Dienstag, 23. Juli 2019

Umbau der Krisenbank Deutsche-Bank-Vorstand Garth Ritchie geht

Abschied von der Deutschen Bank: Chef-Investmentbanker Garth Ritchie kassierte 2018 rund 8,6 Millionen Euro - trotz mauer Zahlen in seiner Sparte
ddp images/Sven Simon
Abschied von der Deutschen Bank: Chef-Investmentbanker Garth Ritchie kassierte 2018 rund 8,6 Millionen Euro - trotz mauer Zahlen in seiner Sparte

Garth Ritchie, stellvertretender Chef der Deutschen Bank und Leiter des Investmentbankings, wird das Unternehmen zum Ende des Monats verlassen. Die Trennung zum 31. Juli 2019 erfolge in gegenseitigem Einvernehmen, teilte die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen am Freitag mit. Die Verantwortung für das Unternehmens- und Investmentbanking wird Vorstandschef Christian Sewing übernehmen.

Mit dem Abgang von Ritchie fordert der Umbau der Deutschen Bank ein weiteres prominentes Opfer. Am Sonntag soll der Aufsichtsrat der Deutschen Bank den Sanierungsplan für das krisengeschüttelte Geldhaus absegnen. Es wird damit gerechnet, dass das Investmentbanking kräftig eingedampft wird. Aktionäre nahmen den Abgang von Ritchie mit Erleichterung auf: Die Aktie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen legte in einem schwachen Gesamtmarkt zuletzt um mehr als 2 Prozent zu.

Über den bevorstehenden Abschied von Ritchie hatte manager magazin bereits berichtet - auch darüber, dass Deutsche-Bank-Chef Sewing Ritchies Aufgaben zusätzlich zu seinem Job als Vorstandschef übernehmen wird. Ritchie behält nach seinem Abschied zum Ende Juli ein Beratermandat bis Ende November, um die Bank wegen "zeitkritischer regulatorischer Fragen in Bezug auf Großbritannien und auf den Brexit" zu beraten, hieß es.

Vorstand seit 2016 - doch das Investmentbanking lief zuletzt schlecht

Der im Jahr 1968 geborene Ritchie war erst im April 2018 vom Aufsichtsrat zu einem von zwei Stellvertretern des damals auf den Chefposten beförderten Sewing ernannt worden. Vorstandsmitglied war Ritchie, der 1996 zur Deutschen Bank gekommen war, seit dem 1. Januar 2016.

Doch die Geschäfte in seiner Sparte liefen unter dem Strich zuletzt schlecht. Für viel Kritik auf Aktionärsseite sorgte zudem die vergleichsweise üppige Bezahlung Ritchies. 8,6 Millionen Euro kassierte der Manager inklusive Boni für das Geschäftsjahr 2018 - mehr als Sewing (7 Millionen Euro) und fast genauso viel wie die sieben Vorstände der Commerzbank zusammen, die beinahe zum Fusionspartner der Deutschen Bank geworden wäre.

Allein 3 Millionen Euro gestand der Aufsichtsrat um Chefkontrolleur Paul Achleitner Ritchie wegen dessen federführender Rolle bei den Brexit-Vorbereitungen des größten deutschen Geldhauses zu.

Bei der Deutschen Bank wird angesichts des jahrelangen Kurssturzes ein radikaler Umbau vorbereitet. Der Sanierung dürften 15 000 bis 20 000 Vollzeitstellen zum Opfer fallen.

la/mmo

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