Montag, 22. April 2019

Finanzaufsicht schickt Aufpasser Warum die Deutsche Bank mit dem Kampf gegen Geldwäsche ein Problem hat

Bekommt einen Aufpasser: Sylvie Matherat, Vorständin der Deutschen Bank, und unter anderem zuständig für Geldwäscheprävention.

Ohne geht es nicht: Die Finanzaufsicht setzt bei der Deutschen Bank einen Sonderbeauftragten ein. Dieser soll gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung vorgehen und das Institut überwachen - ein bislang einmaliger Vorgang in Deutschland.

Schärfer kann eine Rüge nicht sein: Die Finanzaufsicht Bafin setzt bei der Deutschen Bank einen Sonderbeauftragten für Geldwäscheprävention ein. Dieser solle die Umsetzung der von der BaFin angeordneten Maßnahmen zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung überwachen. "Es ist das erste Mal, dass die Bafin eine solche aufsichtliche Maßnahme bei einer Bank im Bereich der Geldwäscheprävention anordnet", hieß es in einer Mitteilung der Behörde. Sie erfolge zusammen mit der Anordnung an die Bank, angemessene interne Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen und allgemeine Sorgfaltspflichten einzuhalten.

Der Ukas der BaFin ist ein schwerer Schlag für Deutsche-Bank-Vorstandschef Christian Sewing und dessen Vorstandskollegin Sylvie Matherat. Die Französin ist beim größten deutschen Geldhaus als "Chief Regulatory Officer" unter anderem für die Beziehungen zu den weltweiten Banken-Aufpassern und die Abwehr von Geldwäsche zuständig.

Zuletzt hatte Matherat in ihrem Ressort einige Spitzenkräfte verloren, die wichtige Ansprechpartner für die Spitzenbürokraten waren: Ihr LandsmannPhilippe Vollot, Chef der Anti-Geldwäscheeinheit der Deutschen Bank, war zur Danske Bank gewechselt - zwar im Range eines Vorstands, aber eben auch zu einem deutlich kleineren Institut.

Zudem hat nach Informationen von manager-magazin.de Eileen Taylor die Bank verlassen. Sie war unter Matherat als "Global Head of Regulatory Management" für die Beziehungen zu sämtlichen Finanzregulatoren zuständig. Die Position Taylors sei noch nicht wieder besetzt, teilte die Bank auf Nachfrage mit.

Der Sonderbeauftragte hat zunächst den Auftrag, drei Jahre lang zu überwachen, wie die Deutsche Bank die Vorgaben zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung umsetzt. Dieses Mandat kann - abhängig von den Fortschritten des Instituts - verkürzt oder auch verlängert werden.

Das skandalgeplagte Geldhaus hat vor einigen Monaten Mängel in internen Prozessen zur Überprüfung von Kunden eingeräumt, die von Behörden im Kampf gegen Geldwäsche gefordert werden. Wie die Nachrichtenagentur Reuters damals berichtete, hat das Institut unter anderem Probleme bei der Identifikation russischer Kunden. Man habe teilweise nicht nachvollziehen können, ob diese existierten und woher das Geld der Kunden stamme. Das ging aus Dokumenten hervor, die Reuters vorlagen. Die Deutsche Bank versprach damals: "Die Dokumente zeigen, dass unsere internen Prozesse immer noch zu kompliziert sind." Man müsse diese verbessern.

Regulierungsbehörden weltweit verlangen von Geldhäusern, dass diese bestimmte Verfahren einhalten, umihre Kunden zu identifizieren ("Know your customer" - kyc). So sollen Geldwäsche und Verstöße gegen Sanktionen verhindert werden. Die Deutsche Bank ist bereits 2016 von der britischen Finanzaufsicht FCA gewarnt worden. Das Institut weise "schwerwiegende" Versäumnisse im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung auf. Diese Versäumnisse seien "systematischer Natur", hieß es damals in einem Brief der FCA und weiter: Das Topmanagement habe über einen beträchtlichen Zeitraum merkliches Engagement und Führung bei der Verhinderung von Finanzkriminalität vermissen lassen.

Auch in den USA steht die Deutsche Bank unter intensiver Beobachtung. Das Geldhaus steht dort auf der Liste der Problembanken, deren Schwächen ihre finanzielle Überlebensfähigkeit gefährden. Zu den Schwächen gehören auch Probleme, die Regeln guter Unternehmensführung einzuhalten.

"Angesichts all dieser Warnschüsse fragt man sich, was eigentlich noch nötig ist, um die Deutsche Bank endlich dazu zu bringen, diese Probleme ernsthaft anzugehen und aus der Welt zu schaffen", heißt es aus Finanzkreisen, die mit der Entscheidung des Bafin, einen Sonderbeauftragten einzusetzen, vertraut sind.

Die Bank zeigte sich nach der Entscheidung der BaFin einsichtig: "Wir haben den Anspruch, dass die Prozesse zur Identifizierung unserer Kunden den regulatorischen Anforderungen in jeder Hinsicht gerecht werden", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank. "Wir stimmen mit der BaFin darin überein, dass wir diese Prozesse in der Unternehmens- und Investmentbank weiter verbessern müssen."

Die Bank arbeite gemeinsam mit der Finanzaufsicht und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG als Sonderbeauftragter daran, "die regulatorischen Anforderungen schnellstmöglich und im vorgegebenen Zeitrahmen zu erfüllen", sagte der Sprecher weiter.

Geldwäschekontrollen sollen effizienter werden

Vollots Nachfolger als oberster Anti-Geldwäschebeauftragter steht immerhin fest: Stephan Wilken arbeitet seit 24 Jahren als Risikomanager für das größte deutsche Geldhaus. Auf Wilken wartet viel Arbeit: So gibt es nach wie vor Probleme bei der Identifizierung von Kunden - einer wichtigen Voraussetzung, um Geldwäschefälle aufzudecken und sie dann effizient verfolgen zu können.

soc/slo/rei/reuters

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