Samstag, 23. November 2019

Geldwäsche Fed prüft Rolle der Deutschen Bank bei Danske-Skandal

Die Warnsysteme schlugen schon lange vorher an: Bis zu 200 Milliarden Euro sollen über eine estnische Filiale der Danske-Bank gewaschen worden sein
REUTERS/Jacob Gronholt-Pedersen/File Photo
Die Warnsysteme schlugen schon lange vorher an: Bis zu 200 Milliarden Euro sollen über eine estnische Filiale der Danske-Bank gewaschen worden sein

Wie stark ist die Deutsche Bank im Geldwäscheskandal der Danske-Bank verwickelt? Die US-Notenbank geht jetzt verschärft dieser Frage nach. Denn die Deutsche Bank wickelte als Korrespondenzbank ganz wesentlich den Zahlungsverkehr mit ab. Es geht um 200 Milliarden Euro gewaschenes Geld.

Die US-Notenbank nimmt nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg die Deutsche Bank wegen ihrer Rolle beim Geldwäscheskandal der Danske Bank ins Visier. Die Federal Reserve prüfe, ob die US-Niederlassung der größten deutschen Bank die bei ihr durchgeleiteten Vermögen der estländischen Danske-Sparte richtig kontrolliert habe, berichtete Bloomberg unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Die Untersuchung der Fed, bei der auch die Bankenaufsicht beheimatet ist, sei noch in einem frühen Stadium. Eine Sprecherin der Deutschen Bank wollte die Informationen dem Bericht zufolge nicht kommentieren - auch von der Fed habe es keinen Kommentar gegeben. Die Deutsche Bank war eine der sogenannten Korrespondenzbanken für die Filiale des dänischen Geldhauses in Estland, die im Mittelpunkt eines der größten Geldwäsche-Skandale Europas steht.

Dabei geht es um mutmaßliche Verstöße gegen Vorschriften zur Vermeidung von Geldwäsche. In der estnischen Filiale der Danske-Bank sollen 200 Milliarden Euro gewaschen worden sein. Als Korrespondenzbank half das größte deutsche Geldinstitut bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Weil der Deutschen Bank Transaktionen wiederholt verdächtig vorkamen, beendete sie 2015 die Geschäftsbeziehung mit der estnischen Danske-Filiale.

Das wirft Fragen auf: Kam der Schritt zu spät? Hätte den Deutsche-Bank-Mitarbeitern früher etwas auffallen müssen? Waren die internen Kontrollen ausreichend?

Laut "Spiegel" sollen es bankintern lange vor 2015 deutliche Hinweise gegeben haben, dass etwas nicht stimme mit Danske-Kunden. So hätten die Deutsche Bank und ihre US-Tochter bereits zwischen März 2013 und November 2014 mindestens ein Dutzend Geldzahlungen von Danske-Kunden auf Deutsche-Bank-Konten in sechsstelliger Höhe zurückgewiesen - weil intern die Systeme anschlugen.

Deutsche Bank: Hauptverantwortung trägt die Hausbank

Deutsche-Bank-Vize Karl von Rohr hatte der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" dazu im Dezember gesagt: "Eine Korrespondenzbank hat die Pflicht, die Transaktionen hinsichtlich Sanktionen und Verdachtsmomenten für Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung zu prüfen. Dafür stehen uns aber nur sehr begrenzt Informationen zur Verfügung".

Die Hauptverantwortung trage die Hausbank. "Die Danske Bank hat die Pflicht, ihre Kunden zu kennen, denn sie pflegt den direkten Kontakt. Dänemark ist in der EU, Estland ist ein Euroland; da müssen wir davon ausgehen können, dass die Bank nach vernünftigen Standards geführt wird und den regulatorischen Anforderungen entspricht", sagte von Rohr. Ende des vergangenen Jahres hatte es immer wieder Berichte gegeben, dass die Deutsche Bank tiefer in den Skandal verwickelt sein könnte als gedacht.

Für die Deutsche Bank kamen die Berichte über die möglicherweise tiefere Verwicklung in den Danske-Skandal zur denkbar ungünstigen Zeit, da Ende November Ermittler in einem anderen Fall in einer aufsehenerregenden Razzia die Deutsche-Bank-Zentrale durchsucht hatten. Mitarbeiter sollen Kunden dabei geholfen haben, Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen zu gründen und auf diesem Weg Gelder aus Straftaten zu waschen, so der Verdacht der Fahnder.

Vorstandschef Christian Sewing hatte vergangene Woche beim Neujahrsempfang der Bank in Berlin gesagt: "In beiden Fällen hatten wir die Vorgänge aufgearbeitet, lange bevor sie an die Öffentlichkeit kamen". Im Fall der Danske Bank habe man eine weitere interne Untersuchung auf den Weg gebracht.

An der Börse sorgten die Berichte und die Razzia für massive Kursverluste - das Vertrauen der Investoren, dass die Bank ihre Probleme in den Griff bekommt, schwand zunehmend. Die Aktie stürzte Ende des vergangenen Jahres auf das Rekordtief von 6,678 Euro. Inzwischen hat sich das Papier wieder etwas erholt, kostet aber mit 7,86 Euro immer noch rund ein Drittel weniger als zum Amtsantritt Sewings im vergangenen Jahr. Sewing hatte im April den glücklosen John Cryan an der Spitze der Bank abgelöst und gilt als letzte Hoffnung für Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

Mit einem Börsenwert von rund 16 Milliarden Euro spielt die Deutsche Bank am Kapitalmarkt selbst in Europa nur noch in der zweiten Liga - von den großen US-Häusern wie JPMorgan oder Bank of America ganz zu schweigen. Immerhin soll es im vergangenen Jahr den ersten Gewinn seit 2014 gegeben haben, wie Sewing kürzlich signalisierte. Die Bank stellt die Jahresbilanz am 1. Februar vor.

rei/dpa-afx

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