichen Regelung hatte Bankchef Cryan aber schon im Sommer in Zweifel gezogen, ob es eine Dividende für 2017 geben wird. Eine Null-Dividende sei "nun wieder eine Option für uns", sagte Cryan damals. Für das Jahr 2018 versprach er eine "wettbewerbsfähige Dividende" - hier rechnet er wieder mit Gewinn.

Für das vergangene Jahr wies die Bank am Freitag den dritten Jahresverlust in Folge aus, wenngleich mit einer halben Milliarde Euro in geringerem Umfang als zuvor. Hauptgrund waren Bilanzeffekte durch die US-Steuerreform. Vor Steuern verdiente die Deutsche Bank 1,3 Milliarden Euro. Zudem konnte sie ihre harte Kernkapitalquote - ein Ausweis für die Krisenfähigkeit einer Bank - auf 14,0 Prozent steigern.

Bedenklich stimmt aber der sich verschärfende Einbruch der Erträge zum Schlussquartal: Im Gesamtjahr rutschten die Erträge auf 26,4 Milliarden Euro ab nach 30,0 Milliarden beziehungsweise 33,5 Milliarden Euro in den beiden Vorjahren. Im Schlussquartal sanken Erträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 19 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro - und das bei weiter konstant hohen Kosten.

Das Kostenproblem wird Vorstandschef Cryan wohl auch nicht so schnell los: So musste Cryan einräumen, dass 2018 die Kosten mit 23 Milliarden Euro um eine Milliarde Euro über dem Ziel liegen werden. Als Grund gab die Bank Verzögerungen bei geplanten Teilverkäufen an. Unter anderem konnte die Deutsche Bank ihr Spanien-Geschäft nicht wie geplant losschlagen.

rei mit Nachrichtenagenturen
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.