Samstag, 21. September 2019

Gespräche zuletzt im Juni Deutsche Bank und UBS verhandelten über Allianz im Investmentbanking

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt
Arne Dedert/ DPA
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Die Deutsche Bank und der Schweizer Vermögensverwalter UBS haben in diesem Jahr über verschiedene Formen einer Allianz bis hin zu einer Vollfusion der beiden Institute gesprochen. Zuletzt im Juni sollen sich die Finanzchefs und weitere Manager der beiden Banken in der Nähe von Mailand getroffen haben, um zumindest eine Allianz im Investmentbanking auf die Beine zu stellen, berichtete das "Wall Street Journal"(€) am Sonntag unter Berufung auf Insider. Die Gespräche über eine Vollfusion sollen hingegen spätestens im Mai beendet worden sein.

Auch eine Vereinbarung über den Zusammenschluss ihrer Investmentbanking-Sparten sei aber nie zustande gekommen, da sich beide Seiten über heikle Fragen nicht hätten einigen können - etwa wie Kapital für ein zusammengelegtes Geschäft strukturiert und dabei verteilt werden würde. Dem Bericht zufolge haben beide Banken in den vergangenen Jahren mit Unterbrechungen immer wieder über eine mögliche Fusion gesprochen. Die Gespräche seien auch nie endgültig vom Tisch gewesen.

Nach Einschätzung des Wall Street Journals zeigten die Gespräche, wie weit europäische Banken gehen würden, um sich in einem extrem schwierigen Umfeld von Negativzinsen und verlangsamten Wirtschaftswachstum zu behaupten und zugleich Übergriffe größerer US-Rivalen auf ihren Heimatmärkten abzuwehren. Im April - mitten in den Fusionsgesprächen mit der Commerzbank - hatten die Institute laut britischen Medien ernsthafte Gespräche über einen Zusammenschluss ihrer beiden Vermögensverwaltungen geführt. Sie seien aber aufgegeben worden, da man sich nicht verständigen konnte, wer einen solche neue Einheit kontrollieren würde.

Eine Allianz sollte den jetzt angekündigten Stellenabbau verhindern

Innerhalb der Deutschen Bank hätte man die Fusion als Möglichkeit gesehen, das größte deutsche Geldhaus vor schmerzhaften Schnitten zu bewahren - jene Schnitte, die Vorstandschef Christian Sewing mit dem Abbau von bis zu 18.000 Jobs weltweit jetzt doch vollziehen muss.

Die Hälfte der Umbaukosten verbuchte die Deutsche Bank bereits im zweiten Quartal. Ein zudem schwaches Investmentbanking brockte der Bank dann im zweiten Jahresviertel einen Nettoverlust von mit 3,1 Milliarden Euro ein. Das Management zieht die Sparzügel straff an: Jede Neueinstellung weltweit ist vom Vorstand zu genehmigen.

Die UBS hat lange unter der volatilen Performance ihrer Investmentbank gelitten. Die Aktie notiert derzeit nahe ihrem Tiefpunkt seit der Umstrukturierung im Jahr 2012. Die Aktie der Deutschen Bank notiert knapp über ihren Allzeittief.


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In einer Allianz des Investmentbankings hätten beiden Banken ihre Stärke kombinieren wollen, heißt es in dem Bericht weiter. So gilt das deutsche Institut nach wie vor als wichtiger Akteur im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und im Strukturierungsgeschäft. Umgekehrt hätte die Deutsche Bank Teile ihres Geschäfts in das erfolgreichere Aktiengeschäft der UBS einfließen lassen. Auch sollen die Schweizer an einer Reihe von Teams der Deutschen Bank in den USA interessiert gewesen sein.

Im Gegensatz zu vielen US-amerikanischen Wettbewerbern leiden Europas Banken immer noch unter den Folgen der Finanzkrise und auch eigenen Versäumnissen. Viele Probleme, etwa die Bereinigung ihrer Bilanzen und die Anpassung des Geschäfts an die herausfordernden Markbedingungen - müssen sie jetzt auch wegen verschärfter Bankenregeln in Angriff nehmen.

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