Montag, 16. September 2019

Deutsche Bank verschärft Sparkurs John Cryan verhängt weltweiten Einstellungsstopp

Die nächste historische US-Strafe: Die Deutsche Bank zahlt und zahlt und ...
DPA

Die mitten in der Sanierung steckende Deutsche Bank hat weltweit einen Einstellungsstopp verhängt, um die Kosten weiter zu senken und das Vertrauen der Märkte in das Unternehmen zu stärken, berichtet Bloomberg.

Alle Spartenverantwortlichen seien angewiesen worden, den Einstellungsstopp sofort umzusetzen und frei werdende Stellen allenfalls mit internen Kandidaten zu besetzen, heißt es. Ausnahme soll die Abteilung Compliance unter Sylvie Matherat sein - hier sollen weiter extern Mitarbeiter angeheuert werden dürfen, damit die Bank besser lernt, Regeln zu befolgen und interne Kontrollen zu etablieren.

Ein Deutsche-Bank-Sprecher wollte den Bericht nicht weiter kommentieren. Er verwies darauf, dass das Geldhaus derzeit Personal ab- und nicht aufbaut. Von den weltweit rund 100.000 Stellen sollen 9000 gestrichen werden, davon 4000 in Deutschland. Dass die Bank bei diesem Abbau im Plan ist, hatte sie erst vor wenigen Tagen kommuniziert.

Analysten befürworteten in einer ersten Reaktion den verhängten Einstellungstopp: "Es wäre wünschenswert wenn die Deutsche Bank bei den Neueinstellungen restriktiv vorgeht, weil sie die Kosten senken muss", kommentierte zum Beispiel Philipp Häßler, Analyst bei Equinet. Analysten von JPMorgan Chase schätzen laut Bloomberg, dass die Deutsche Bank durch den Einstellungsstopp allein in diesem Jahr rund 1,9 Milliarden Euro einsparen könnte.

Analyst: Einstellungsstopp könnte dieses Jahr 1,9 Milliarden Euro einsparen

Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen gaben nach der Nachricht weiter leicht nach und zählten gegen Donnerstagmittag mit Verlusten von rund 2,5 Prozent zu den schwächsten Werten im Dax. Die Papiere haben seit Jahresbeginn rund 47 Prozent ihres Wertes verloren. Sie schneiden damit deutlich schlechter ab als viele andere Banken-Aktien. In dem 38 Werte zählenden Banken-Index von Bloomberg belegen sie derzeit Platz 34, der Index selbst gab im gleichen Zeitraum rund 23 Prozent nach.

Die Titel der Deutschen Bank leiden schon länger unter dem Misstrauen der Investoren. Ihre Kapitaldecke gilt im Vergleich zu anderen internationalen Wettbewerbern als zu dünn. Der IWF bezeichnete die Bank unlängst als "gefährlichste Bank der Welt" und forderte sie unverhohlen auf, das Geschäftsmodell zu ändern.

Vorstandschef John Cryan strebt das an, bittet die Investoren aber um mehr Geduld. Der Brite hatte zuletzt versichert, dass die Bank keine Kapitalerhöhung plane noch Staatshilfe in Anspruch nehmen wolle und über ausreichend Liquidität verfüge. Belastend wirkt auch, dass der größten deutschen Bank in den USA eine bis zu 14 Milliarden Dollar hohe Strafe für Vergehen vor der Finanzkrise droht.

Anders lautenden Berichten zufolge allerdings lote Cryan in Gesprächen mit Wall-Street-Banken sehr wohl ihre Unterstützung für eine mögliche Kapitalerhöhung aus. Neben Aktienemissionen würde auch über Beteiligungsverkäufe gesprochen. So erwäge die Bank angeblich, 2017 einen Minderheitsanteil der Vermögensverwaltungssparte an die Börse zu bringen, um mit dem eingespielten Geld die schwache Kapitalbasis zu stärken. Analysten taxieren den Wert der Sparte auf rund acht Milliarden Dollar.

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Im Video: Sven Clausen, stellvertretender Chefredakteur von mm, über die drohende Milliardenstrafe und mögliche Liquiditätsprobleme der Deutschen Bank

Foto: manager-magazin.de / Wochit

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