Britische Finanzaufsicht klagt an Deutsche Bank hat Finanzkriminalität zu lax bekämpft

Topmanager der Deutschen Bank haben das Thema Finanzkriminalität in der Vergangenheit sträflich vernachlässigt, kritisiert die britische Finanzaufsicht. Eine Untersuchung soll die Vorwürfe aufklären. Die Bank räumt Probleme ein und will ihre Strategie hier grundlegend ändern.
Von mm-newsdesk
Nur einer von mehreren Vorwürfen: Über die Deutsche Bank in Moskau sollen russische Kunden Rubel in Milliardenhöhe gewaschen haben

Nur einer von mehreren Vorwürfen: Über die Deutsche Bank in Moskau sollen russische Kunden Rubel in Milliardenhöhe gewaschen haben

Foto: Sergei Ilnitsky/ picture alliance / dpa

Die Deutsche Bank hat Probleme bei ihren Vorkehrungen gegen Geldwäsche, Terrorfinanzierung und Sanktionen eingeräumt. "Wir kooperieren mit unseren Regulatoren, um unser Programm zur Abwehr von Finanzkriminalität grundlegend zu korrigieren", erklärte das Institut am späten Sonntagabend.

Zugleich sicherte die Bank zu, nach dem umstrittenen Rücktritt ihres Chefaufklärers Georg Thoma die Untersuchungen zu den Zinsfälschungen vorantreiben. "Gerade jetzt werden wir da keine Abstriche machen", sagte Finanzvorstand Marcus Schenck der "Welt am Sonntag".

Zuvor hatte die "Financial Times" darüber berichtet, dass die britische Finanzaufsicht FCA der Bank grobe Versäumnisse bei ihren Kontrollen vorwirft. Die Tochter der Deutschen Bank in Großbritannien weise in diesen Bereichen "systematische Mängel" auf, zitierte das Blatt aus einem Brief der Finanzaufsicht an das Geldhaus. Das Schriftstück, das ihr vorliege, datiere auf den 2. März.

"Wir sind uns der Bedeutung dieses Themas bewusst und bemühen uns intensiv und mit Engagement um eine Lösung", erklärte die Bank weiter.

Nach Angaben der "FT" hat die FCA im vergangenen Jahr 14 große Banken auf ihre Vorkehrungen gegen Finanzkriminalität überprüft und dabei bei der Deutschen Bank zahlreiche Missstände entdeckt. Diese hätten von fehlenden Unterlagen über eine lückenhafte Überwachung von Transaktionen bis hin zu unangemessenen Druck auf die Mitarbeiter gereicht, mit bestimmten Kunden ins Geschäft zu kommen.

"Topmanagement hat sich nicht ausreichend um die Finanzkriminalität gekümmert"

"Das Topmanagement hat sich eine beträchtliche Zeit nicht ausreichend um die Finanzkriminalität gekümmert", zitierte die Zeitung weiter aus dem Brief an die Bank. Die Aufsicht habe nun eine gesonderte, unabhängige Überprüfung angeordnet. Dabei soll auch untersucht werden, wie die Bank die Missstände abstellen kann. Auch rechtliche Konsequenzen könnten dann drohen. Dieser Teil der Untersuchung dürfte der Zeitung zufolge Monate dauern und nicht mehr in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Die größte deutsche Bank steht seit geraumer Zeit wegen diverser Verfehlungen aus der Vergangenheit unter Beschuss. Zuletzt hatten möglicherweise kriminelle Geschäfte in der Moskauer Handelssparte das Institut aufgeschreckt. Der Fall könnte große Sprengkraft haben. Zahlreiche Behörden auch in den USA ermitteln deshalb wegen des Verdachts der Geldwäsche und wegen möglicher Verstöße gegen die politische Sanktionen. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll inzwischen bei 10 Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert und weite Teile des Investmentbankings in Moskau geschlossen.

Es ist nicht die einzige Baustelle der Bank. Allein für ihre Beteiligung an der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor musste sie Milliarden-Strafen zahlen. Erst in der vergangenen Woche hatte der Chefaufklärer im Aufsichtsrat der Deutschen Bank aufgegeben, Wirtschaftsanwalt Georg Thoma. Zuletzt war ihm öffentlich vorgeworfen worden, er sei bei der Aufarbeitung der Skandale über das Ziel hinausgeschossen und lähme damit die Bank.

Kommentar: Das moralische Versagen der Deutschen Bank - und die Folgen

rei/dpa
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