Donnerstag, 19. September 2019

Niedrigzinsen, abflauende Konjunktur Deutsche Bank dämpft Ertragshoffnungen

James von Moltke, Finanzvorstand der Deutschen Bank, gibt sich für die erwarteten Erträge der Bank etwas vorsichtiger

Die Deutsche Bank rechnet wegen der anhaltend niedrigen Zinsen und der abflauenden Konjunktur in vielen Ländern mit Gegenwind beim angepeilten Ertragswachstum. Finanzvorstand James von Moltke stellte bei einer Investorenkonferenz am Montagabend in New York bis zum Jahr 2022 einen Ertrag zwischen 24 und 25 Milliarden Euro in Aussicht. Damit ist das Institut etwas vorsichtiger als noch im Juli.

Damals hatte die Bank ihre neue Strategie vorgestellt und bis 2022 einen Ertrag von rund 25 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. 2018 hatte die Deutsche Bank auf vergleichbarer Basis einen Ertrag von knapp 23 Milliarden Euro erzielt. Seit Juli habe sich das Umfeld allerdings eingetrübt und die Lage der Weltwirtschaft sei fragiler geworden. Daher plane die Bank derzeit mit einem Ertrag zwischen 24 und 25 Milliarden Euro.

"Wir denken, das bleibt erreichbar, aber wir bekommen offensichtlich Gegenwind durch die niedrigen Zinsen", sagte von Moltke. Viele Experten bezweifeln schon seit der Vorstellung der Strategie, dass die Bank ihr Ertragsziel erreichen kann, obwohl sie gleichzeitig Kosten senken und die Risiken reduzieren will.

Auch Citigroup vorsichtiger

Die vorsichtigeren Aussagen des Finanzvorstands könnten den Aktienkurs belasten. Dieser hatte sich in den vergangenen Tagen kräftig erholt - seit dem Rekordtief von 5,777 Euro Mitte August ging es um 27 Prozent nach oben. Trotz der jüngsten Erholung kostet das Papier immer noch fast ein Viertel weniger als noch vor einem Jahr.

Indes gibt sich nicht nur die Deutsche Bank vorsichtiger: Auch der US-amerikanische Wettbewerber Citigroup gibt sich für das Gesamtjahr etwas pessimistischer. Die Nettozinseinnahmen dürften nur um 3 bis 4 Prozent steigen, sagte Finanzchef Mark Mason auf einer Branchenkonferenz. Zuvor hatte das Geldhaus 4 Prozent in Aussicht gestellt.

Grund seien die Abflachung der Zinskurve und die Erwartung mehrerer Zinssenkungen durch die Notenbank Federal Reserve noch in diesem Jahr. Deshalb sei das Finanzinstitut nun vorsichtiger mit seinem Ausblick. Außerdem dürften die Einnahmen aus dem Handelsgeschäft mit Aktien und Anleihen im dritten Quartal leicht zurückgehen.

rei/dpa/Reuters

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