Fotostrecke

Deutsche-Bank-Großaktionär HNA: Das obskure Finanzgeflecht von Chinas Ferieninsel

Foto: World Travel & Tourism Council

Investoren meiden China-Holding HNA Die Geldnot des Hauptaktionärs der Deutschen Bank

Fotostrecke

Deutsche-Bank-Großaktionär HNA: Das obskure Finanzgeflecht von Chinas Ferieninsel

Foto: World Travel & Tourism Council

Aus Sicht der Deutschen Bank ist es schon fast ein Fortschritt: Es droht mal wieder eine Investorenpanik. Diesmal trifft sie aber nicht die Bank selbst, sondern nur ihren größten Aktionär HNA - diejenige chinesische Firma, die der Deutschen Bank zu Jahresbeginn aus der Patsche geholfen und die Kapitalerhöhung wesentlich mitgetragen hatte.

Die rasante Expansion des vor wenigen Jahren noch kaum bekannten Unternehmens zu einem der größten chinesischen Firmenkäufer auf der Weltbühne fordert nun ihren Tribut. Nicht nur die Gläubiger argwöhnen, das von der südchinesischen Insel Hainan stammende Unternehmen könne sich übernommen haben.

Wie "Bloomberg" berichtet , musste am Dienstag zum dritten Mal in diesem Monat eine HNA-Tochterfirma einen Verkauf von Schuldscheinen absagen. Die Fluggesellschaft Tianjin Airlines nannte "Marktfluktuationen" als Grund, und betonte ihr solides operatives Geschäft. Gedacht waren die neuen Wertpapiere, um Anfang 2018 fällige alte Anleihen abzulösen. Mit den aktuell von HNA-Unternehmen geforderten Risikoaufschlägen aber werden die Zinskosten zu hoch - bis zu 9 Prozent verlangen Investoren, um dem Konzern für ein Jahr Geld zu leihen.

Nach Berechnung von Bloomberg haben sich die Zinskosten von HNA im ersten Halbjahr auf 15,6 Milliarden Yuan (2 Milliarden Euro) im Jahresvergleich verdoppelt. Die Schulden des Konglomerats stiegen auf 185,2 Milliarden Yuan (23,8 Milliarden Euro). Nach eigenen Angaben belaufen sich die zugesagten (aber nur zum Teil beanspruchten) Kreditlinien sogar auf 800 Milliarden Yuan.

HNA wirft seine neu erworbenen Trophäen wieder auf den Markt

Fotostrecke

Deutsche Bank will in neue Ära starten: Die wichtigsten Akteure der Deutschen Bank

Foto: REUTERS

Am Wochenende räumte die Citic-Bank ein, Probleme mit Forderungen an HNA zu haben. Das Konglomerat habe "vorübergehende Liquiditätsprobleme". Anfang des Monats hatte Konzernmanager Zhao Quan noch in einem Interview die "gesunde und stabile Schuldenstruktur" betont.

Keinesfalls drehten die großen chinesischen Banken den Geldhahn zu. Vielmehr stünden acht von ihnen bereit; sie warteten nur auf das neue Jahr, um neue Kreditquoten zugeteilt zu bekommen. 2018 werde es keinen Zahlungsausfall von HNA geben. Damit die Botschaft der Zuversicht verfängt, kaufte HNA eigene Anleihen zurück und ließ auch Topmanager eigenes Geld investieren.

Dass solche Beteuerungen überhaupt nötig sind, setzt allerdings auch ein Signal am Finanzmarkt. Zhao fügte noch hinzu, HNA habe "nicht plötzlich" angefangen, seine neu erworbenen prestigeträchtigen Investments im Westen "blind" wieder zu verkaufen.

In der Schweiz soll bald die Flugzeugcateringfirma Gategroup, vor einem Jahr für 1,4 Milliarden Franken gekauft, wieder an die Börse gebracht werden. Von Anteilen der spanischen NH-Hotelgruppe hat HNA sich bereits wieder getrennt. Zudem kommen Immobilienpakete in London, New York und anderen Städten auf den Markt.

HNA gibt weiter Rätsel auf - auch Neuzugang Philipp Rösler hält sich bedeckt

Mit dem fortgesetzten Expansionskurs hat HNA sich über die Absicht der chinesischen Führung hinweggesetzt, den Kapitalexport zu bremsen. Jetzt nimmt die Finanzaufsicht in China HNA und andere Finanzkonglomerate unter die Lupe - ebenso wie die deutsche Bafin und laut manchen Berichten auch die EZB.

Die undurchsichtige Eigentümerstruktur mit verschiedenen Stiftungen gibt weiterhin Rätsel auf. Nicht einmal Ex-Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, seit Dezember als Leiter einer der Stiftungen in New York angeheuert, mochte im Interview mit dem "Handelsblatt" vergangene Woche etwas über HNA sagen; "die Gründer wollten die Stiftung deutlich vom unternehmerischen Bereich abtrennen".

Die "Süddeutsche Zeitung" sieht bereits einen Zusammenhang zwischen den Geldsorgen der Chinesen und dem schwachen Aktienkurs der Deutschen Bank . Sollte HNA wieder verkaufen müssen, hätte sich der Streit zwischen Bankchef John Cryan und Aufsichtsratschef Paul Achleitner über den richtigen Umgang mit dem größten der inzwischen vier umtriebigen Großaktionäre erledigt.

In einer Hinsicht kann die Deutsche Bank auf jeden Fall beruhigt sein. Die in der Kapitalerhöhung eingenommenen Milliarden, von HNA bei der Schweizer UBS geliehen, sind sicher.