Mittwoch, 20. November 2019

Investoren meiden China-Holding HNA Die Geldnot des Hauptaktionärs der Deutschen Bank

Deutsche-Bank-Großaktionär HNA: Das obskure Finanzgeflecht von Chinas Ferieninsel
World Travel & Tourism Council

2. Teil: HNA wirft seine neu erworbenen Trophäen wieder auf den Markt

Am Wochenende räumte die Citic-Bank ein, Probleme mit Forderungen an HNA zu haben. Das Konglomerat habe "vorübergehende Liquiditätsprobleme". Anfang des Monats hatte Konzernmanager Zhao Quan noch in einem Interview die "gesunde und stabile Schuldenstruktur" betont.

Keinesfalls drehten die großen chinesischen Banken den Geldhahn zu. Vielmehr stünden acht von ihnen bereit; sie warteten nur auf das neue Jahr, um neue Kreditquoten zugeteilt zu bekommen. 2018 werde es keinen Zahlungsausfall von HNA geben. Damit die Botschaft der Zuversicht verfängt, kaufte HNA eigene Anleihen zurück und ließ auch Topmanager eigenes Geld investieren.

Dass solche Beteuerungen überhaupt nötig sind, setzt allerdings auch ein Signal am Finanzmarkt. Zhao fügte noch hinzu, HNA habe "nicht plötzlich" angefangen, seine neu erworbenen prestigeträchtigen Investments im Westen "blind" wieder zu verkaufen.

In der Schweiz soll bald die Flugzeugcateringfirma Gategroup, vor einem Jahr für 1,4 Milliarden Franken gekauft, wieder an die Börse gebracht werden. Von Anteilen der spanischen NH-Hotelgruppe hat HNA sich bereits wieder getrennt. Zudem kommen Immobilienpakete in London, New York und anderen Städten auf den Markt.

HNA gibt weiter Rätsel auf - auch Neuzugang Philipp Rösler hält sich bedeckt

Mit dem fortgesetzten Expansionskurs hat HNA sich über die Absicht der chinesischen Führung hinweggesetzt, den Kapitalexport zu bremsen. Jetzt nimmt die Finanzaufsicht in China HNA und andere Finanzkonglomerate unter die Lupe - ebenso wie die deutsche Bafin und laut manchen Berichten auch die EZB.

Die undurchsichtige Eigentümerstruktur mit verschiedenen Stiftungen gibt weiterhin Rätsel auf. Nicht einmal Ex-Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, seit Dezember als Leiter einer der Stiftungen in New York angeheuert, mochte im Interview mit dem "Handelsblatt" vergangene Woche etwas über HNA sagen; "die Gründer wollten die Stiftung deutlich vom unternehmerischen Bereich abtrennen".

Die "Süddeutsche Zeitung" sieht bereits einen Zusammenhang zwischen den Geldsorgen der Chinesen und dem schwachen Aktienkurs der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen. Sollte HNA wieder verkaufen müssen, hätte sich der Streit zwischen Bankchef John Cryan und Aufsichtsratschef Paul Achleitner über den richtigen Umgang mit dem größten der inzwischen vier umtriebigen Großaktionäre erledigt.

In einer Hinsicht kann die Deutsche Bank auf jeden Fall beruhigt sein. Die in der Kapitalerhöhung eingenommenen Milliarden, von HNA bei der Schweizer UBS geliehen, sind sicher.

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