Sonntag, 26. Januar 2020

Deutsche Bank im Umbruch Bedenkliche Gewichtsverschiebung

Erinnert an alte Zeiten: Deutsche-Bank-CEO Sewing justiert noch an seinem Umbauplan

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hält an seinen Zielen fest, gibt dem Investmentbankgeschäft aber mehr Bedeutung. Er erinnert an alte Zeiten und es klingt nach einer gewagten Wette.

Es war vor allem eine Botschaft, die Christian Sewing bei der Investorenkonferenz der Deutschen Bank am Dienstag loswerden wollte: "Wir liegen im Plan", betonte der Bankchef gleich mehrfach. "In einigen Bereichen sind wir dem Plan sogar voraus", schob er hinterher, als er Investoren und Analysten die bisherigen Fortschritte beim Umbau des Krisenhauses vorstellte.

In einigen Bereichen hat Sewing allerdings den Plan geändert - ein Eingeständnis, dass nicht alles nach Plan geht.

So hat Sewing die Ertragserwartungen fürs Investmentbankgeschäft auf mittlere Sicht von Null auf zwei Prozent erhöht. Das klingt nach einer gewagten Wette und nach alten Zeiten, die er eigentlich abhaken wollte. Im Gegenzug hat Sewing eingeräumt, dass die Erträge in der Privatkundensparte in den nächsten drei Jahren wohl eher stagnieren werden - und nicht wie noch im Sommer erwartet um zwei Prozent zulegen würden. Das begründete er unter anderem mit den Folgen des Zinstiefs.

Eigentlich hatte Sewing bei seinem groß angekündigten Strategieschwenk im Juli deutlich gemacht: Man wolle sich künftig auf die stabileren Umsatzbringer konzentrieren und das schwankungsanfällige Investmentbankgeschäft schrumpfen.

Profitiert die Investmentbank nur von einem Trend?

Das ist er auch angegangen, indem er sich vom Aktienhandel trennte. Nun gibt er aber einem anderen Teil der Investmentbanksparte, dem Handel mit Anleihen, doch wieder mehr Gewicht und preist es als Ertragstreiber. "Besonders stolz bin ich auf unsere Investmentbank: Wir haben uns schnell neu aufgestellt, und inzwischen läuft das Geschäft viel besser als erwartet", lobte er.

Offenbar reichte dafür eine recht überraschende Erholung des Geschäfts im Oktober und November. Noch ist unklar, wie lange das andauern wird. Darauf eine Wachstumsprognose für die nächsten drei Jahre aufzubauen, ist kühn und nicht die radikale Abkehr vom Investmentbankgeschäft, die er versprochen hatte.

Außerdem erwarten Analysten im Investmentbanking insgesamt ein gutes Jahresschlussquartal für die Branche. Es lässt sich daher noch nicht sagen, ob die Deutsche Bank sich in dieser Sparte wirklich so gut aufgestellt hat, wie von Sewing behauptet, oder einfach nur kurzfristig von einem Trend profitiert.

Trotz der optimistischen Aussichten im Investmentbankgeschäft hat Sewing seine Wachstumserwartungen für die gesamte Bank auf ein Prozent halbiert. Er hat sich den Realitäten angenähert. Bei der Eigenkapitalrendite hält er dagegen an den im Sommer verkündeten 8 Prozent fest. Das klingt nicht nur verwegen, sondern angesichts des stärkeren Gegenwinds, den die Bank zu spüren bekommt, nahezu unmöglich.

Wahrscheinlich ist das der nächste Punkt, den Sewing bei einer Überprüfung seiner Strategie im nächsten Jahr ändern könnte.

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