Dienstag, 16. Juli 2019

Group Management Committee der Deutschen Bank Die erstaunliche Wiederkehr der Wall-Street-Heroen

Lehman-Szene: Ein Mann mit Karton verlässt die Deutsche Bank in der Londoner City

Auf den ersten Blick ist der Fall klar: Die Deutsche Bank begräbt ihre globalen Ambitionen. Der Kahlschlag von 18.000 Stellen trifft vor allem die Investmentbanker in Übersee - viele von Tokio bis London mussten gleich Montag früh ihre Büros räumen. Überbleiben soll im Kern eine deutsche Bank, die sich in erster Linie an den Bedürfnissen hiesiger Unternehmen orientiert. Im künftigen Vorstand sitzen sieben Deutsche neben einem Briten und einer Amerikanerin, mehrheitlich seit über 20 Jahren im Konzern.

Als der heutige Chef Christian Sewing (49) 2015 in das Gremium einzog, ging es noch deutlich bunter und polyglotter zu. Vor allem war der Vorstand damals nur Teil des großen Group Executive Committee (GEC) mit Namen wie Colin Fan, Alan Cloete, Michele Faissola oder Nadine Faruque - bis Sewings Vorgänger John Cryan die weltumspannende Führung im Namen einer "besser kontrollierten, kosteneffizienteren und stärker fokussierten Bank" kurzerhand einsparte.

Das GEC, 2002 unter Josef Ackermann eingeführt, galt zeitweise als heimliches Machtzentrum und passte nicht mehr in die Zeit.

Doch halt: Die Ironie der Geschichte will, dass im nächsten Umbau der Bank - mit ähnlichen Zielen und ähnlichem Ton verkündet wie 2015 - genau so ein Gremium wieder eingeführt wird, nur mit leicht verändertem Namen: das Group Management Committee, dem zusätzlich zum neunköpfigen Vorstand neun Leiter der Geschäftsbereiche angehören sollen. Der Abbau zehntausender Jobs und hunderter Milliarden Euro Bilanzposten war allgemein erwartet worden; die Wiederkehr des Schattenkabinetts nicht. Anleger reagierten verunsichert: Die Aktie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen gab am Montag im späten Handel deutlich nach.

In einem Brief an die Beschäftigten begründet Christian Sewing die neue, alte Struktur damit, dass "wir die operativen Leiter der Geschäftsbereiche ganz bewusst von den Vorstandsaufgaben entbinden, die viel Zeit und Aufmerksamkeit erfordern". Stattdessen sollten sie "wie Unternehmer innerhalb unserer Bank arbeiten können". Die Spartenchefs verschwinden völlig aus dem eigentlichen Vorstand, der nur noch für zentrale Aufgaben wie Recht, IT oder Verwaltung zuständig ist - und die Regionen, jedenfalls zwei davon: Amerika und Asien.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung