Nach scharfer Kritik Deutsche Bank fährt Russland-Geschäft weiter zurück

Die meisten Banken stellen ihr Geschäft in Russland ein und ziehen sich zurück. Ein kompletter Rückzug käme für sein Institut nicht infrage, sagte Christian Sewing. Nach scharfer Kritik reagiert jetzt der Deutsche-Bank-Chef. Auch die Commerzbank will nur noch abwickeln.
Deutsche Bank-Niederlassung in Moskau (Archivbild)

Deutsche Bank-Niederlassung in Moskau (Archivbild)

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Vyacheslav Prokofyev / picture alliance / dpa

Nach heftiger Kritik fährt nun auch die Deutsche Bank wegen des Ukraine-Kriegs ihr Russland-Geschäft herunter. Die Deutsche Bank habe ihr Engagement und ihre Präsenz in Russland seit 2014 substanziell verkleinert, teilte das Geldhaus am späten Freitagabend mit. "Wie einige unserer internationalen Wettbewerber sind wir dabei, unser verbleibendes Geschäft in Übereinstimmung mit den gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben herunterzufahren".

Gleichzeitig helfe das Finanzinstitut seinen bestehenden nichtrussischen, internationalen Kunden dabei, ihren Geschäftsbetrieb im Land zu verringern. "Wir machen in Russland kein Neugeschäft mehr", fügte die Bank hinzu. Die Commerzbank teilte kurz darauf ebenfalls mit, ihr Neugeschäft in Russland zu stoppen. "Wir haben das Neugeschäft in Russland eingestellt, nur bestehende Transaktionen wickeln wir noch ab", teilte eine Sprecherin des Geldhauses mit.

"Wir werden oft gefragt, warum wir uns nicht komplett aus Russland zurückziehen. Die Antwort darauf ist, dass dies unserem Selbstverständnis widersprechen würde."

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

Die Deutsche Bank war vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs wegen ihres Verbleibens in Russland in die Kritik geraten. Der amerikanische Investor Bill Browder (57), der sich seit Jahren für die Aufdeckung von Korruption in Russland einsetzt, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das Verbleiben der Deutschen Bank in Russland stehe im Widerspruch zur internationalen Geschäftswelt und werde zu Gegenreaktionen, Ansehensverlusten und geschäftlichen Belastungen im Westen führen.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing (51) hatte am Donnerstag in einer Mitteilung an alle Mitarbeiter des Instituts geschrieben: "Wir werden oft gefragt, warum wir uns nicht komplett aus Russland zurückziehen. Die Antwort darauf ist, dass dies unserem Selbstverständnis widersprechen würde." Die Bank habe Kunden, die sich nicht von heute auf morgen aus Russland verabschieden könnten. Die US-Rivalen Goldman Sachs und JP Morgan Chase hatten zuvor angekündigt, sie würden sich aus Russland zurückziehen.

Die Deutsche Bank hatte ihr Engagement in Russland zuletzt als sehr begrenzt bezeichnet. Das Institut habe die Risiken unter Kontrolle, hatte Finanzchef James von Moltke (52) am Donnerstag gesagt. Das Geldhaus bezifferte das Brutto-Kreditengagement in Bezug auf Russland mit 1,4 Milliarden Euro. Dazu kommen laut einer Präsentation der Bank zusätzliche Risiken im Volumen von 1,5 Milliarden Euro, die aber zu einem großen Teil durch Exportgarantien abgedeckt seien.

rei/Reuters/DPA